Draußen lauert das Grauen. Drinnen wartet die Langeweile. Ganz so schlimm ist THE LAST HOUSE natürlich nicht – aber ausgerechnet seine großartige Ausgangsidee bleibt hinter ihren Möglichkeiten zurück und sorgt neben anfänglicher Neugier, vor allem im weiteren Verlauf für viel Frust und Kopfschütteln.
.INHALT.
Ann (Greta Lee) und Jason (Wagner Moura) sowie ihre beiden Kinder von rätselhaften, unsichtbaren Kräften im eigenen Haus gefangen gehalten. Sämtliche Auswege sind unerbittlich versperrt. Als Nahrung und Wasser allmählich knapp werden, verwandelt sich das gemütliche Eigenheim in eine tödliche Falle. Die Familienmitglieder müssen über sich hinauswachsen und entschlossen zusammenhalten, um das Überleben gegen die bedrohliche Macht zu sichern. Ein verzweifelter Kampf gegen das Unbekannte beginnt, der die Familie allmäßlich zu zerreißen droht.
.KRITIK.
Eine unbekannte Kraft sperrt ganze Familien in Häuser ein. Die müssen plötzlich kreativ werden, denn Wasser und Nahrung werden knapp. Und wäre dieser Umstand nicht schon beängstigend genug, wartet vor den scheinbar für immer verschlossenen Türen eine mysteriöse Kraft, die nicht sonderlich gut auf Menschen zu sprechen ist.
THE LAST HOUSE bot mir eine interessante Ausgangslage, doch nach knapp zwei Stunden hat mir der Film mehr Frage als Antworten gegeben. Anstelle von Zufriedenheit stellte ich mir die Frage: „Was habe ich da gerade eigentlich gesehen?“ Das Problem beginnt schon bei den Figuren.
Gerade bei einem solchen Szenario möchte ich wissen, was diese Menschen miteinander verbindet, welche Konflikte zwischen ihnen schwelen und was mit einer Familie passiert, wenn sie über einen so langen Zeitraum auf engstem Raum zusammenleben muss.
Greta Lee und Wagner Moura machen dabei durchaus einen guten Job, wobei ich anfangs ein großes Problem mit Greta Lees Schauspiel hatte. Was sich zum Glück gelegt hat. Denn mit fortschreitenden Problem mehren sich ruhige Momente, in denen die beiden wunderbar zusammen funktionieren. Aber das Drehbuch gibt ihnen und den anderen Figuren einfach nicht genug Futter. Dadurch bleiben viele Entwicklungen emotional erstaunlich weit von mir entfernt. Es ging sogar stellenweise so weit, dass es mir egal gewesen wäre, ob sie es schaffen oder nicht. Dabei hätte genau darin die eigentliche Stärke des Films liegen können.
Interessant fand ich The Last House immer dann, wenn er sich auf diese klaustrophobische Situation konzentriert. Wie lebt man weiter, wenn draußen eine unbekannte Gefahr lauert? Wie verändert sich die Wahrnehmung von Zeit? Und was passiert, wenn die eigenen vier Wände irgendwann nicht mehr nach Schutz, sondern nach Gefangenschaft aussehen?
Leider nimmt sich der Film dafür erstaunlich viel Zeit – und gleichzeitig entwickelt er seine eigentliche Geschichte nur schleppend. Später kommen dann die „Monster“, eine Erklärung für das Phänomen und weitere Sci-Fi-Elemente hinzu. Das ist grundsätzlich nicht uninteressant, wirkt für mich aber zunehmend wie ein anderer Film. Die interessante Familiengeschichte wird zugunsten eines konventionelleren Creature-Thrillers zurückgedrängt. Und spätestens beim Finale hatte ich das Gefühl, dass The Last House seine stärkste Idee längst aus den Augen verloren hat – mich als Zuschauer eingeschlossen.
Das ist wahrscheinlich der Punkt, der mich am meisten ärgert: Ich wollte diesen Film wirklich mögen. Die Prämisse hat mich sofort abgeholt, die Atmosphäre funktioniert stellenweise und Greta Lee und Wagner Moura sind eine gute Besetzung (mit einigen Schwächen). Auch die Kreaturen haben durchaus ihren Reiz.
Aber ausgerechnet die Fragen, die mich an der Geschichte am meisten interessiert hätten, beantwortet der Film nur halbherzig. Statt die Isolation, die Familie und die psychologischen Folgen stärker auszuleuchten, flüchtet er irgendwann in Erklärungen und Genre-Konventionen.



.FAZIT.
The Last House ist für mich kein schlechter Film. Er ist vielmehr ein Film, bei dem ich ständig die bessere Version erahnen konnte. Die Grundidee funktioniert, die Darsteller sind gut und einzelne Momente erzeugen durchaus Beklemmung. Aber das Tempo ist unausgewogen, die Figuren bleiben zu oberflächlich und gerade im letzten Drittel verliert der Film seine ursprünglich interessante Richtung.
Schade. Denn aus dieser Ausgangslage hätte für mich ein richtig beklemmender, psychologischer Sci-Fi-Thriller werden können. So bleibt ein interessanter, aber letztlich ziemlich unausgeschöpfter Netflix-Film.
| Originaltitel | The Last House |
| Produktionsland/-jahr | USA, Vereinigtes Königreich, Frankreich 2026 |
| Laufzeit | 112 min |
| Genre | Thriller, Mystery, Science-Fiction, Horror |
| Regie | Louis Leterrier |
| Drehbuch | Matthew Robinson |
| Kamera | Pål Ulvik Rokseth |
| Kino | – |
| Home Entertainment/Streaming | 7. August 2026 |
| Verleih/Vertrieb | Netflix |

