Ein isländisches Kammerorchester hofft in DER LETZTE TAKT auf Ruhm, Rettung und ein bisschen Kulturförderung. Was sie bekommen, ist ein Ego-Trip in Dur und ein Wahnsinnsfinale in Moll.
.INHALT.
In Reykjavik kämpft ein kleines isländisches Kammerorchester ums Überleben. Die staatliche Förderung steht vor dem Aus – bis sich eine unerwartete Chance ergibt: Ein weltberühmter isländischer Cellist kehrt nach Jahrzehnten in die Heimat zurück. Seine bloße Anwesenheit könnte dem Orchester die dringend benötigte Aufmerksamkeit schenken und ihre Zukunft sichern. Doch der Hoffnungsschimmer wird schnell zum Albtraum. Der gefeierte, charismatische Virtuose namens Klemens (Hilmir Snær Guðnason) entpuppt sich als unerträglicher Tyrann, der keine Grenzen kennt. Beim großen Konzertabend spitzt sich die Lage dramatisch zu. Doch das Ensemble ist fest entschlossen, den Auftritt nicht zu gefährden – koste es, was es wolle. Und so betritt das Orchester die Bühne für eine Darbietung, die Reykjavik niemals vergessen wird.
.KRITIK.
Dass schwarze Komödien aus Skandinavien ein ganz eigenes Tempo haben, ist bekannt. Doch DER LETZTE TAKT schafft es, aus der scheinbar trockenen Prämisse eines strauchelnden Kammerorchesters in Reykjavik eine bissige, lakonisch-witzige und überraschend zugespitzte Satire zu machen – die durch ihren feinen musikalischen Unterton doppelt resoniert.
Der Film spielt elegant mit Erwartungen: Zunächst scheint alles in die Richtung einer warmherzigen Underdog-Komödie zu laufen – liebenswerte, leicht schrullige Orchestermitglieder, absurde Finanzierungskämpfe und die zarte Hoffnung auf Rettung durch einen isländischen Star-Cellisten. Doch sobald dieser in Erscheinung tritt, kippt im wahrsten Sinne des Wortes der Ton. Mit seiner narzisstischen Grandezza, einem Hang zur Selbstinszenierung und autoritären Ausbrüchen, bringt er das Orchester an den Rand des Wahnsinns – und das Publikum zum Lachen.
Der letzte Takt lebt von genau dieser Spannung zwischen Ernst und Absurdität. Die Kamera bleibt oft still, fast dokumentarisch, während auf der Tonspur Eskalation herrscht – sei es in hysterischen Proben, unterschwelligem Machtspiel oder der grotesken Hilflosigkeit der Musiker:innen. Das Ensemble spielt wunderbar trocken und zurückhaltend, was die komischen Elemente nur noch stärker hervortreten lässt.
Dass die Geschichte auf engstem Raum – in einem alten Kino bzw. Theater gedreht wurde, trägt zur beklemmend-komischen Atmosphäre bei. Alles fühlt sich leicht überhitzt an, überzeichnet, aber nie realitätsfern. Es ist diese typische skandinavische Art von Humor: lakonisch, scharfkantig, dabei fast beiläufig zynisch – ein Humor, der sich nicht anbiedert, sondern seine Wirkung langsam entfaltet.
Wenn schließlich der große Konzertabend kommt, ist die Katastrophe längst programmiert – doch der Film dreht noch einmal eine stilistisch grandiose Ehrenrunde: was folgt, ist eine musikalisch und emotional hochkomische Klimax, die nicht nur das Orchester, sondern auch das Publikum an seine Grenzen bringt.



.FAZIT.
Der letzte Takt ist eine hochpräzise orchestrierte schwarze Komödie über Macht, Eitelkeit und die Kunst des Zusammenhalts im kreativen Chaos. Ein kleines, fieses, komisches Vergnügen, das durch seine Musikalität und seine feine Beobachtung glänzt – und beweist: In Island ist selbst Scheitern noch ziemlich unterhaltsam.
| Originaltitel | Fullt hús |
| Produktionsland/-jahr | Island 2024 |
| Laufzeit | 92 min |
| Genre | Komödie |
| Regie | Sigurjón Kjartansson |
| Drehbuch | Sigurjón Kjartansson |
| Kamera | Bergsteinn Björgúlfsson |
| Kino | 12. Juni 2025 |
| Home Entertainment | – |
| Verleih | Mindjazz Pictures |

