DER SCHUH DES MANITU | Ein bayerischer Rekord-Ritt mit Abahachi und Ranger

Im Jahr 2001 brach DER SCHUH DES MANITU alle Rekorde – und wurde zum Synonym für eine neue Ära deutscher Kinokomödien. Heute, 24 Jahre später, ist es Zeit, zurückzublicken: Was bleibt von Bullys Western-Persiflage, gerade mit Blick auf die kommende Fortsetzung „Das Kanu des Manitu“? Überraschend viel. Denn zwischen Kalauern und Kostümgags steckt ein erstaunlich zeitloses Gefühl von Spaß – und das macht den Film heute vielleicht sogar wertvoller als damals.

.INHALT.

Wilder Westen, mitten im 18. Jahrhundert: Der Apachen-Häuptling Abahachi (Michael „Bully“ Herbig“) und sein Blutsbruder Ranger (Christian Tramitz) sind zuständig für Frieden und Gerechtigkeit. Als Abahachi bei den Schoschonen einen Kredit zur Finanzierung eines Stamm-Lokals aufnimmt, beginnen die Schwierigkeiten: Er gerät an den Gauner Santa Maria (Sky du Mont) , der ihm nicht nur eine Schrottfassade andreht und mit dem geliehenen Geld durchbrennt, sondern die Blutsbrüder bei den Schoschonen auch noch anschwärzt.

©️ Constantin Film

.KRITIK.

Als ich DER SCHUH DES MANITU zum ersten Mal sah im Kino sah, war ich sofort gefangen von seinem skurrilen bayrisch‑westwesternhaften Humor und der unbändigen Spielfreude, die Michael „Bully“ Herbig & Co. auf die Leinwand zauberten. Was in der TV-Show Bullyparade nur kurze Sketche waren, wurde hier zur Gag-Kanonade, bei der fast jeder Witz sitzt – auch wenn die Story nur den Rahmen liefert.

Die Parodie auf die Karl-May‑Filme der 60er ist liebevoll inszeniert: Kulissen, Kostüme, Musik – alles stimmig und filmisch hochwertig umgesetzt, mit einem Hauch Italo-Western-Flair. Gerade diese Mischung macht den Charme aus: Albernheit und technische Sorgfalt zugleich.

Schauspielerisch zeigen sich deutliche Unterschiede: Sky du Mont als Santa Maria stiehlt mit seiner Präsenz und überdrehten Energie nahezu allen die Show – unangefochten der heimliche Star des Films. Herbig und Tramitz spielen ihre Rollen mit bayrischem Gestus authentisch, wenngleich die restlichen Darsteller, etwa Marie Bäumer, eher unter dem Stereotypniveau bleiben.

Doch trotz seines Kultstatus bleibt der Film auch aus heutiger Sicht nicht frei von Unstimmigkeiten. Einige Gags wirken soflatt und repetitiv, für manche Zuschauer schon bemüht albern oder peinlich – besonders die Queer-Stereotypen rund um Winnetouch dürften heute eher gemischte Reaktionen hervorrufen. Auch die sexistische Darstellung der einzig bedeutenden Frauenfigur (Uschi) ist bis heute als Schwachpunkt zu werten. Aber wo man da genau die Linie zieht, ist immer noch eine individuelle Entscheidung. Hinterfragen darf man sie dennoch.

Trotzdem überwiegt das Positive eindeutig: Der deutsche Kinostart 2001 zog fast 12 Millionen Zuschauer in die Kinos und machte den Film zum bis dahin erfolgreichsten heimischen Film überhaupt. Für mich bleibt er ein Blockbuster mit Kultstatus – mit pointierter Selbstironie, einem Feuerwerk an Einfällen und einer nostalgischen Verrücktheit, die ich gern jederzeit wiedersehe.

.FAZIT.

Ich sehe heute einen Film, der Handwerk, Parodie‑Witz und Pop‑Kultur‑Spaß so kombiniert, dass man trotz polarisierender Elemente – gerade deshalb – mit dem warmen Gefühl aufsteht: Ja, deutschen Komödien kann man das Vertrauen schenken, wenn das Herz – wie bei Der Schuh des Manitu – am richtigen Fleck sitzt.



OriginaltitelDer Schuh des Manitu
Produktionsland/-jahrDeutschland, Spanien 2001
Laufzeit87 min
GenreKomödie, Western
RegieMichael „Bully“ Herbig
DrehbuchMichael Herbig, Alfons Biedermann,
Rick Kavanian
KameraStephan Schuh
Kino19. Juli 2001
Home Entertainment19. Januar 2002
VerleihConstantin Film

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