Erfolgsproduzent Jason Blum präsentiert mit IMAGINARY den neuesten Horror-Schocker aus seiner Produktionsschmiede Blumhouse. Doch kann der Film an alte Erfolge oder eher an neue Misserfolge anschließen?
.INHALT.
Jessica (DeWanda Wise) freut sich auf ein ruhiges und friedliches Leben in der Vorstadt, als sie mit ihrem neuen Ehemann und den zwei Stieftöchtern in ihr altes Elternhaus zurückzieht. Ihre jüngste Stieftochter Alice (Pyper Braun) findet im Keller des Hauses Jessicas alten Teddybären Chauncey, der ihr ständiger Begleiter wird. Doch die Bindung von Alice zu dem Kuscheltier nimmt unheimliche Züge an, als Alice beginnt, in Chaunceys Auftrag gefährliche und schmerzhafte Dinge zu tun. Zuerst finden die Erwachsenen keine Erklärung für das besorgniserregende Verhalten des Kindes. Bis Jessica der Verdacht kommt, dass Chauncey nicht das harmlose Kuscheltier ist, für das sie ihn gehalten hat.
.KRITIK.
Blumhouse ist Hammer Films des 21. Jahrhunderts. Die Produktionsschmiede steht für Thriller und Horror in seiner reinsten Form und konnte in den vergangenen Jahren an den Kinokassen einen Erfolg nach dem anderen feiern. Doch neuerdings fehlt es an Fortschritt. Fast schon gewöhnlich und wie am Fließband wird ein Film nach den anderen produziert – ohne sich dabei vom Vorgänger sonderlich abzuheben. Und IMAGINARY bildet da – leider – keine Ausnahme.
Eine Empfehlung vorab: schaut euch nicht den Trailer an. Tatsächlich haben es eine Vielzahl an wirklich gruseligen und erschreckenden Szenen schon in den Trailer geschafft. Viel kommt da leider nicht mehr.
Die Idee eines imaginären Freundes ist bei Weitem nicht neu. Erfrischend ist jedoch der Ansatz, hier Vergangenheit und Gegenwart im Kontext kindlicher Fantasie zu bringen. Hier eine interessante Mythologie aufzubauen, ist spannend. Aber: ist das für meinen Geschmack zu oberflächlich erzählt.
DaWanda Wise spielt die Rolle der Stiefmutter Jessica einfühlsam, manchmal etwas unbeholfen, dafür aber mit Emotionen. Für gewisse unlogische Entscheidungen oder Charakterzüge ihrer Figur kann sie nichts, denn sie kann auch nur mit dem Arbeiten, was man ihr vorsetzt. Hier reiht sich auch ein wenig die klischeehafte Stieftochter Taylor (gespielt von Taegen Burns) ein, die natürlich die “neue Mama” nicht leiden kann und ihr das Leben schwer macht. Auch im weiteren Verlauf, wenn das gegenwärtige Problem alle in die Ecke zu drängen scheint und obwohl Taylor wesentliche Informationen über die Umstände erhält, bleibt ihr Verhalten der Situation nicht immer angemessen beziehungsweise nachvollziehbar. Eigentlich geht es doch unter anderem auch darum, sich in die Gefühlswelt der Charaktere hineinzuversetzen und Sympathien mit den “Gejagten” zu entwickeln. Doch am liebsten hätte ich Taylor bei diesem Verhalten was geflüstert. Sie macht mich eher sauer, als dass sie mein Mitgefühl weckt.
Lichtblick ist hier die kleine Pyper Braun, die süß und erwartungsgemäß spielt. Was will man von einem kleinen Mädchen mit einem imaginären Freund auch anderes erwarten? Hier liegen Freundschaft, Liebe und Angst ganz nah beieinander und das macht die kleine Darstellerin wirklich gut.
Für mich das wohl größte Problem am Film ist, dass er eine wirklich gute Idee mehr oder weniger in den Sand setzt. Regisseur Jeff Wadlow konzentriert sich schon früh darauf, einen Querschnitt der Filme aus dem Hause Blumhouse in seinen Film einfließen zu lassen. Fast schon dreist wird sich hier an jedem Klischee und Motiv bedient. Warum nimmt man nicht das Gute, was man hat? Womit man vor allem im Kern auch spielt? Kindliche Fantasie! Im Film wird diese als schier endlose Macht dargestellt, aber wirklich genutzt wird diese in Ansätzen nur im Schlussdrittel. Aber auch das fällt so trivial aus, dass es schon völlig egal erscheint. Und wie man dann auch noch versucht, auf plumpe Weise Plotholes zu füllen, hat mich dann doch ziemlich verwundert zurückgelassen. So wirkt Imaginary wieder wie ein Film vom Fließband, dabei hat er so viele Möglichkeiten gehabt, auf intelligente Art hier einen tiefgründigen und wirklich gruseligen Film zu inszenieren. Schade Schokolade!
.FAZIT.
Viel Fantasie um nichts: Imaginary hatte die Idee, aber scheinbar Jeff Wadlow nicht das richtige Werkzeug. Kindliche Fantasie als Ausgangspunkt für etwas Positives oder Negatives zu nehmen und daraus sogar eine Bedrohung zu formen, die generationsübergreifend ist, wird hier lieblos abgefrühstückt. Aufklärung passiert hier fast nebensächlich und nicht immer plausibel, Handlungen der Charaktere (vor allem eine Szene regt mich da noch immer auf) sind teilweise unglaublich unlogisch und die eigentliche Bedrohung hat auf mich keinen wirklichen Effekt gehabt. Ob es daran liegt, dass ich hier vielleicht schon etwas abgestumpft bin, keine Ahnung. Fakt ist aber, dass der Film sein Potential zu Gunsten einer Kopie einfach herschenkt.
| Originaltitel | Imaginary |
| Produktionsland/-jahr | USA 2024 |
| Laufzeit | 104 min |
| Genre | Horror, Thriller, Mystery |
| Regie | Jeff Wadlow |
| Drehbuch | Jeff Wadlow, Greg Erb, Jason Oremland |
| Kamera | James McMillan |
| Kino | 14. März 2024 |
| Home Entertainment | 28. Juni 2024 |
| Verleih | LEONINE Studios |

