White Boy Rick

WHITE BOY RICK | Wie aus einem Hoffnungsträger, ein weggesperrter Drogen-Mogul wurde

Yann Demange gelingt mit WHITE BOY RICK packende Milieustudie, bewegendes Drama und spannender Thriller zugleich. Vor dem Hintergrund des schmutzig-schillernden Detroit der 1980er Jahre erzählt Demange eine kraftvolle Geschichte, die fast zu unglaublich klingt um wahr zu sein.

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Inhalt

Im Alter von nur 14 Jahren wird Richard Wershe Jr. (Richie Merritt) ein Undercover-Informant für das amerikanische Drogen-Dezernat. Sein Hauptauftrag ist es von nun an, die „Curry Crew“ zu infiltrieren, da sie die Drogenszene im Osten von Detroit kontrolliert. Mit dem Wissen, das sich das „Baby-Face“ im Laufe der Zeit aneignen konnte, steigt er auf dem Höhepunkt der Crack-Epidemie selbst zum berüchtigten Drogen-Mogul auf und gerät so auf die Verbrecherliste seiner ehemaligen Arbeitgeber – und das, obwohl sein Vater Richard Wershe Sr. (Matthew McConaughey) seit jeher gegen Drogen ist. Die Curry-Gang wird vom charismatischen Johnny „Lil Man“ Curry (Jonathan Majors) angeführt und obwohl die Familie in illegale Geschäfte verwickelt ist, haben sie einen großen Einfluss auf die Politik. Denn Johnnys Frau Cathy Volsan-Curry (Taylor Paige) ist die Nichte von Coleman Young (Art Terry), dem Bürgermeister von Detroit. Dieses politische Geflecht halten die Geschäfte der Currys am Laufen, doch arbeitet dieses Uhrwerk später gegen Rick Wershe Jr., als die Behörden ihn fallen lassen und er zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt wird.

Kritik

Eine krasse wahre Geschichte, die erzählt wird, aber kein Sprung in der evolutionären Leiter eines Drogenthrillers ist. Es sind die Darsteller, die Aktionen und deren Darbietungen, die WHITE BOY RICK trotzt tausendfach wiederkehrender Erzählung eines Milieus in Detroit samt dazugehöriger Seuche und zwielichtiger Gestalten, so besonders und sehenswert macht. Grundsätzlich bedarf es einen Auslöser, einen Anstoß. So bediente sich Yann Demange nach seinem ersten und wirklich gelungenen Langspielfilm 71 an der Geschichte von Richard Wershe Jr., der zum Opfer eines fragwürdigen Systems wurde und bis heute für seine Rolle als Spitzel büßen muss.

Engagiert, den Drogen-Mogul „Lil Man“ auffliegen zu lassen, wird er schnell zu seinem jugendlichen Ebenbild. Was ihn anfangs dadurch enorm wertvoll und unentbehrlich machte, wird ihm dank florierender Crack-Epidemie zum Verhängnis. Der Sog der Schattenwelt war zu stark, um jemals aus ihr zurückzukehren. Richie Merritt ein für mich bis dato unbekannter Darsteller verkörpert jenes Objekt der Begierde, dass bis in die Gegenwart einsitzt. Eine große Last, die Last eines Hoffnungsträgers, eines Opfers und Verbrechers, ruht auf seinen Schultern, die ihn doch im Verlauf des Films oft zusammensacken lassen. Zu schwer ist die Bürde, doch ist Merritt bestrebt eine ansehnliche Performance abzuliefern. So weicht die anfängliche Überforderung der Rolle, der Lust am Spiel und der Herausforderung, Bestandteil eines geschichtsträchtigen Falls zu sein und zu werden.

Demange versucht sich daran, den Spagat aus Drama und Thriller gekonnt zu verbinden, was nicht an allen Ecken gelingt. Oft fehlt die notwendige Tiefe um sich von Referenz-Geschichten, wie Barry Seal – Only In America und The Infiltrator klar und souverän abzugrenzen bzw. ein Alleinstellungsmerkmal herauszukristallisieren. White Boy Rick wirkt aber dadurch dennoch nicht verloren. Der Film ist durchdacht und solide vorgetragen. Zudem bis in die kleinsten Nebenrollen herausragend besetzt. So kann beispielsweise Matthew McConaughey einmal mehr zeigen, was Hollywood an ihm hat. So ergibt sich eine stimmige und unterhaltsame Lebensgeschichte, die dem Prinzip „Aufstieg und Fall“ folgt.

Fazit: Vom Hoffungsträger zum Drogen-Schwergewicht… Yann Demange verpasst Detroit den Glanz einer Hochburg für jeglichen Crack-Abschaum, in dem ein Teenager zur letzten Hoffnung des FBIs wird und schließlich im Sumpf des Verbrechens versinkt. Eine Déjà-vu-Geschichte mit spannenden Ansätzen und viel Prominenz, die schließlich White Boy Rick vor dem Knast bewahrt. Vertraue niemanden und schon gar nicht dir selbst. 

FSK ab 12 (grün)Originaltitel:           White Boy Rick
Produktionsland/-jahr:   US 2018
Laufzeit:                111 min
Genre:                   Drama, Thriller

Regie:                   Yann Demange
Drehbuch:                Andy Weiss, Logan Miller, Noah Miller
Kamera:                  Tat Radcliffe

Kinostart:               7. März 2019
Home Entertainment:      11. Juli 2019

Verleih:                 Sony Pictures Entertainment

(Quelle: SonyPicturesHomeGSA)

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