MARIA | Das geisterhafte Porträt einer Diva am Ende ihrer Welt

Basierend auf wahren Begebenheiten erzählt MARIA, dargestellt von Oscar®-Gewinnerin Angelina Jolie, die wunderschöne und doch tragische Geschichte der Callas anhand ihrer letzten Tage im Paris der 1970er Jahre.

.INHALT.

Paris 1977: Maria Callas (Angelina Jolie) hat sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Die Operndiva singt nicht mehr und lebt in einer Welt voller Erinnerungen. Nur ihr Kammerdiener Ferruccio (Pierfrancesco Favino) und die Köchin Bruna (Alba Rohrwacher) stehen ihr nah, und beide machen sich Sorgen um die Gesundheit ihrer Hausherrin. Doch als der TV-Reporter Mandrax (Kodi Smit-McPhee) auftaucht, blüht Maria auf. Die Interviews mit dem jungen Mann führen sie zurück in bessere Zeiten.

©️ STUDIOCANAL/ARTHAUS

.KRITIK.

MARIA entführt uns in das Paris des Jahres 1977 und lässt Maria Callas (Angelina Jolie) eindringlich als bröckelnde Legende wiederauferstehen. Rückgezogen, von Beruhigungsmitteln benebelt, ändert das Auftauchen eines jungen Reporters alles. Mit ihm lässt sie ihr Leben Revue passieren. Bittersüße Rückblicke, die sie für Augenblicke wieder zum Leben erweckt. Die Inszenierung von Pablo Larraín wirkt fast sakral: gedämpfte Farben, enge Räume, verzerrte Erinnerungsbilder – eine stilvolle, fast theatralische Collage, die zwischen Realität und Halluzination changiert.

Angelina Jolie bringt eine faszinierende Mischung aus Anmut und gebrochener Stärke auf die Leinwand. Ihr Blick wirkt oft geisterhaft, und wenn sie verzweifelt heimlich singt, spürt man das Echo der unerreichbaren Callas – auch wenn die Ausstattung, besonders das Lip-Sync, nicht immer überzeugt. Zugleich zeigt sich in diesen Szenen etwas Reinheit: ein rohes, zutiefst verletzliches Künstlerin-Sein, das sich nicht versteckt.

Die Nebenfiguren verleihen dem Film zusätzliche Tiefe: der treue Butler, die Köchin und der erfindungsreiche „Journalist“ bilden Marias letzte Vertrauten. Ihre Gespräche wirken warm, humorvoll und mitfühlend – sie bilden den Kontrast zur einsameren, düsteren Grundstimmung auf der Bühne. Dieser Begegnungsmix fängt den Mikrokosmos im umfangreichen Lebensbild der Diva gekonnt ein.

Ästhetisch ist der Film ein Genuss: Edward Lachmans Kamera fängt Paris in Herbsteleganz ein, mischt satte Farben mit nostalgischem Schwarz-Weiß. Die sorgfältig ausgewählten Opernsequenzen – von „Tosca“ bis „Otello“ – geben der Inszenierung musikalische Wucht. Doch die Erzählung selbst wirkt stellenweise nüchtern – etwas zu distanziert, um wirklich zu packen. Wer Marias Wurzeln, ihr künstlerisches Feuer und ihre Komplexität kennt, könnte sich wünschen, man hätte noch tiefer in ihre Karriere- und Gefühlswelt hineingetaucht.

Doch gerade diese Beschränkung auf ihre letzten Tage erlaubt einen poetischen Zugang: Maria als Vision, Erinnerung, Projektion – eine Symbolfigur der unerfüllten Sehnsucht. Larraín wählt eine konzentrierte Betrachtung statt Chronologie, Melancholie statt bombastischer Exposition. Manchmal fühlt sich das an wie ein Kunstwerk, das sich selbst beobachtet – wunderschön, manchmal aber auch flirrend und abwesend.

.FAZIT.

Ich habe Maria als ästhetisch packenden, eindringlichen Portraitfilm erlebt – und zugleich blieb er bei mir mit dem Gefühl zurück, dass vieles angedeutet wurde, aber wenig greifbar war. Jolie berührt, Larraín fasziniert – aber nicht jeder Moment erreicht die emotionale Tiefe, die man sich von einer Diva erwartet. Der Film ist keine volle Biografie, sondern eher ein introspektiver Augenblick – und gerade dieser Versuch, das Unfassbare einzufangen, macht ihn reizvoll und streitbar zugleich.



OriginaltitelMaria
Produktionsland/-jahrItalien, Deutschland, Chile, USA 2024
Laufzeit124 min
GenreDrama, Biografie, Musik
RegiePablo Larraín
DrehbuchSteven Knight
KameraEdward Lachman
Kino6. Februar 2025
Home Entertainment19. Juni 2025
VerleihSTUDIOCANAL/ARTHAUS

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