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LEVIATHAN | Russlands schönste und hässlichste Seite

Der russische Ausnahmeregisseur Andrey Zvyagintsev schildert mit LEVIATHAN bildgewaltig die Geschichte eines rechtschaffenen Mannes, der an der Barentssee als arktischer Hiob gegen seinen von der korrupten Verwaltung beschlossenen Untergang kämpft. Die meisterhafte Parabel über die Moral der russischen Gesellschaft wurde von der Presse gefeiert und vielfach preisgekrönt.

Leviathan_Plakat

© EuroVideo

Inhalt

Der korrupte Bürgermeister einer kleinen Küstenstadt (Roman Madyanov) hat es auf das Land, das Anwesen und die kleine Autowerkstatt von Kolia (Aleksey Serebryakov) und seiner Familie abgesehen. Kolia lebt dort mit seiner Ehefrau Lilya (Elena Lyadova) und seinem jugendlichen Sohn Roma (Sergey Pokhadaev). Um gegen den raffgierigen Politiker und seine Pläne vorzugehen, bittet Kolia seinen alten Freund Dmitri (Vladimir Vdovichenkov) um Hilfe. Dmitri hat es nach Beendigung des Wehrdienstes bis zum angesehenen Anwalt in Moskau gebracht. Vor Gericht wollen sie gegen den Bürgermeister vorgehen und den Verkauf weit unter Wert verhindern. Sollte das nicht gelingen, besteht Plan B darin, möglichst viel kompromittierendes Material gegen den zwielichtigen Politiker zu sammeln. Doch als Kolia seinen besten Freund und seine Frau zusammen im Bett erwischt und sich die Schläger des Bürgermeisters melden, kommt alles ganz anders.

Kritik

Was kommt hier aus den tiefen Russlands auf uns zu: LEVIATHAN, ein aus der jüdisch-christlichen Mythologie stammendes Seeungeheuer und Namensgeber für einen von Beginn an kompromisslosen Film, der in langen vom Dialog und imponierender Visualität getragenen Szenen den scheinbar aussichtslosen Kampf einer Familie und ihrer Freunde gegen korrupte Politiker in blanker Angst offen zeigt. Auch wenn der politische Salär der Geschichte vorwiegend als russlandkritisches Drama gelobt wurde, ist Leviathan keineswegs nur auf seine gesellschaftliche Dimension besonnen. Die Einführung des Film gestaltet sich wie ein Spießrutenlauf für die Protagonisten, die durch persönliche und politische Konfrontationen mehr und mehr den Halt verlieren. Obwohl die rationellen Reflexionen und Aspirationen zu Anfang den Film massiv einnehmen. Hervorhebenswert ist auch die Tatsache, das Regisseur Zvyagintsev alle Handlungsstränge, trotz der Erlebnislosigkeit, mit Spannung folgt. Das liegt zum einen daran, das Zvyagintsev mit den Protagonisten, der Zeit und den Dialogen liebevoll umzugehen weiß. So spiegelt sich z.B. sogar in der offensichtlich monotonen Geburtstagsfeier und der andauernden Trinkgelagen atemberaubende Kompaktheit wieder ohne wirklich inszenatorischen Zauber zu verwenden. Gerade in der Reduzierung von Kameraführung, Schnitt, Charakterpositionierung und Handlung wird so auf das Wesentliche der Fokus gelegt. Die atmosphärische Dichte der Landschaft erzeugt hierzu eine düsteren Ort, an dem sich die brutale Schönheit und das politisch-radikale Intermezzo in seinem ganzen Ausmaß auslebt. Wer hier auf der Suche nach Optimismus ist, wird durch das pessimistisch angehauchte Drama Leviathan eines besseren belehrt. Einfach nur ein einfallsreich und grandios komponiertes Werk, welches zurecht mehrfach prämiert wurde.

Fazit: Erschreckend, aktuell, bildgewaltig – Leviathan trotzt der klimatischen Kälte, aber nicht der politischen. In der Einöde der russischen Küste, droht ein Hoffnungsschimmer im Keim zu ersticken. Nur Regisseur Zvyagintsev besaß mit seinem Werk der russischen Herrschaftsmonotonie etwas entgegenzusetzen.

FSK ab 12 (grün)Originaltitel:           Leviafan
Produktionsland/-jahr:   RU 2014
Laufzeit:                140 min
Genre:                   Drama

Regie:                   Andrey Zvyagintsev
Drehbuch:                Oleg Negin, Andrey Zvyagintsev
Kamera:                  Mikhail Krichman   

Kinostart:               12. März 2015
Home Entertainment:      15. Januar 2016

Verleih:                 EuroVideo

(Quelle: kinofilme)

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