THE MARVELS | Höher. Schneller. Weiter. Aber auch besser?

Bäumchen wechsel dich! Am Ende der Serie „Ms. Marvel“ tauschen Hauptfigur Kamala und Captain Marvel durch einen mysteriösen Zwischenfall plötzlich die Plätze. Der neue Film THE MARVELS knüpft genau an diesem Punkt an: Carol Danvers steht verdutzt im mit Captain-Marvel-Postern übersäten Zimmer der jungen Kamala.

.INHALT.

Carol Danvers alias Captain Marvel (Brie Larson) hat ihre Identität von den tyrannischen Kree zurückerobert und Rache an der Obersten Intelligenz genommen. Die unbeabsichtigte Folge ihrer Tat ist jedoch, dass Carol die Last eines instabilen Universums auf sich nehmen muss. Sie wird mit einem mysteriösen Wurmloch konfrontiert, das mit einem Kree-Revolutionär in Verbindung steht, und ihre Kräfte verweben sich plötzlich mit denen von Superfan Kamala Khan aus Jersey City aka Ms. Marvel (Iman Vellani), und ihrer Nichte, der jetzigen S.A.B.E.R.-Astronautin Captain Monica Rambeau (Teyonah Parris). Das ungleiche Trio muss ein Team bilden und lernen, an einem Strang zu ziehen, denn nur gemeinsam als THE MARVELS können sie das Universum retten!

©️ LEONINE Studios/Walt Disney Studios Home Entertainment

.KRITIK.

Superheldenfilme haben es momentan nun wirklich nicht einfach. Egal wer hier gerade am Steuer ist, sei es Marvel oder DC, geht es auf der rechten Spur nur sehr schleppend voran. Ein Überholmanöver lässt seit geraumer Zeit auf sich warten. War tatsächlich Guardians of the Galaxy Vol. 3 oder die 2. Staffel von Loki mehr als nur Hoffnungsschimmer – sie waren wirklich gut – so gab es davor und danach nicht viel Licht am Ende des Tunnels. Mit dem DCEU konnte ich ja so oder so noch nie wirklich viel anfangen, wenngleich Henry Cavill ein sehr überzeugender Superman war, kränkelt auch mein geliebtes MCU. Wirklich schlecht fand ich keinen der letzten Filme, aber der Glanz von einst ist verblasst. So ehrlich muss man sein. Und als ich die ersten Kritiken zu THE MARVELS mit großer Angst las, wurden die Bauchschmerzen nicht weniger.

Aber ich gehen den Weg kontinuierlich weiter und ich muss sagen: The Marvels ist wirr, aber bei Weitem nicht der größte Marvel-Flop.

Im Film finden sich drei Superhelden mit verwandten Kräften plötzlich an unterschiedlichen Orten wieder. Dies erweist sich sowohl für Action als auch für Komik als geschickter Kniff, da die drei sich ständig in den Kämpfen der anderen wiederfinden. Dabei ist zu bemerken, dass dies eine interessante Dynamik innerhalb des MCU schafft, indem es die Vernetzung der Charaktere auf humorvolle Weise ausnutzt. Doch in der vermeintlich größten Stärke liegt dann im weiteren Verlauf auch einer der Probleme verborgen. Das Drehbuch versucht viele Ansätze zu verfolgen und einfließen zu lassen. So wirkt der Film undurchsichtig und überfrachtet. Eine klare Linie in Handlung, Motivation und Charakterentwicklung vermisst man leider. Hier greift der altbekannte Leitsatz: Weniger ist oft mehr. Dies hätte The Marvels sicherlich auch gut getan. Erschwert wird das Ganze durch den Umstand, dass sich nun ein Teenager auf dem Schlachtfeld tummelt. Hat man das einst mit der Integration von Spider-Man in Captain America: Civil War sehr gut gelöst, so wirkt Kamalas Auftritt als Ms. Marvel sehr kindlich. Der Film richtet sich für mein Empfinden dann zu sehr an der gleichnamigen Serie aus. Mir fehlt da wirklich die Balance.

Obwohl mir der Film gefallen hat, muss ich zugeben, dass er etwas unfokussiert wirkt. Es werden viele Elemente einfach eingeworfen, was sich dann nicht so ganz ins Gesamtbild einfügen will. Dies betrifft vor allem Monica Rambeau, die wir beim Versuch mit gewissen Ängsten umzugehen, kennenlernen. Aber eine tiefgreifende Verbindung können wir trotz der versuchten Emotionalität nicht aufbauen.

The Marvels hat also seine Probleme, aber nur die wenigsten Filme kommen lupenrein daher. Marvel muss sich definitiv neu ausrichten, das hat der Film gezeigt. Aber schafft er wiederum gute Voraussetzungen für kommende Filme, wer also den Abspann abwartet… wird belohnt.

Und wenn ich mich als großer Marvel-Fan durchaus kritisch zu The Marvels hier äußere, so verspricht er eigentlich genau das, was er verspricht. Es ist leicht die ganzen Punkte negativ zu sehen und ich sehe sie auch. Wenn man im Hintergrund weiß, woran es liegt, man diesen Film aber als Bindeglied sieht und mitnimmt, so versteht man das große Ganze vielleicht besser. Für viele von Euch macht es das nicht besser, aber vielleicht erträglicher. Ich für meinen Teil bin dennoch überrascht worden. Einen Teil der Kritik teile ich, aber so hart wie manch andere kann ich mit ihm nicht ins Gericht gehen, zumal technisch beziehungsweise optisch das ein gut gemachter Blockbuster ist.

.FAZIT.

Ja, Marvel hat Probleme. Wer nicht? The Marvels wurde von Kritikern zerrissen und ich verstehe durchaus die Beweggründe dafür. Vor allem das Drehbuch und die Inszenierung sind längst nicht mehr auf dem Standard früherer Filme. Man hat sich auf den Weg ein neues Universum aufzubauen, mehr oder weniger verrannt und versucht nun wieder auf den rechten Weg zu kommen. Auch The Marvels wird langfristig seinen Platz im MCU einnehmen, denn es ist und bleibt ein wichtiges Bindeglied für kommende Geschichten. Schließlich kommt da eine weitaus größere Bedrohung als Thanos auf uns zu. Aber im Grunde hält der Film das, was er verspricht: Unterhaltung. Ob diese nun gefällt oder nicht, ist ja jedem selbst überlassen. Aber von einem Flop (auch wenn es an den Kinokassen der Fall war) möchte ich nicht sprechen. Dafür hatte ich auch zu viel Spaß beim Schauen.



OriginaltitelThe Marvels
Produktionsland/-jahrUSA 2023
Laufzeit105 min
GenreAction, Abenteuer, Fantasy
RegieNia DaCosta
DrehbuchNia DaCosta, Megan McDonnell, Elissa Karasik
KameraSean Bobbitt
Kino8. November 2023
Home Entertainment1. März 2024
VerleihLEONINE Studios/Walt Disney Studios Home Entertainment

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