Mit THE DIVE inszeniert Regisseur Maximilian Erlenwein ein Remake des schwedisch-norwegischen Thrillers „Breaking Surface – Tödliche Tiefe“ (2020) mit deutscher Handschrift, der über weite Strecken überzeugt, aber vom Drehbuch zu oft unter der Oberfläche bleibt.
.INHALT.
Der jährliche gemeinsame Tauchausflug der Schwestern Drew (Sophie Lowe) und May (Louisa Krause) wird zum schier aussichtslosen Überlebenskampf, als sie von einem Steinschlag überrascht werden und Drew unter Wasser eingeklemmt ist. May ist ihre einzige Überlebenschance – muss dafür aber Entscheidungen treffen, die auch für sie selbst Leben oder Tod bedeuten können. THE DIVE ist ein beklemmender Thriller, ein Wettlauf gegen die Zeit, der die Verzweiflung greifbar macht, wenn die Luft knapp wird…
.KRITIK.
Es ist kein Geheimnis, dass die skandinavische Filmproduktion ein Händchen für Thriller hat. In den vergangenen Jahren erschienen eine Vielzahl von Filmen, die nicht nur beim einheimischen Publikum für Begeisterung sorgten. Auch international konnten die Produktionen – meist aus Schweden oder Norwegen – überzeugen. So auch Breaking Surface – Tödliche Tiefe von Joachim Hedén, der 2020 erstmals erschien und eben auch gute Resonanz bekam. Und an dieser Stelle muss ich mir einmal mehr die Frage stellen, warum man generell einen eh schon guten Film, gerade in kürzester Zeit noch mal verfilmt. Maximilian Erlenwein hat dies gerade einmal vier Jahre später getan und mir erschließt sich der Grund nicht wirklich. Eigentlich ist Hollywood für derartige Entscheidungen bekannt, aber dass nun auch Deutschland da einsteigt, verwundert mich schon arg.
Die Grundgeschichte ist dabei die Gleiche: Inhaltlich geht es in THE DIVE (leider ein wenig innovativer Titel) um die Schwestern Drew und May, die sich trotz ihrer angespannten Beziehung einmal im Jahr zu einem gemeinsamen Tauchgang treffen. Als May in 28 Metern Tiefe von einem Felsen eingeklemmt wird und Drew auf sich allein gestellt ist, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Handys und Autoschlüssel sind begraben, und es ist niemand in der Nähe. Drew muss eine folgenschwere Entscheidung treffen, um das Leben ihrer Schwester zu retten.
Erlenwein verändert lediglich das Setting. Statt einer beschaulichen Wintertauchreise in Norwegen, geht es in wärmere Gefilde. Das war es aber auch schon. Hier also die Frage nach dem „Warum?“. Tatsächlich ist die Neuverfilmung eine deutsche Produktion für den englischsprachigen Markt… zumindest fühlt sich das über weite Strecken so an.
Somit spreche ich dann doch sehr gerne von einer englischsprachigen Adaption des skandinavischen Thrillers “Breaking Surface”. Positiv hervorzuheben ist, dass auch unter dem Titel The Dive Einiges an Spannung richtig gemacht wird. Besonders wenn den beiden Darstellern der Sauerstoff ausgeht, bekommen wir als Zuschauer ein gewisses Kribbeln. Obwohl die Geschichte nicht unbedingt vorhersehbar ist, fehlen größere Überraschungen. Oft verlieht sich der Film in einer gewissen Monotonie. So wirkt es selten ausbalanciert und schwimmt buchstäblich zwischen Nervenkitzel und Kaffeefahrt auf dem Rhein. Hier hätte Erlenwein durchaus Akzente setzen können und der Grundgeschichte einen Hauch mehr Pfiff verleihen können.
Dennoch bietet der Film dank seiner kurzweiligen Inszenierung gute Unterhaltung. Technisch überzeugt er sowohl beim Bild als auch beim Ton, insbesondere bei den Unterwasserszenen, die die Zuschauenden dank zahlreicher Surround-Sounds mitten ins Geschehen ziehen.
.FAZIT.
Remakes sind immer so eine Sache. Sie können gut oder schlecht sein, manchmal sind sie auch besser als das Original. Aber bei The Dive verstehe ich die Intention dahinter leider nicht. Dem Film an sich, betrachtet man ihn als alleinstehendes Werk, ist durchaus spannend und bietet so einige Gänsehautmomente, doch das Drehbuch ist stellenweise schon ziemlich schwach. Ich hätte mir gewünscht, wenn Maximilian Erlenwein auch eigene Ideen eingebaut hätte. Nur das Setting zu wechseln ist mau, wenn der Rest nahezu identisch ist. Wer das schwedische Original nicht gesehen hat, wird keine Vergleiche ziehen und den Film annehmen und sich unterhalten fühlen. Kennt man beide, stellt sich die Frage nach dem „Warum?“. Warum nach vier Jahren ein Remake für den internationalen Markt ohne frischen Wind und ohne neue Akzente produziert wird, kann ich nicht verstehen.
| Originaltitel | The Dive |
| Produktionsland/-jahr | Deutschland 2024 |
| Laufzeit | 91 min |
| Genre | Abenteuer, Drama, Thriller |
| Regie | Maximilian Erlenwein |
| Drehbuch | Maximilian Erlenwein, Joachim Hedén |
| Kamera | Frank Griebe |
| Kino | – |
| Home Entertainment | 18. April 2024 |
| Verleih | EuroVideo Medien |

