RED HEAT | Kalter Krieger, heißes Pflaster

Mit einem wortkargen Arnold Schwarzenegger als sowjetischem Supercop und James Belushi als frechem Ami-Bullen hat Kultregisseur Walter Hill einen zeitlosen Klassiker des Action-Kinos geschaffen. RED HEAT feiert nicht nur eine ganze Palette an Klischees, sondern jagt auch ein ungleiches Duo mit Karacho durch die Straßenschluchten von Chicago – bis einer weint.

.INHALT.

Der hartgesottene Moskauer Drogenfahnder Ivan Danko (Arnold Schwarzenegger) reist dem sowjetischen Drogenbaron Rostavili (Ed O’Ross) in die USA nach, um ihm dort endlich das Handwerk zu legen. In Chicago wird jedoch bei dem Versuch, Rostavili zu stellen, ein amerikanischer Polizist getötet. Der schmierige Art Ridzik (James „Jim“ Belushi), Partner des toten Cops, wird dem Drogenfahnder zur Seite gestellt. Als Großstadt-Schlitzohr löst er Konflikte bevorzugt mit seiner großen Klappe anstatt mit brachialer Gewalt – ganz im Gegensatz zum wortkargen Kraftprotz Danko, dem zur Erfüllung seines Auftrags jedes Mittel recht ist.

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.KRITIK.

Es gibt Filme, die schreien förmlich „80er“ – und RED HEAT ist einer davon. Aber nicht im Sinne von altbacken oder aus der Zeit gefallen, sondern mit jener ikonischen Mischung aus Muskeln, Macho-Sprüchen und Mündungsfeuer, die das Jahrzehnt der Videotheken so liebenswert gemacht hat. Walter Hill, der ohnehin ein Meister der kernigen Männerfilme ist, bringt mit diesem sowjetisch-amerikanischen Buddy-Movie einen ganz besonderen Vibe auf die Leinwand – irgendwo zwischen politischer Satire, Polizeithriller und knallhartem Actionkino.

Arnold Schwarzenegger als sowjetischer Supercop Ivan Danko ist eine glorreiche Fehlbesetzung – im allerbesten Sinne. Seine steinharte Miene, der Akzent wie aus einem Propaganda-Sprachkurs und die unerschütterliche Ernsthaftigkeit machen ihn zu einer Karikatur, die gleichzeitig erstaunlich cool funktioniert. Gerade im Kontrast zum schlitzohrigen, ständig labernden US-Cop Art Ridzik (James Belushi) entsteht ein ungleiches Duo, das völlig überzeichnet ist – aber genau das ist der Reiz. Es ist diese Art überdrehter Chemie, die moderne Actionkomödien oft krampfhaft suchen, Red Heat aber mit links liefert.

Klar, das Drehbuch hätte Shakespeare mit Sicherheit in eine Lebenskrise gestürzt – aber es weiß genau, was es will: Schlägereien in russischen Badehäusern, Verfolgungsjagden mit klappernden Amischlitten durch Chicago und ordentlich Testosteron auf Zelluloid. Walter Hill inszeniert das alles mit einem coolen, fast schon lakonischen Stil. Die Kamera bleibt nah dran, der Schnitt ist straff, und der Score von James Horner pumpt mit einem treibenden Synth-Sound, der direkt in die Magengrube fährt.

Was den Film so besonders macht, ist nicht allein die explosive Action, sondern dieser schräge Charme, der aus der politischen Grundsituation entsteht. Red Heat spielt mit den Gegensätzen, ohne sie moralisch auszuwalzen. Ost trifft West – und beide Seiten kriegen ihr Fett weg. Dass Arnie hier mal nicht den amerikanischen Helden spielt, sondern einen linientreuen Sowjetermittler, war damals ein echter Tabubruch – heute wirkt das fast prophetisch. Und James Belushi, der ewige Sidekick mit der großen Klappe, bringt genau das Maß an Lässigkeit rein, das den Film davor bewahrt, sich selbst zu ernst zu nehmen.

.FAZIT.

Internationale Kritiker haben Red Heat damals eher durchwachsen aufgenommen – zu viel Lärm, zu wenig Tiefe, hieß es oft. Aber heute gilt: Gerade diese klare Linie, dieses unreflektierte Drauflos – das ist der Grund, warum der Streifen zum Kult geworden ist. Wer ihn heute schaut, bekommt eine Zeitkapsel der 80er-Action serviert, gewürzt mit einer Prise Kalter Krieg und einem Arnie, der russischer kaum sein könnte.



OriginaltitelRed Heat
Produktionsland/-jahrUSA 1988
Laufzeit104 min
GenreAction, Krimi, Thriller
RegieWalter Hill
DrehbuchWalter Hill, Harry Kleiner, Troy Kennedy Martin
KameraMatthew F. Leonetti
Kino6. Oktober 1988
Home Entertainment21. November 2000 (DVD-Erstveröffentlichung)
VerleihSTUDIOCANAL

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