Man wacht auf, weiß nicht mehr, wer man ist – und stellt kurz darauf fest, dass man vermutlich die Menschheit retten muss. Kein Druck also. Genau mit dieser herrlich absurden Ausgangssituation beginnt DER ASTRONAUT – PROJECT HAIL MARY – und schon nach wenigen Minuten wird klar: Dieser Film hat weniger Interesse daran, Science-Fiction besonders cool aussehen zu lassen, sondern daran, sie wieder neugierig, verspielt und erstaunlich menschlich zu machen.
.INHALT.
Ryland Grace (Ryan Gosling) erwacht an Bord eines Raumschiffs – weit entfernt von seiner Heimat auf der Erde und ohne jede Erinnerung an seine Identität oder den Grund seiner Reise in die Weiten des Weltraums. Langsam und bruchstückhaft kehren schließlich seine Erinnerungen zurück. Er erkennt nicht nur, dass er auf der Erde mal Naturwissenschaftslehrer war, sondern auch, dass er eine zentrale Rolle in einem Wettlauf gegen die Zeit spielt und dabei wohl eine äußerst kritische Mission hat. Denn eine rätselhafte Substanz bedroht den Fortbestand der Sonne und damit das Überleben der gesamten Menschheit. Um eine globale Katastrophe zu verhindern, setzt Grace sein naturwissenschaftliches Wissen ein und entwickelt ungewöhnliche Lösungsansätze. Während seiner Reise stößt er auch auf eine überraschende Verbindung, die ihm zeigt, dass er in seinem Kampf möglicherweise nicht auf sich allein gestellt ist.
.KRITIK.
Der Beginn von DER ASTRONAUT – PRJECT HAIL MARY ist äußerst simpel. Ryland Grace, von Ryan Gosling verkörpert, erwacht allein in einem Raumschiff. Ohne Crew und Gedächtnis, nur zwei tote Kollegen nebenan und eine Mission, die anscheinend mit dem Überleben der Erde zu tun hat. Erinnerungen kommen nach und nach zurück – und mit ihnen die Erkenntnis, dass die Sonne langsam stirbt und Grace in einen letzten, ziemlich verzweifelten Plan verwickelt war.
Das hört sich nach einem riesigen Weltuntergangsfilm à la Roland Emmerich an, doch es entwickelt sich alles erstaunlicherweise anders. Anstelle von ständigem Explosionen oder heldenhaften Opfern zeigt der Film etwas, das viel spannender ist: Hirnschmalz. Grace ist kein Actionheld, sondern ein Wissenschaftsnerd, der Probleme mit Experimenten, Improvisation und gelegentlichem panischem Fluchen löst. Der Film schöpft seinen Humor – und eine erstaunliche Menge Spannung – genau daraus.
Man schaut ihm dabei zu, wie er versucht herauszufinden, warum ein winziger Mikroorganismus Sterne buchstäblich auffrisst. Das klingt erstmal nach Biologieunterricht im Weltall, funktioniert aber erstaunlich gut, weil der Film seine Ideen mit Tempo und Witz präsentiert. Dinge werden ausprobiert, gehen schief, werden neu gedacht – und plötzlich sitzt man im Kinosessel und fiebert mit, ob ein improvisiertes Experiment tatsächlich funktionieren könnte.
Der Film lebt dabei stark von Ryan Gosling. Sein Ryland Grace ist kein cooler Weltraumprofi, sondern eher jemand, der ständig denkt: „Moment mal, warum ausgerechnet ich?“ Diese Mischung aus Intelligenz, Nervosität und trockenem Humor macht die Figur sofort sympathisch und für uns alle auch zugänglich. Wenn er im Raumschiff mit sich selbst redet oder völlig ungläubig auf das nächste Problem starrt, fühlt sich das erstaunlich nahbar an.
Und dann passiert etwas, das den Film endgültig von typischen Weltraumabenteuern abhebt. Ohne zu viel zu verraten: Grace ist irgendwann nicht mehr allein. Was daraus entsteht, gehört zu den schönsten und unerwartet warmherzigen Elementen des Films. Aus einer Überlebensmission wird plötzlich eine Art Bromance im All – eine Freundschaft, die gleichzeitig urkomisch, rührend und ziemlich clever geschrieben ist.
Auch visuell funktioniert das Ganze hervorragend. Der Weltraum wirkt hier nicht nur spektakulär, sondern auch unglaublich einsam. Viele Szenen spielen bewusst mit dieser Isolation: ein einzelnes Schiff, Milliarden Kilometer von der Erde entfernt, während ein Mann versucht, ein kosmisches Problem zu lösen, das eigentlich viel zu groß für ihn ist. Gleichzeitig sorgt der Film immer wieder für Staunen, wenn neue wissenschaftliche Ideen oder überraschende Entdeckungen ins Spiel kommen.
Meine Kritik hält sich hier tatsächlich in Grenzen. Hier und da wirken Rückblenden und wissenschaftliche Erklärungen etwas langatmig. Aber trotz 153 Minuten hatte ich nie das Gefühl: „Puh, wann ist der Film endlich zu Ende?“ Somit stellt sich mir die Frage: Habe ich hier einen der besten Filme des Jahres gesehen?



.FAZIT.
Der Astronaut – Project Hail Mary erinnert daran, warum gute Science-Fiction so faszinierend sein kann. Hier geht es nicht nur um die Rettung der Erde und damit der Menschheit, sondern um Neugier, Zusammenarbeit und den Spaß daran, Probleme zu lösen, die eigentlich viel zu groß wirken. Der Film ist witzig, überraschend emotional und voller Ideen – ein Weltraumabenteuer, das Herz und Hirn gleichzeitig anspricht. Kurz gesagt: ein richtig unterhaltsamer Sci-Fi-Trip, der sich die guten Kritiken absolut verdient hat.
| Originaltitel | Project Hail Mary |
| Produktionsland/-jahr | USA 2026 |
| Laufzeit | 156 min |
| Genre | Science-Fiction, Drama, Thriller |
| Regie | Phil Lord, Christopher Miller |
| Drehbuch | Drew Goddard, Andy Weir (Buch) |
| Kamera | Greig Fraser |
| Kino | 19. März 2026 |
| Home Entertainment/Streaming | – |
| Verleih/Vertrieb | Sony Pictures Entertainment Germany |

