Clare bewegt sich durch die Welt, als wäre sie nur zu Besuch. Ein stilles Mädchen, das in den Fluren einer katholischen Schule kaum auffällt – bis man begreift, dass ihre Gelassenheit kein Schutzpanzer ist, sondern ein Jagdmodus. SAINT CLARE – ENGEL DER VERGELTUNG ist folgt keinem gewöhnlichen Muster, doch ob das schlecht oder gut ist, erfahrt ihr hier.
.INHALT.
Die attraktive Schülerin Clare (Bella Thorne) ist eine skrupellose Serienkillerin. Das scheinbar normale Mädchen besucht eine katholische Schule und lebt bei ihren Großeltern. Doch hinter der Fassade geht sie äußert brutal gegen Männer vor, die ihrer Meinung nach böse sind. Ihre mühsam aufgebaute Welt gerät aus den Fugen, als der hartnäckige Detective Timmons (Ryan Phillippe) Clare verdächtigt, etwas mit den Morden zu tun zu haben.
.KRITIK.
SAINT CLARE – ENGEL DER VERGELTUNG ist ein Thriller, der sich komplett auf seine Hauptfigur verlässt. Bella Thorne trägt den Film mit einer stoischen, fast unheimlichen Präsenz. Sie spielt Clare nicht als überdrehten Teen-Killer, sondern als jemand, der Gewalt wie eine Art stille Routine ausführt. Das ist faszinierend, und es gibt dem Film eine eigene, fast entrückte Stimmung.
Doch genau diese Stimmung steht oft im Widerspruch zu dem, was der Film eigentlich erzählen will. Tonal schwankt die Handlung: mal düster, mal ironisch, mal fast surreal. Das kann reizvoll sein, weil es Clare noch mysteriöser wirken lässt, aber es führt auch dazu, dass der Film nie ganz in Fahrt kommt. Manche Szenen wirken wie Andeutungen, manche Figuren wie Skizzen. Ryan Phillippe bleibt dabei bewusst blass – nicht schlecht, aber klar „unterentwickelt“. Der Film interessiert sich nicht für die Ermittlungen, sondern nur für Clare. Das ist konsequent, aber es nimmt Spannung. Das sollte man sich bewusst machen.
Vergleiche drängen sich auf: Jennifer’s Body hat eine ähnliche Mischung aus Highschool-Setting und weiblicher Gewalt, ist aber viel pointierter und popkulturell schärfer. American Psycho schwingt mit, allerdings ohne dessen satirische Präzision. Und wer Bella Thorne aus The Babysitter kennt, erkennt die Parallele: dieselbe Mischung aus Unschuld und Gefahr, nur diesmal ohne die ironische Brechung, die dort so gut funktioniert hat.
Saint Clare als Film wirkt, als wäre er der Auftakt zu etwas Größerem. Manche Konflikte verpuffen, manche Nebenfiguren bleiben flach, manche Ideen werden angerissen, aber nicht weitergeführt. Das macht den Film nicht schlecht – aber eben auch nicht rund. Er hat Atmosphäre, er hat Momente, er hat eine starke Hauptfigur. Was ihm fehlt, ist ein klarer Fokus.



.FAZIT.
Ein Film, der funktioniert. Ein Thriller, der fasziniert. Ein Genre-Trip, der eine starke Figur hat, aber dafür inhaltlich schwankt. Und trotzdem bleibt etwas hängen – vielleicht gerade, weil Bella Thorne als Clare so still, so schön und so gefährlich ist und damit für uns so reizvoll, wie sie als Mensch in diesem mysteriösen Kosmos agiert.
| Originaltitel | Saint Clare |
| Produktionsland/-jahr | USA 2024 |
| Laufzeit | 92 min |
| Genre | Horror, Thriller, Mystery |
| Regie | Mitzi Peirone |
| Drehbuch | Mitzi Peirone, Guinevere Turner, Don Roff |
| Kamera | Luka Bazeli |
| Kino | – |
| Home Entertainment/Streaming | 2. Juli 2026 |
| Verleih | Tiberius Film |

