Die australischen Brüder Cameron und Colin Cairnes haben mit LATE NIGHT WITH THE DEVIL nach ihrem eigenen Drehbuch einen effektvollen Horrorfilm inszeniert, in dem die 70er-Jahre-Fernsehkultur von „Network“ auf den übersinnlichen Horror von „Der Exorzist“ trifft.
.INHALT.
Halloween, 1977. Quotenwoche im US-Fernsehen. Ein Millionenpublikum verfolgt das Live-Event, das eine ganze Nation erschüttern wird.
Zu Gast bei Moderator Jack Delroy (David Dastmalchian): Ein Medium, ein Magier, eine Expertin für Paranormales und ein junges Mädchen, das von einem Dämon besessen ist. Angesichts des unfassbaren Grauens der Ereignisse wurde der Mitschnitt dieses schicksalhaften Abends fast vierzig Jahre lang unter Verschluss gehalten – bis jetzt …
.KRITIK.
Found Footage lebt. Blair Witch Project, Paranormal Acitivtiy oder REC° haben um die Jahrtausendwende und darüber hinaus weltweit für ein Phänomen gesorgt. Der Kern des Ganzen: vermeintlich echtes Bildmaterial, was nun an die Öffentlichkeit gelangt ist. Die Idee ist so einfach, wie genial und spielte in den Kinos Millionen ein. Das System funktionierte. Allerdings nah im Laufe der letzten Jahre die Qualität und das Interesse an solchen Filmen rapide ab. Die Menschen wollten sich der Illusion nicht mehr hingeben. So war Paranormal Activity Next of Kin der letzte wirklich große Versuch, das Subgenre wiederzubeleben – ohne Erfolg. Doch fast aus dem Nichts bringen die australischen Brüder Cameron und Colin Cairnes nun einen Film mit, der durchaus das Potential einer Reaktivierung hat. Auch wenn er eher eine softe Form vom Found Footage darstellt.
LATE NIGHT WITH THE DEVIL ist ein packender Horrorfilm, der die Zuschauer auf eine nervenaufreibende Reise in die düstere Welt einer nächtlichen Talkshow mitnimmt. Die Handlung spielt in den 1970er Jahren und dreht sich um die fiktive Late-Night-Show „Night Owls“, moderiert von Jack Delroy – brillant gespielt von David Dastmalchian. Die Show kämpft mit sinkenden Einschaltquoten und plant ein besonderes Halloween-Special, um das Publikum zurückzugewinnen. Was als medienwirksamer Coup geplant war, entwickelt sich jedoch zu einer Nacht voller übernatürlicher Ereignisse, die die Zuschauer in Atem hält.
Der Film fängt die Atmosphäre der 70er Jahre perfekt ein, von den authentischen Kostümen und Kulissen bis hin zur Kameraführung und Beleuchtung. Die Studioatmosphäre wirkt echt und zieht die Zuschauer tief in die Geschichte hinein. David Dastmalchian brilliert als Jack Delroy und zeigt eine beeindruckende Leistung als charismatischer, aber zunehmend verzweifelter Showmaster. Man sieht ihm förmlich die Angst an.
Late Night with the Devil meistert den Aufbau von Spannung fast mühelos. Durch die geschickte Verwendung von Live-Übertragungen und das Einspielen vermeintlich echter Zuschauerreaktionen fühlt sich das Geschehen beklemmend real an. Die Eskalation der Ereignisse wird schrittweise und mit großer Präzision umgesetzt, wobei klassische Horror-Elemente wie düstere Beleuchtung, überraschende Wendungen und unheimliche Soundeffekte geschickt eingesetzt werden, ohne in Klischees abzurutschen. Besonders beeindruckend ist die Art und Weise, wie die Grenzen zwischen Realität und Übernatürlichem verschwimmen und die Zuschauer im Unklaren gelassen werden, was echt ist und was nicht. Wo wir eben beim Kernelement von Found Footage angekommen wären.
Bei all seinen Stärken hat der Film gewiss auch Schwächen. Für mich etwas negativ aufgefallen ist das Erzähltempo. Hier hätte man durchaus mehr aufs Gaspedal drücken können. Für manche Zuschauer könnte daher die Einführung und die allgemeine Erzählung etwas zu langsam sein, insbesondere im ersten Drittel. Zudem wirken manche Dialoge etwas konstruiert und weniger natürlich, was möglicherweise bewusst gewählt wurde, um die 70er-Jahre-Atmosphäre zu verstärken, aber einige moderne Zuschauer irritieren könnte. Über das Ende möchte ich an dieser Stelle nicht sprechen, dass muss jeder selbst wissen.
.FAZIT.
Late Night with the Devil ist ein atmosphärisch dichter und gut inszenierter Horrorfilm, der es schafft, die Zuschauer in seinen Bann zu ziehen. David Dastmalchian überzeugt vor der Kamera und liefert ein fesselndes Stück Horror-Kino ab. Trotz kleiner Schwächen bietet der Film eine packende und unheimliche Erfahrung, die Horror-Fans nicht verpassen sollten.
| Originaltitel | Late Night with the Devil |
| Produktionsland/-jahr | Australien, USA 2023 |
| Laufzeit | 93 min |
| Genre | Horror |
| Regie | Cameron Cairnes, Colin Cairnes |
| Drehbuch | Cameron Cairnes, Colin Cairnes |
| Kamera | Matthew Temple |
| Kino | 30. Mai 2024 |
| Home Entertainment | – |
| Verleih | capelight pictures |

