BUGONIA | Aliens, Macht und Wahnsinn

Nach seinem mit vier Oscars® ausgezeichneten Meisterwerk „Poor Things“ erzählt Ausnahmeregisseur Yorgos Lanthimos mit seinem neuesten Geniestreich BUGONIA nun eine skurrile Sci-Fi-Komödie, in der eine Geschäftsführerin von zwei Verschwörungstheoretikern entführt wird: sie halten sie nämlich für eine Außerirdische, die die Welt zerstören will.

.INHALT.

Michelle Fuller (Emma Stone) ist CEO eines großen Biomedizin-Konzerns, doch durch ihre experimentellen Opioid-Entzugsmedikamente sind einige Menschen zu Schaden gekommen, darunter auch die Mutter ihres Angestellten Teddy (Jesse Plemons). Dieser glaubt, dass Michelle eine böse Außerirdische ist, die die Erde zerstören will. Deshalb entführt er Michelle und foltert sie – gemeinsam mit seinem Freund Don (Aidan Delbis) – im Keller seines Hauses. Sein Ziel ist es, dass sich Michelles vermeintliche Spezies vor der nächsten Mondfinsternis von der Erde zurückzieht.

©️ Universal Pictures Home Entertainment/PLAION Pictures

.KRITIK.

Mit BUGONIA liefert Yorgos Lanthimos erneut einen Film ab, der sich jeder bequemen Einordnung entzieht. Lose inspiriert vom koreanischen Kultfilm Save the Green Planet! nimmt Lanthimos dessen Grundidee – Entfremdung, Verschwörung, existenzielle Paranoia – und presst sie durch seinen ganz eigenen Blick auf Macht, Kontrolle und menschliche Abgründe. Heraus kommt kein klassisches Remake, sondern eine eigenwillige Neuinterpretation, die gleichermaßen verstört, fasziniert und herausfordert.

Was Bugonia so stark macht, ist seine konsequente Handschrift. Lanthimos inszeniert mit chirurgischer Präzision: Jede Einstellung sitzt, jede Bewegung wirkt geplant, jeder Dialog trägt eine unterschwellige Spannung in sich. Der Film erzeugt ein permanentes Unbehagen, ohne je laut oder aufdringlich zu werden – eine Qualität, die man beherrschen muss. Die Mischung aus schwarzem Humor, existenzieller Bedrohung und absurder Logik funktioniert erstaunlich gut und verleiht dem Film eine ganz eigene Dynamik.

Thematisch bewegt sich Bugonia zwischen Paranoia und Machtfantasie, zwischen Opferrolle und Kontrollwahn. Besonders gelungen ist dabei, wie der Film seine Perspektiven verschiebt, ohne sie eindeutig aufzulösen. Man wird als Zuschauer permanent gezwungen, die eigene Haltung zu hinterfragen: Wem glaubt man? Was ist plausibel? Und ab wann wird Rationalität selbst zur Illusion? Diese Ambivalenz ist kein Selbstzweck, sondern das emotionale Rückgrat des Films.

Schauspielerisch überzeugt Bugonia durch eine kontrollierte Intensität. Die Figuren wirken bewusst distanziert, fast entfremdet, was hervorragend zum Thema passt. Emotionen werden nicht ausgespielt, sondern unterdrückt – und entfalten gerade dadurch ihre Wirkung. Gleichzeitig bleibt der Film dadurch stets kühl, was für manche Zuschauer eine Hürde sein kann. Nähe entsteht weniger über Identifikation als über intellektuelle Reibung.

Visuell bleibt Lanthimos seinem Stil treu: sterile Räume, strenge Kompositionen, eine Atmosphäre, die mehr andeutet als erklärt. Nicht jede Szene entfaltet die gleiche Wucht, und gelegentlich wirkt der Film fast zu sehr in seiner eigenen Kontrolle gefangen. Doch das sind kleine Abzüge in einem Gesamtbild, das vor allem durch Konsequenz und Haltung besticht. Mal ganz davon abgesehen, dass der Film so skurril ist, dass er allein dadurch bei mir überzeugen konnte.

.FAZIT.

Bugonia ist anspruchsvolles, hochkonzentriertes Kino, das seinem Publikum viel zutraut – und dafür reich belohnt (vor allem mit ganz viel schwarzem Humor, Satire und Absurdität). Der Film ist stilistisch stark, thematisch dicht und inszenatorisch beeindruckend, ohne sich völlig in Selbstverliebtheit zu verlieren. Kleine Längen und emotionale Distanz verhindern vielleicht den ganz großen Wurf. Ein Film, der fordert, aber nicht überfordert – und genau deshalb so überzeugt.



OriginaltitelBugonia
Produktionsland/-jahrUSA 2025
Laufzeit118 min
GenreKomödie, Science-Fiction
RegieYorgos Lanthimos
DrehbuchWill Tracy, Jang Joon-hwan
KameraRobbie Ryan
Kino30. Oktober 2025
Home Entertainment15. Dezember 2025 (digital) / 29. Januar 2026
VerleihUniversal Pictures Home Entertainment (nur Digital Release) / PLAION Pictures

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