THE SUBSTANCE | Toxischer Jugendwahn trifft auf menschlichen Wahnsinn

Der preisgekrönten Sensationsfilm, der deinen Magen auf links dreht und deinen Verstand zerreißt: Mit THE SUBSTANCE liefert einen elektrisierenden und herrlich abgedrehten Body-Horror ab, in der Demi Moore einen der besten Auftritte ihrer Karriere abliefert.

.INHALT.

Für Elisabeth Sparkle (Demi Moore), eine ehemalige A-Prominente, könnte es nicht schlechter laufen. Ihre besten Tage liegen schon weit zurück und dann wird sie auch noch plötzlich vom widerlichen Fernsehchef Harvey (Dennis Quaid) aus der eigenen Fitness-Fernsehsendung gefeuert. Da ergreift sie die Chance, die ihr eine mysteriöse neue Droge bietet: The Substance. Eine einzige Injektion genügt und sie wird – vorübergehend – als wunderschöne Mittzwanzigerin namens Sue (Margaret Qualley) wiedergeboren. Die einzige Regel? Sie müssen sich die Zeit teilen: genau eine Woche in einem Körper, dann eine Woche im anderen. Ohne Ausnahme. Die perfekte Balance. Was kann schon schiefgehen?

Nahaufnahme eines Gesichts einer Frau mit intensiven Augen und roten Lippen, versehen mit dem Text 'THE SUBSTANCE' im Vordergrund.
©️ MUBI

.KRITIK.

Es gibt Filme, die sieht man. Und dann gibt es Filme wie THE SUBSTANCE, die fühlt man. Sie wuchern in deinen Gedanken weiter, schmeißen sämtliche Schmetterlinge aus deinen Bauch, als hättest du selbst einen Schluck von dieser ominösen, pulsierenden, neonfarbenen Flüssigkeit genommen.

Wo fängt man bei dieser schmerzhaften Beauty-OP an? Bei Demi Moore? Absolut! Vergesst, was Ihr dachtet über sie zu wissen. Was sie hier macht, ist keine Rolle – es ist ein beispielloses Opfer. Ein Körper, der sich windet, aufbäumt, zersetzt. Eine Performance, die Dich zwingt, genau hinzuschauen, auch wenn Du längst weggucken willst. Ihre Elisabeth Sparkle ist eine einstige Glanzfigur, verstoßen vom schillernden Neonlicht der 80er, nun ausradiert von der Vergänglichkeit – ausgespuckt von einer Branche, die nur Makellosigkeit kennt.

Und dann ist da die Substanz. Kein Zaubertrank. Keine Jugend in Flaschenform. Kein flüssiges Glück. Sondern ein wucherndes Wesen, das sich durch den Körper frisst, in Gestalt einer jungen Frau (eine beängstigend kraftvolle Margaret Qualley). Aber Sue ist kein Traum – sie ist ein parasitärer Albtraum. Und doch so schön. So verführerisch. So tödlich.

Coralie Fargeat lässt alle Genregrenzen wie Butter in der Sommerhitze dahinschmelzen. Body Horror trifft auf feministischen Aufschrei, Satire auf Splatter, Popästhetik auf Fleischverfall. Der Film pulsiert, er atmet schwer, er schreit. Kein cleaner Schnitt, kein sicherer Halt. Alles ist in Bewegung, alles zerfällt. Auch der Zuschauer. Und genau das ist sein größter Triumph, der für ein begeisterndes Medienecho und Preise führte.

Nichts hier fühlt sich bequem an. Alles reibt bedingungslos an Dir. Jede Szene hinterfragt die Art, wie wir Schönheit konsumieren, wie wir Körper bewerten, wie wir „Frauen altern lassen“ – oder eben nicht. Der „male gaze“ wird hier nicht dekonstruiert, sondern ausgeweidet und in formaldehydgetränkten Bildern konserviert.

Und ja, das ist mitunter anstrengend. Und ja, manche Szenen bohren sich tiefer in die Magengrube als einem lieb ist. Aber The Substance will keine angenehme Erfahrung sein. Es ist ein filmischer Schlag mitten ins Gesicht. Brennend, schmerzhaft, ehrlich.

Moore – furchtlos.

Qualley – hypnotisch.

Fargeat – kompromisslos.

Der Film – eine Grenzerfahrung.

.FAZIT.

The Substance ist ein mutiger und provokativer Film, der sowohl durch seine visuelle Kraft als auch durch die herausragenden schauspielerischen Leistungen überzeugt. Demi Moore zeigt sich in einer ihrer besten Rollen und beweist, dass sie auch nach Jahrzehnten im Geschäft nichts von ihrer Strahlkraft verloren hat.


FSK 16 Freigabesticker auf blauem Hintergrund.


OriginaltitelThe Substance
Produktionsland/-jahrUSA, Frankreich 2024
Laufzeit141 min
GenreDrama, Horror
RegieCoralie Fargeat
DrehbuchCoralie Fargeat
KameraBenjamin Kračun
Kino19. September 2024
Home Entertainment17. April 2025
VerleihMUBI

Kommentar verfassen