PILLION | Queeres Kino, dass neue Wege geht und gewinnt

Basierend auf den preisgekrönten Romanvorlage „Box Hill“: In Harry Lightons PILLION brillieren Alexander Skarsgård und „Harry Potter“-Star Harry Melling und überraschen dabei mit einer herausragenden Performance voller Humor, Zärtlichkeit und emotionaler Tiefe.

.INHALT.

Dass der attraktive Biker Ray (Alexander Skarsgård) ausgerechnet ihn zu seinem neuen Gefährten erwählt, kann der schüchterne Colin (Harry Melling) kaum fassen. Ray fordert absolute Unterwerfung, zu der Colin nur allzu gern bereit ist. Im Gegenzug öffnet ihm Ray die Tür zu einer aufregenden Welt wilder Abenteuer und sexueller Ekstase. Während sich seine Eltern zunehmend Sorgen machen, genießt Colin sein neues Leben in vollen Zügen. Doch langsam erwacht in ihm eine leise Sehnsucht nach etwas, das Ray ihm vielleicht niemals geben kann.

©️ Weltkino Filmverleih

.KRITIK.

PILLION ist einer dieser Filme, die sofort klar machen, dass queeres Kino längst nicht mehr nur auf Wohlfühlmomente setzt. Der Film nutzt die neue Freiheit des Genres, um eine Beziehung zu zeigen, die gleichzeitig komisch, roh, intim und emotional herausfordernd ist. Regisseur Harry Lighton setzt bewusst auf eine ruhige, fast zurückhaltende Erzählweise, die den Zuschauer direkt in Colins Innenwelt versetzt. Genau das macht den Film so wirkungsvoll.

Harry Melling spielt Colin mit einer Mischung aus Schüchternheit, Sehnsucht und wachsender Selbstreflexion. Alexander Skarsgård wiederum verkörpert Ray als charismatischen, aber emotional schwer greifbaren Biker, der absolute Hingabe fordert und gleichzeitig eine Welt öffnet, die Colin vorher nicht kannte. Die Chemie zwischen beiden ist super – sie trägt den Film und macht die Dynamik glaubwürdig, auch wenn sie mitunter unbequem wird.

Was Pillion besonders stark macht, ist seine Haltung: Der Film romantisiert die Beziehung nicht, sondern zeigt sie als ein Geflecht aus Macht, Abhängigkeit, Selbstbestimmung und emotionaler Suche. Der Film geht damit einen Schritt weiter als viele aktuelle queere Produktionen, die oft glatter und gefälliger inszeniert sind. Pillion dagegen bleibt sperrig, ehrlich und manchmal bewusst unangenehm – und genau darin liegt seine Stärke.

Die BDSM‑Elemente sind präsent, aber nie Selbstzweck. Der Film wirkt nicht voyeuristisch, sondern die Beziehung wird als emotional komplexes System zeigt, in dem Colin langsam begreift, was er will – und was er nicht mehr akzeptieren kann. Die ruhige Kamera, die klare Bildsprache und die Musik von Oliver Coates verstärken diese Innensicht und geben dem Film eine fast meditative Qualität.

Dass Pillion auf Festivals gefeiert wurde, überrascht nicht: Die Kritiken reichen von „quietly devastating“ bis „einer der besten Filme des Jahres“. Und auch wenn der Film nicht jedem gefallen wird – dafür ist er zu direkt, zu ehrlich, zu wenig glatt –, bleibt er ein außergewöhnliches Stück queeres Kino, das neue Wege geht und damit begeistert.

.FAZIT.

Pillion ist ein selten ehrliches, intensiv gespieltes queeres Drama, das ohne Effekthascherei auskommt und gerade deshalb so stark wirkt. Colin und Ray bleiben als komplexes Duo im Kopf, weil der Film ihre Beziehung nicht vereinfacht, sondern in all ihren Widersprüchen zeigt. Die ruhige Inszenierung, die präzisen Performances und die emotionale Klarheit machen Pillion zu einem der ungewöhnlichsten und überzeugendsten Beiträge des aktuellen queeren Kinos. Nicht makellos, aber außergewöhnlich kraftvoll.



OriginaltitelPillion
Produktionsland/-jahrIrland, Vereinigtes Königreich 2025
Laufzeit106 min
GenreKomödie, Drama, Romanze
RegieHarry Lighton
DrehbuchHarry Lighton, Adam Mars-Jones (Buch)
KameraNick Morris
Kino26. März 2026
Home Entertainment/Streaming10. Juli 2026
VerleihWeltkino Filmverleih

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