The_Evil_Within_2

THE EVIL WITHIN 2 | Der nervenzerreißender Horror kehrt zurück, aber es fühlt sich irgendwie anders an

THE EVIL WITHIN 2 von Genre-Meister Shinji Mikami erhebt die preisgekrönte Reihe mit einer einzigartigen Mischung aus psychologischem Nervenkitzel und echtem Survival-Horror in neue Höhen.

Zum Spiel

In der Rolle von Sebastian Castellanos stellen Sie sich im Albtraum des STEM unvorstellbaren Schrecken. Ihr Ziel: Ihre Tochter zu finden und in Sicherheit zu bringen, bevor das ganze System um Sie herum zusammenbricht. Zusätzlich zu den widerwärtigen Kreaturen, die durch die Straßen streifen, müssen Sie sich auch noch mit Menschen wie Stefano und Theodore herumschlagen – psychopathische Individuen, die sich im STEM ihr schreckliches Heim geschaffen haben und die geschwächte Welt nach ihren Vorstellungen verdrehen. Sollte diese vollständig zerstört werden, gibt es kein Entkommen für Sebastian oder Lily.

Test

Nach mehreren Tagen, vielen erbitterten Kämpfen und der Suche nach Erlösung, ist es vollbracht. Das furiose Ende von THE EVIL WITHIN 2. Wer hätte gedacht, dass sich der Nachfolger nicht nur anders anfühlt, sondern auch einen relativ neuen Weg gegangen ist. Wenngleich Horror ein Element ist, mit dem die Fortsetzung durchaus noch in seiner DNA trägt, erweist sich das Spiel vielmehr als mysteriöser Wettlauf gegen die Zeit. The Evil Within 2 ist ein Thriller, nicht mehr und nicht weniger. Aber ob es nun tatsächlich so gut war, dem nach Düsternis trachteten Gamer mit einer offenen Spielwelt zu versorgen?

Offene Spielwelten sind eine tolle Möglichkeit, den Kundenstamm zu erweitern und langfristig zu binden. Eigentlich ist es auch ziemlich abgefahren, in einer schier grenzenlosen Welt ein auf dicke Hose machen zu können. The Elder Scrolls- oder Grand Theft Auto-Reihe haben für wochenlangen Spielspaß gesorgt und begeistern auch langer Abstinenz auf der Festplatte oder Regal. Aber ein Horrorspiel mit so vielen Freiheiten aufzurüsten, ist mutig. Es gibt kaum Horrorspiele mit einer offenen Spielwelt. Warum? Umso mehr Spielfreiheit, desto mehr Spannung verabschiedet sich. So wurde beispielsweise die Spielwelt von Alan Wake kurz vor Start nochmal eingestampft.

Nichtsdestotrotz funktioniert es gewissermaßen in The Evil Within 2, wenn auch äußerst gewöhnungsbedürftig. So plagt sich der Spieler zu Beginn mit einer strikt linear erzählten Geschichte. Mit gesteuerten Rückblenden und einigen Erkenntnissen mehr, befindet man sich in einer traumatisierten Welt und sucht schließlich nach der Erlösung. Auf dem Weg dorthin läuft man durch eine bedrückende, fast schon postapokalyptischen Welt. Es fühlt sich an, als wären wir in Resident Evil gelandet und stiefel durch Racoon City. Sicherlich gibt es viel zu entdecken, das macht auch Laune, aber man ist zu sehr damit beschäftigt, die Horden von Zombies in die Schranken zu weisen. Gepaart mit dem furiosen Mix aus Kampf, Deckung und Flucht, wirkt das ganze Spektakel nicht mehr als zu passend zur Geschichte, die einst der Vorgänger so mitreißend eingefangen hatte.

Doch wenngleich die offenen Spielwelt viel an Grusel und Spannung nimmt, wissen die Entwickler von Tango Gameworks an anderer Stelle wieder etwas Butter aufs Brot zu schmieren. Punkten kann The Evil Within 2 mit wunderbar ausbalancierte Schwierigkeitsgrade und dem stetigen Mangel an Munition – und zum Glück wurde der Trip in die Freiheit auf zwei Areale begrenzt. Außerdem leckten die Entwickler viel Wert auf kreative Levelveränderungen, Dynamik und einzigartige Begegnungen. Als Gesamtes glänzt The Evil Within 2 mit einer wesentlich besseren Inszenierung, doch der Horror will nicht recht zünden. So verständige ich mich darauf, dass der Nachfolger ein äußerst packender Thriller ist. Dreckig und zu allem bereit.

Größter Wermutstropfen ist das Spieltempo. Bis zur Hälfte des Spiels quält sich der Spiele durch eine unangenehme Langatmigkeit. Erst danach entfaltet der „Thriller, der gerne Horror wäre“ seine volle Wirkung. Es wird an der emotionalen Schraube gedreht und die lang ersehnte Anziehungskraft freigesetzt. Wir erhalten wertvolle Erkenntnisse und Einblicke in die Gefühlswelt der Hauptfigur. Schließlich ist das Ziel: „Erlösung“. Das Finale schreibt Geschichte und katapultiert The Evil Within 2 dann mit dem letzten Atemzug doch wieder in den grünen Bereich der guten Unterhaltung.

Des Weiteren ist das Tempo ein bisschen verunglückt, denn der Anfang ist zu langatmig und erst nach der Hälfte nimmt The Evil Within 2 richtig Fahrt auf, dann aber nicht auf der Horror-Ebene, sondern bei der persönlichen Geschichte, die gerade im letzten Drittel emotional aufdreht und überaus zu fesseln vermag. Ohne das tolle Finale wäre The Evil Within 2 höchstens im befriedigenden Bereich gelandet, aber so reicht es für „gute Unterhaltung“.

Fazit: Schade, das The Evil Within 2 nicht mehr so gruselig ist und sich in der offenen Spielwelt ein wenig verläuft. Doch auf dem Pfad der Gerechten gelangt man dennoch, sofern man bereit ist an etwas anderes zu glauben und vor allem auch bereit ist etwas anderes zu sehen. Es bedarf einige Zeit, das neue Konzept zu verstehen und zu akzeptieren. Hat man diese Schwelle gemeistert, erlebt man ein völlig neues Spielgefühl und eine Fortsetzung, die sich einfach ganz anders anfühlt. Anders ist nicht gleich schlecht, denn die Anziehungskraft besitzt The Evil Within 2 für mehrere Tage auf der Suche nach Erlösung allemal. Schließlich gibt es in dieser düsteren Welt viel zu entdecken, zu sammeln und upzugraden. Wehrt euch nicht dagegen, lasst das Trauma und Brutalität einfach zu.

Plattform: PS4 | XBOX ONE | PC

USK 18 (rot)Genre:                    Survival-Horror
Entwickler:               Tango Gameworks
Publisher:                Bethesda Softworks   
Veröffentlichung:         13. Oktober 2017

(Quelle: BethesdaSoftworksDE)

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