BOY KILLS WORLD | John Wick meldet sich „freiwillig“ als Tribut

Das Beste aus drei Dekaden an Actionfilmen: BOY KILLS WORLD ist eine gestörte Gewalt-Orgie mit viel schwarzem Humor… und einem sehr stummen, aber überzeugenden Bill Skarsgård.

.INHALT.

Boy (Bill Skarsgård) ist taub und wurde als Waise von einem Schamanen (Yayan Ruhian) im Dschungel aufgezogen und in allen erdenklichen Kampftechniken zu einer menschlichen Todesmaschine trainiert. Seine Familie wurde zuvor von Hilda van der Koy (Famke Janssen), einer größenwahnsinnigen Matriarchin ausgelöscht. Einen Tag bevor, wie jedes Jahr, die jährliche Abschlachtung von Dissidenten im Rahmen einer blutigen Feier beginnt wird Boy von dem Schamanen entlassen und beginnt seinen brutalen und gnadenlosen Rachefeldzug.

©️ Constantin Film

.KRITIK.

„Boah Diggi, der tat weh!“ – sagte ich zu meinem Buddy im Kopf, der Filme aus dieser Schublade so sehr liebt. Und was hier ein wenig abgedreht klingt, wird noch viel schlimmer. BOY KILLS WORLD ist wie ein wilder Mix aus einem Fiebertraum und einem brutal-blutigen Videospiel, das du nicht mal in den hintersten Ecken deines Verstands erwartet hättest. Hier treffen Genregrößen wie John Wick, Deadpool und Die Tribute von Panem aufeinander und erzeugen eine exzessive Orgie, die so unterhaltsam, dass Du dein Lächeln auch nach Stunden des Genusses nicht mehr aus dem Gesicht bekommst.

In dieser dystopischen Zukunftswelt wird der taubstumme Boy, gespielt von Bill Skarsgård, zum wortwörtlichen Killing Machine, angetrieben von nichts anderem als purer Rache (nein, man hat nicht seinen Hund getötet und sein Auto gestohlen… aber so ähnlich). Und ja, es gibt einen Fatality mit einer Käsereibe. Ich dachte wirklich, ich habe schon alles gesehen und The Raid wäre hier schon schmerzhaft, aber alter Schwede ist dieser Film konsequent.

Der deutsche Regisseur Moritz Mohr zieht alle Register des modernen Actionkinos – von Martial-Arts-Kämpfen über blutige Schlächtereien bis hin zu einem kunterbunten Setting, das wie ein Cyberpunk-Comic aus den 80ern wirkt. Bill Skarsgård überzeugt als wortloser Protagonist, aber keine Sorge: Seine innere Stimme (die bewusst nicht zu seinem Erscheinungsbild passt), ist so herrlich bizarr und brilliant. Klingt verrückt? Ist es auch. Und ich muss sagen, einen derartigen Film habe ich auch noch nicht gesehen. Der Film strotzt nur so vor Deadpool-ähnlichem Humor und Referenzen an Videospiele wie Mortal Kombat, wobei es manchmal mehr wie ein chaotischer Level-Up-Rush wirkt als ein zusammenhängender Plot​. Dies wäre vielleicht in Ansatz ein Kritikpunkt, aber er wird durch literweise Blut einfach weggespült.

Was man Boy Kills World wirklich nicht vorwerfen kann, ist Langeweile: Die Action donnert pausenlos über die Leinwand, von krassen Kampfchoreografien mit seinem Bro-Shamanen (gespielt von Yayan Ruhian) bis hin zu exzentrischen Bösewichten, die aussehen, als wären sie direkt aus einem apokalyptischen Zirkus Roncalli entsprungen. Auch wenn die Story selbst eher dünn ist – hey, du bist hier nicht für Shakespeares „Sein oder nicht sein“, sondern für abgefahrenen Action-Spaß​ vom anderen Stern. Mach Dir das bewusst, Alter!

.FAZIT.

Kurzum: Wenn du auf abgedrehten, gnadenlosen Psycho-Action-Wahnsinn stehst, dabei keinen tiefgründigen Plot brauchst, einen relativ starken Magen hast und die etwas andere Sorte Film suchst, dann ist Boy Kills World genau dein Ding. Ein Film, der mit stilisierten, blutgetränkten Kills auf dich wartet – und verdammt, diese Käsereibe-Szene wirst du so schnell nicht vergessen.



OriginaltitelBoy Kills World
Produktionsland/-jahrUSA, Deutschland, Südafrika 2023
Laufzeit111 min
GenreAction, Krimi, Thriller
RegieMoritz Mohr
DrehbuchTyler Burton Smith, Arend Remmers, Moritz Mohr
KameraPeter Matjasko
Kino18. April 2024 (Fantasy Filmfest)
Home Entertainment26. September 2024
VerleihConstantin Film

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