SCREAMBOAT | Eine absurde Trash-Perle legt Disney in Ketten

Vollgepackt mit großen Morden, lauten Lachern und einer kleinen Bedrohung ist SCREAMBOAT eine Achterbahnfahrt des Grauens – ein Klassiker der Filmgeschichte wird neu interpretiert und verpasst Disney einen gehörigen Einlauf.

.INHALT.

Die monströse Maus Screamboat Willie (David Howard Thornton) verwandelt eine routinemäßige Schifffahrt in einen urkomischen Alptraum! Cindi (Kailey Hyman) nimmt die letzte Fähre nach New York. Doch während der Fahrt verschwinden immer mehr Gäste. Willie richtet blutiges Chaos, Terror und Verwüstung an. Eingeschlossen auf dem Boot, müssen Cindi und die anderen Passagiere den Kampf mit dem Monster aufnehmen. Es geht ums nackte Überleben!

©️ Tiberius Film

.KRITIK.

Wer dachte, dass das Ende des Urheberrechts für Steamboat Willie als Randnotiz in der allgemeinen Berichterstattung versandet, hat die Rechnung nicht mit SCREAMBOAT gemacht. Regisseur Steven LaMorte nimmt die Vorlage des braven Cartoon-Urknalls von 1928 und schiebt sie mit Karacho durch den Fleischwolf. Das Ergebnis ist ein satirischer Psychotrip, der sich irgendwo zwischen Meta-Slasher, No-Budget-Grindhouse und gesellschaftlicher Watsche einpendelt – und dabei nie vergisst, in erster Linie derbe Unterhaltung zu liefern.

David Howard Thornton – bekannt als allseits beliebter Killerclown Art aus der Terrifier-Reihe – kommt hier seiner Lieblingsbeschäftigung nach: nach Herzenslust durchdrehen. Und wie er das tut! Als „Screamboat Willie“ ist er eine bizarre Mischung aus Stummfilm-Charlie Chaplin und Leatherface auf LSD. Jede Bewegung, jeder Blick, jede groteske Pose sitzt – Thornton spielt mit so viel überzogener Körpersprache, dass man meint, eine böse, abtrünnige Version von Mickey hätte sich aus dem Keller eines alten Filmarchivs befreit.

Dabei lebt der Film nicht nur von seinem Hauptdarsteller, sondern auch vom ungefilterten Mut zur Geschmacklosigkeit. Screamboat ist nicht subtil. Und das ist gut so. Hier wird gequiekt, geschlachtet, gelacht und gestaunt – auf eine herrlich absurde Weise. Das Ganze ist ein gewollt grobschlächtiges Manifest gegen Konzern-Ikonografie und ein wilder Ritt durch die Popkulturgeschichte mit dem Mittelfinger permanent im Anschlag Richtung Disney. Was sich kaum ein anderer traut, wird hier zur Inhaltsangabe.

Trotz des trashigen Anstrichs ist der Film technisch besser als erwartet: Die monochrome Optik wirkt überraschend stimmig, das Sounddesign klappert bewusst altmodisch und schafft dadurch eine einzigartige, surreale Atmosphäre. Ja, vieles wirkt billig – aber niemals lieblos. Im Gegenteil: Man merkt Screamboat die Freude am Tabubruch in jeder Szene an.

Natürlich ist das hier kein Film für jedermann – wer ein klassisches Slasher-Drehbuch oder gar irgendeine Form von Dramaturgie erwartet, wird Schiffbruch erleiden. Aber wer sich auf diesen absichtlich grotesken Alptraum aus Gummi, Kunstblut und Cartoon-Vibes einlässt, wird belohnt. Mit Lachen. Mit Staunen. Mit echtem, kultigem Wahnsinn. Was international als „dreiste Urheberrechts-Leichenfledderei“ oder „trashiger Coup mit Punk-Attitüde“ beschrieben wird, zeigt sich letztlich als ein Film, der nicht versucht, jedem zu gefallen – sondern der einfach voll draufhält.

.FAZIT.

Screamboat ist mehr als ein Scherz auf Kosten einer Ikone. Es ist ein kompromissloser Liebesbrief an den Wahnsinn, ein Meta-Massaker mit Stil – und vielleicht der Beginn einer neuen Kultfigur (es gibt eine Post-Credit-Szene). Wer Trash liebt, wird an Bord gehen. Alle anderen sollten lieber an Land bleiben.



OriginaltitelScreamboat
Produktionsland/-jahrUSA 2025
Laufzeit102 min
GenreDrama, Erotik, Thriller
RegieSteven LaMorte
DrehbuchMatthew Garcia-Dunn, Steven LaMorte
KameraSteven Della Salla
Kino8. Mai 2025
Home Entertainment4. September 2025
VerleihTiberius Film

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