Drei Familien, ein Baum und ein unglaubliches Chaos: UNDER THE TREE von Hafsteinn Gunnar Sigurðssons ist ergreifend und absurd zugleich. Die dichte Erzählung um streitende Nachbarn und eine Ehekrise im isländischen Idyll ist vollgepackt mit bittersüß-schwarzem Humor. Ein Paradestück des jungen und innovativen europäischen Arthouse-Kinos.

© farbfilm verleih
Inhalt
Inga und Baldvin lieben ihren Garten, vielmehr noch lieben sie ihren prächtigen Baum! Doch seinetwegen liegen die Nerven ihrer Nachbarn brach: Das Gewächs wirft nämlich einen riesig-großen Schatten auf die Terrasse der wohlsituierten Nachbarschaft. Nix mit Sommer, Sonne, Sonnenschein. Die Bitte der Schattengeplagten, sich hurtig um das Ungetüm zu kümmern wird harsch abgewehrt.
Ihr Sohn Atli hat währenddessen selbst ganz andere Probleme: Schuld ist ein kleines Sex-Video, das zu einem großen Streit mit seiner Frau führt. Er muss zurück ins Elternhaus ziehen, doch hier sorgt der Baum weiterhin für Ärger. Wurde der Nachbar etwa mit einer Kettensäge gesehen? Als dann plötzlich die geliebte Katze verschwindet und Überwachungskameras installiert werden, ist allen klar „so klappt‘s nicht mit den Nachbarn“. Ein verbitterter Kampf unter den Familien beginnt und das Chaos im idyllischen Vorort scheint perfekt …
Kritik
Island. Unberührte Landschaften, brodelnde Vulkane, sprudelnde Geysire. Ein kleines Land mit großer Kultur und immer strahlenden Menschen. Doch ist das alles nur Fassade? Ja, auch die Isländer haben Probleme, wie der Rest Europas. Oft ganz banale, so wie ein Baum, der dort immer stand und plötzlich einen Schatten unglücklich wirft. Statt nach einer sachlichen Lösung zu suchen, entwickelt sich ein tosender Krieg, der Opfer verlangt. Langsam spitzt sich dieses schwarzhumorige Familiendrama zu, bleibt dabei stets sachlich und ruhig. Mit jeder Minute wird der Baum immer mehr zum Zahnstocher, der unaufhaltsam ins Zahnfleisch sticht. Das schmerzt, zeugt aber auch von großer Unterhaltung. Hafsteinn Gunnar Sigurðsson hat mit UNDER THE TREE ins Schwarze getroffen.
Während die Handlung somit viele Schauwerte bietet, bleiben die Figuren ohne wirklich Identifikation. Nachvollziehbar sind ihre Handlungen nicht immer, aber wirksam beziehungsweise extrem förderlich für den Fortbestand des Baumstreits. So fliegen 90 Minuten Geschichte davon. Kurzweilig, eiskalt und bitter, irgendwie typisch nordeuropäisch.
Fazit: Hier wird am falschen Ast gesägt – vor den Toren Reykjaviks eskaliert ein Streit um einen Baum und führt zu einem Filmvergnügen der nordischen Art. Unaufgeregt mit dem Hang zum Bösen, absolut sehenswertes Kino aus Island.
Originaltitel: Undir trénu Produktionsland/-jahr: IS/PL/DE/DK/FR 2017 Laufzeit: 89 min Genre: Drama, Komödie Regie: Hafsteinn Gunnar Sigurðsson Drehbuch: Hafsteinn Gunnar Sigurðsson, Huldar Breiðfjörð Kamera: Monika Lenczewska Kinostart: 16. Mai 2019 Home Entertainment: 23. August 2019 Verleih: farbfilm verleih
(Quelle: farbfilmverleih)
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