Die ADDAMS FAMILY erfreut sich seit fast 90 Jahren enormer Beliebtheit. Ins Leben gerufen als Cartoon, wurden die Geschichten der schrecklich grotesken Familie diverse Male für das Fernsehen, das Kino und die große Bühne adaptiert. Die originale, in den 1960er-Jahren produzierte TV-Serie gehört seit sechs Jahrzehnten zu einer der beliebtesten Comedyserien – und zu den schönsten Erinnerungen der Fernsehzuschauer.
.INHALT.
Die Addams Family wirkt auf den ersten Blick wie das genaue Gegenteil der amerikanischen Vorstadt-Idealvorstellung – und auf den zweiten Blick genau deshalb so wunderbar funktioniert. Gomez und Morticia Addams (John Astin und Carolyn Jones) leben mit ihren Kindern Wednesday (Lisa Loring) und Pugsley (Ken Weatherwax), Onkel Fester (Jackie Coogan), Großmutter (Marie Blake), dem Butler Lurch (Ted Cassidy) und dem eiskalten Händchen (in der Serie als „Thing“ [dt. Ding] bezeichnet) in einem düsteren Herrenhaus, das voller Falltüren, Folterinstrumente und morbider Dekorationen steckt.
Nachbarn, Geschäftspartner, Schulpersonal oder entfernte Verwandte prallen auf die Addams’ sche Sicht auf das Leben. Während diese Außenstehenden die Familie als unheimlich, verrückt oder sogar gefährlich empfinden, begegnen die Addams ihnen stets mit Herzlichkeit, Offenheit und erstaunlicher Höflichkeit.
Die Addams leben konsequent nach ihren eigenen Regeln, lieben sich bedingungslos, unterstützen einander und nehmen die Welt so, wie sie ist – nur eben aus einem vollkommen verdrehten Blickwinkel. Konflikte entstehen weniger innerhalb der Familie als durch das Unverständnis der Gesellschaft, was die Serie zu einer subtilen, aber sehr pointierten Gesellschaftssatire macht.
.KRITIK.
Was DIE ADDAMS FAMILY so besonders macht, ist nicht einfach ihr schwarzer Humor oder ihr ikonisches Design – es ist die Umkehrung aller damaligen Fernsehwerte. In einer Zeit, in der das US-Fernsehen von perfekten Kernfamilien, geschniegelt-braven Vorstädten und moralischer Eindeutigkeit geprägt war, stellte diese Serie alles auf den Kopf. Die Addams sind düster, exzentrisch, laut gesellschaftlicher Norm „falsch“ – und zugleich die liebevollste, ehrlichste und funktionalste Familie im ganzen TV-Kosmos der 60er Jahre.
Der Humor lebt dabei weniger von Gags im klassischen Sinne als von Kontrasten. Morticia spricht ruhig über Enthauptungen, Gomez jubelt kindlich über Foltermaschinen, Wednesday experimentiert mit Sprengstoff – und all das wird nicht als schockierend inszeniert, sondern als völlig normaler Familienalltag. Gerade diese Selbstverständlichkeit macht die Serie so wirkungsvoll. Sie lacht nicht über das Morbide, sondern integriert es in eine Welt, die in sich logisch und erstaunlich warm ist.
Besonders ikonisch ist das Zusammenspiel von John Astin und Carolyn Jones als Gomez und Morticia. Ihre Beziehung ist für eine Sitcom der 60er Jahre geradezu revolutionär: leidenschaftlich, respektvoll, gleichberechtigt und voller offener Zuneigung. Während andere Serien Ehen als Quelle für ein festgefahrenes Rollenbild, Streit und/oder Spott nutzten, zeigen die Addams eine Partnerschaft, die vor Nähe und gegenseitiger Bewunderung nur so sprüht – ein Aspekt, der die Serie bis heute modern wirken lässt.
Natürlich merkt man der Serie ihr Alter an. Das Schwarz-Weiß-Bild, die Studiokulissen und der episodische Aufbau wirken aus heutiger Sicht simpel (Grüße an Dinner For One gehen raus). Manche Gags wiederholen sich, manche Nebenfiguren bleiben bewusst flach. Doch genau diese Reduktion gibt den Takt vor. Sie verlässt sich auf Timing, Dialoge und Atmosphäre – und nicht auf Effekthascherei oder laute Pointen.
Der Kultstatus ergibt sich letztlich daraus, dass Die Addams Family mehr war als eine Comedy: Sie war ein Gegenentwurf. Eine Serie, die zeigte, dass Anderssein nicht nur okay ist, sondern lebenswert. Dass Liebe nicht geschniegelt sein muss. Dass Normalität oft viel seltsamer ist als alles Makabre. Dieser Gedanke hat Generationen geprägt – von späteren Serien über alternative Familienbilder bis hin zur Popkultur insgesamt.



.FAZIT.
Die Addams Family ist weit mehr als eine nostalgische Sitcom. Sie ist ein zeitloses Statement über Individualität, Toleranz und familiären Zusammenhalt, verpackt in schwarzen Humor und ikonische Figuren. Trotz kleiner Alterserscheinungen bleibt die Serie überraschend frisch, charmant und relevant. Ein Klassiker, der nicht nur unterhält, sondern Haltung zeigt – und genau deshalb bis heute Kult ist.
| Originaltitel | The Addams Family |
| Produktionsland/-jahr | USA 1964-1966 |
| Laufzeit | Folgen | 1609 Minuten (⌀ 25 Minuten pro Episode) | 64 Episoden in 2 Staffeln |
| Genre | Komödie, Horror |
| Regie | Sidney Lanfield, Jerry Hopper, Sidney Salkow uvm. |
| Drehbuch/Idee | David Levy, Charles Addams (Idee) |
| Kamera | Arch R. Dalzell |
| Dt. Erstausstrahlung | 19. März 2023 auf Paramount+ |
| Home Entertainment | 10. Januar 1970 – 23. März 1991 auf WDR (7 Ep.) und Sat.1 |
| Verleih | capelight pictures |

