TOY STORY 5 | Der Kampf ums Kinderzimmer hat erst begonnen

Früher reichte ein Cowboy, ein Astronaut und ein Kinderzimmer für großes Kino. Heute braucht es offenbar auch noch ein Tablet, das den ganzen Laden aufmischt. In TOY STORY 5 kämpfen Woody, Buzz und Co. nicht gegen einen neuen Bösewicht mit finsteren Absichten, sondern gegen den wohl mächtigsten Gegner unserer Zeit: einem Bildschirm im Taschenformat, von dem Kinder kaum noch die Augen lassen. Willkommen im Spielzeugzimmer des 21. Jahrhunderts!

.INHALT.

Die Zeiten haben sich geändert und die moderne Technik hast das Kinderzimmer erobert: Woody, Buzz Lightyear, Jessie und der Rest der Bande stehen vor einer ganz neuen Herausforderung, als sie auf Lilypad treffen, ein funkelnagelneues Tablet, das sehr eigenwillige Vorstellungen davon hat, was für ihr Kind Bonnie am besten ist. Wird das Spielen jemals wieder so sein wie zuvor?

©️ LEONINE Studios

.KRITIK.

Irgendwann kommt für jedes Spielzeug der Moment, in dem es gegen etwas Neues antreten muss. Früher war das der nächste Actionheld aus dem Spielzeugladen, heute ist es ein Tablet mit WLAN, GPS und Dauerbespaßung. In TOY STORY 5 bekommt es die altbekannte Truppe um Woody, Buzz und Jessie deshalb mit einer ziemlich zeitgemäßen Konkurrenz zu tun: Lilypad, einem interaktiven Tablet, das Bonnies Aufmerksamkeit bindet und das klassische Spielen zunehmend verdrängt.

Die Idee ist clever, denn während sich die ersten Filme mit dem Älterwerden und Loslassen beschäftigt haben, geht es diesmal um eine Frage, die Eltern vermutlich bestens kennen: Was passiert, wenn der Bildschirm spannender wird als alles, was im Kinderzimmer herumliegt? Pixar macht daraus einen unterhaltsamen Konflikt, der nicht nur für Kinder funktioniert. Gerade Erwachsene dürften sich bei der einen oder anderen Szene ertappt fühlen. Schließlich ist es schwer, dem Nachwuchs die Bildschirmzeit zu erklären, wenn man selbst beim Abendessen noch schnell aufs Handy schielt.

Optisch bleibt Pixar eine Klasse für sich. Die Animationen sind detailverliebt, die Spielsequenzen voller kreativer Einfälle und auch der Humor kommt nicht zu kurz. Gleichzeitig gelingt es dem Film, seine vertrauten Figuren mit neuen Konflikten zu konfrontieren. Besonders Jessie rückt stärker in den Mittelpunkt und bekommt emotional mehr Raum. Das tut der Reihe gut, denn nach fünf Filmen darf es ruhig einmal jemand anderes sein, der die Geschichte trägt. Woody und Buzz bleiben wichtige Bestandteile des Abenteuers. So kämpft der eine mit dem Alter und der anderen um die große Liebe. Dennoch müssen sie aber nicht jede Szene für sich beanspruchen, was ich sehr erfrischend fand.

Natürlich gibt es auch reichlich Nostalgie. Die vertrauten Figuren wiederzusehen, fühlt sich an wie ein Besuch bei alten Freunden. Ich war selbst noch ein kleiner Junge, der jeden Tag mit seinem Spielzeug spielte, als der erste Teil über den Fernseher flimmerte. Nur stellt sich eben aus heutiger Sicht auch die Frage, ob man diesen Besuch wirklich gebraucht hätte. Toy Story: Alles hört auf mein Kommando hatte vor rund sieben Jahren einen ziemlich runden Abschluss gefunden, und auch der fünfte Teil kann nicht ganz verbergen, dass Pixar erneut auf ein bewährtes Erfolgsrezept zurückgreift. Manche Handlungsmuster kommen bekannt vor, und die Botschaft über den Wert des analogen Spielens wird gelegentlich etwas deutlich mit dem Holzhammer vermittelt.

Das ist vor allem deshalb schade, weil der Film durchaus interessante Gedanken aufgreift. Ein Tablet ist schließlich nicht automatisch böse, und Spielzeug wird nicht allein dadurch wertvoll, dass es aus einer Zeit stammt, in der Kinder noch ohne Touchscreen aufgewachsen sind. Hier hätte die Geschichte ruhig etwas differenzierter sein dürfen. Stattdessen wirkt der Konflikt mitunter wie eine familienfreundliche Standpauke über zu viel Bildschirmzeit – verpackt in eine Pixar-Geschichte, die selbst natürlich möglichst viele Herzen und Kinokassen erobern möchte. Ein bisschen Ironie steckt darin schon und von meiner Seite auch viel Meckern auf hohem Niveau.

Denn ich kann nicht kaschieren, dass Toy Story 5 als Abenteuer für die ganze Familie sehr gefallen hat. Der Film ist witzig (nicht zuletzt auch wegen Buzz‘ zahlreiche Doppelgänger und Forky himself), emotional und technisch beeindruckend, ohne sich vollständig auf den guten alten Nostalgiebonus zu verlassen. An die ganz großen Momente der ersten drei Teile reicht er für mich zwar nicht heran, aber das ist auch eine ziemlich hohe Messlatte. Nicht jeder Besuch im Kinderzimmer muss schließlich gleich Filmgeschichte schreiben.

.FAZIT.

Toy Story 5 ist eine gelungene Fortsetzung mit einer zeitgemäßen Idee, tollen Animationen und lieb gewonnenen Figuren. Die Geschichte wiederholt manches aus früheren Teilen und erklärt ihre Botschaft etwas zu sehr mit Vorschlaghammer, bietet aber genügend Humor, Herz und Abenteuer, um die Rückkehr zu rechtfertigen. Pixar hat das Thema Spielzeug noch nicht ausgereizt – sollte aber aufpassen, dass aus der Reihe nicht irgendwann ein teures Abo-Modell wird.



OriginaltitelToy Story 5
Produktionsland/-jahrUSA 2026
Laufzeit102 min
GenreAnimation, Abenteuer, Komödie
RegieAndrew Stanton
Drehbuch/KonzeptMcKenna Harris, Andrew Stanton
KameraMatt Aspbury, Jean-Claude Kalache
Kino23. Juli 2026
Home Entertainment/Streaming23. Oktober 2026
Verleih/VertriebLEONINE Studios

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