Was als romantische Wanderung beginnt, verwandelt sich in einen Albtraum aus Porzellanmasken, Babygebrabbel und purem Bodyhorror. Wer dachte, Backwoods‑Horror hätte keine neuen Ideen mehr, den belehrt Regisseur Rod Blackhurst mit DOLLY eines Besseren.
.INHALT.
Chase (Seann William Scott) will seine Freundin Macy (Fabianne Therese) bei einer Wanderung mit einem Heiratsantrag überraschen. Das Glück scheint perfekt, doch die beiden betreten auf ihrem Weg versehentlich das Revier von Dolly (Max the Impaler), einem zentnerschweren, maskierten Monstrum, das gerne mit Puppen spielt – am liebsten mit menschlichen. Nach einer blutigen Konfrontation wird Macy von Dolly in ihr abgelegenes Haus verschleppt. Dort wartet ein Alptraum aus Schmerzen und Demütigungen auf sie, denn aus Dollys Puppenhaus kam noch niemand lebend wieder heraus. Was als romantischer Ausflug begann, wird zum gnadenlosen Kampf ums Überleben.
.KRITIK.
Direkt aus einer staubigen 16mm-Kiste zaubert Regisseur Rod Blackhurst sein neustes Werk DOLLY und es fühlt sich durchaus billig, aber auch irgendwie besonders an. Dabei setzt Blackhurst auf Grain, Dreck und Grindhouse‑Vibes, die an gute, alte Zeiten erinnern. Keine digitale Glätte, keine modernen Horrortricks – nur rohe Kamera, praktische Effekte und ein Setting, das nach Rost, Erde und altem Holz riecht.
Die Geschichte ist nicht sonderlich innovativ, aber effektiv: Macy und ihr Freund Chase wollen eigentlich nur wandern, bis sie auf eine riesenhafte, puppenmaskierte Gestalt treffen, die aussieht, als Texas Chainsaw Massacre und Wrong Turn ein Baby gezeugt. Dolly ist weniger „Slasher“ und mehr Backwoods‑Terror, der sich auf Atmosphäre und Optik statt Plot verlässt.
Was den Film trägt, ist die Präsenz von Dolly selbst. Max the Impaler spielt die Figur nicht wie ein Monster, sondern wie eine Naturgewalt: groß, schwer, unberechenbar, mit Bewegungen, die gleichzeitig kindlich und brutal wirken. Wirklich ein Wort verliert Dolly nie. Es ist eher dieses unbeholfene Formen von Lauten, wie es bei einem Baby der Fall ist und genau das macht sie so unangenehm. Die Babygeräusche, das Maskenspiel, die Art, wie sie Räume einnimmt – all das sorgt für eine konstante Grundspannung.
Fabianne Therese als Macy ist der emotionale Kern des Films. Sie bringt die Panik und körperliche Verzweiflung super zum Vorschein – ohne in Overacting zu rutschen. Sie trägt den Film durch lange Passagen, in denen es nur ums Überleben, Flucht, Rückschläge und erneute Gefangennahme geht. An ihrer Seite spielt ein alter Bekannter: um Seann William Scott ist es ja ein bisschen ruhiger geworden in den letzten Jahren. Geld kam eher durch B-Movies rein. Doch auch wenn er nicht der meisterhafteste Schauspieler ist, so macht das, was er hier zeigt, durchaus Spaß und sorgt für Begeisterung.
Aber wo gehobelt wird, fallen auch Spähe. Dolly hat seine Schwächen – auch wenn diese eher gering ausfallen: Über die dünne Story habe ich schon eingangs geschrieben, doch wiederholt er seine Muster und wirkt manchmal wie eine Idee, die keine wirkliche Substanz hat und deswegen künstlich in die Länge gezogen wird. Es bleiben diese besonderen Aha-Momente aus, was hier durchaus möglich gewesen wäre. Aber Look, Schauspieler und dieser beklemmende Old School-Horror haben mich mehr begeistert als wirklich abgeschreckt.



.FAZIT.
Wenn Dolly funktioniert, dann richtig. Die Practical Effects sitzen, die Soundkulisse ist unangenehm gut, und die Mischung aus Retro‑Look und körperlichem Horror macht den Film zu einem Erlebnis, das man nicht mit modernen Streaming‑Horrorfilmen verwechseln kann. Allerdings bleibt der Film hinter seinen Möglichkeiten und auch erzählerisch ist das leider nicht sonderlich viel, was uns Rod Blackhurst da anbietet. Ein kompromissloser Kompromiss-Film!
| Originaltitel | Good Boy |
| Produktionsland/-jahr | USA 2025 |
| Laufzeit | 83 min |
| Genre | Horror |
| Regie | Rod Blackhurst |
| Drehbuch | Rod Blackhurst, Brandon Weavil |
| Kamera | Justin Derry |
| Kino | 11. Juni 2026 |
| Home Entertainment/Streaming | – |
| Verleih | Tiberius Film |

