HAGEN – IM TAL DER NIBELUNGEN ist eine Neuinterpretation der weltberühmten Nibelungensage als bildgewaltiges Filmevent. Inszeniert von Cyrill Boss und Philipp Stennert, die mit Doron Wisotzky auch das Drehbuch schrieben, liefern sich Gijs Naber als Hagen und Jannis Niewöhnerals Siegfried einen schauspielerischen Zweikampf auf Augenhöhe.
.INHALT.
Damian (Mark Huberman) zieht mit seiner schwangeren Frau Alex (Zara Devlin) in das abgelegene Haus auf dem Land, in dem er aufgewachsen ist. Im Dorf kommt es zu sehr merkwürdigen Begegnungen mit den Einheimischen. Gleichzeitig bemerkt Alex, dass ihr Mann nachts stundenlang durch den Wald schlafwandelt. Nachdem Personen auf mysteriöse Art und Weise verschwinden, kommt ihr ein böser Verdacht…
.KRITIK.
NIGHTMAN entführt uns in die mystische Landschaft Irlands, wo das junge Paar Alex und Damian ein neues Kapitel in Damians abgelegenem Familienanwesen beginnt. Die idyllische Umgebung mit nebelverhangenen Wäldern und immergrünen Wiesen könnte kaum malerischer sein, doch schnell zieht ein unheilvoller Schatten über das scheinbare Paradies.
Alex fühlt sich von Anfang an unwohl in der neuen Heimat. Die ständigen Echos von Jagdgewehren aus dem Wald und die Begegnungen mit eigenartigen Dorfbewohnern tragen nicht gerade dazu bei, dass sich Alex wie Zuhause fühlt. Doch es kommt noch viel schlimmer: Als Damian beginnt, im Schlaf zu wandeln und sich tagsüber merkwürdig zu verhalten, wächst in Alex das Misstrauen. Ein düsteres Geheimnis aus Damians Vergangenheit, das mit einem mysteriösen Todesfall verbunden ist, lässt sie zunehmend an ihrem eigenen Verstand zweifeln.
Regisseurin Mélanie Delloye bedient sich in ihrem zweiten Spielfilm zahlreicher klassischer Horror-Elemente: ein verlassenes Haus mit düsterer Geschichte, unheimliche Legenden und skurrile Dorfbewohner. Diese Zutaten sind zwar nicht neu, werden jedoch atmosphärisch dicht inszeniert. Die irische Landschaft, eingefangen in kühlen Blautönen, verstärkt die unheilvolle Stimmung und zieht das Publikum in ihren Bann. Doch mit einem guten Setting und Atmosphäre allein, gewinnt man keinen Blumentopf. Und so treibt Mélanie Delloye vor allem ihre beiden Hauptdarsteller an, hier alles aus dem Drehbuch herauszuholen.
Besonders hervorzuheben ist dabei die schauspielerische Leistung von Zara Devlin. Sie verkörpert Alex‘ zunehmende Verunsicherung und Angst glaubwürdig und verleiht dem Film emotionale Tiefe. Aber viel wichtiger ist sie die Person, die einen Zugang zum Zuschauer schafft. Aber auch Mark Huberman als Damian überzeugt in seiner Rolle, insbesondere in den Momenten, in denen er zwischen liebevollem Ehemann und ominösen Schlafwandler schwankt.
Für mich der größte Schwachpunkt ist das Drehbuch. Autorin Elsa Marpeau integriert zahlreiche Motive und Handlungsstränge, von familiären Traumata über folkloristische Spukgestalten bis hin zu verbotenen Experimenten. Diese Fülle an Themen führt dazu, dass nicht alle konsequent weiterverfolgt werden, was den Film stellenweise überladen wirken lässt. Und wie heißt es da so schön: weniger ist mehr.
Trotz dieses für mich doch recht deutlichen Kritikpunktes gelingt es Delloye, eine konstant bedrohliche Atmosphäre aufzubauen. Die sparsam, aber effektiv eingesetzte Musik und die ruhige Kameraführung tragen zur Spannung bei und lassen das Publikum bis zum Schluss mitfiebern.



.FAZIT.
Nightman ist ein solider Horrorfilm mit atemberaubenden Setting und Stimmung. Größter Pluspunkt sind die beiden Hauptdarsteller Devlin und Huberman, die wirklich alles aus dem ziemlich überfrachteten Drehbuch herausholen und für eine gewisse Balance sorgen. Fans des subtilen Horrors, die Wert auf eine stimmungsvolle Inszenierung legen, werden hier auf ihre Kosten kommen. Doch bahnbrechenden Thrill sollte man jedoch nicht erwarten.
| Originaltitel | The Nightman |
| Produktionsland/-jahr | Belgien, Irland 2023 |
| Laufzeit | 101 min |
| Genre | Horror |
| Regie | Mélanie Delloye |
| Drehbuch | Elsa Marpeau, Mélanie Delloye |
| Kamera | Leonardo D’Antoni |
| Kino/Streaming | – |
| Home Entertainment | 6. März 2025 |
| Verleih | Tiberius Film |

