PIERCING

PIERCING | Ein Familienvater packt der Blutdurst

Die originelle und smarte Regiearbeit PIERCING von Nicolas Pesce, die auf einem Roman des japanischen Bestseller-Autors Ryū Murakami basiert, ist hochkarätig besetzt und voller überraschender Entwicklungen sowie Wendungen.

Piercing

© Busch Media Group

Inhalt

Der junge Familienvater Reed (Christopher Abbott) wird urplötzlich von dem Trieb gepackt, einen Menschen töten zu müssen. Zwar kann Reed sich gerade noch davon abhalten, sein eigenes Baby umzubringen, aber seine Mordlust bleibt ungestillt. Und so plant er ein sorgfältiges Komplott: Er behauptet gegenüber seiner Frau, dass er für einige Tage auf Dienstreise müsse. Dann quartiert er sich in einem Hotelzimmer ein und bestellt sich das Callgirl Jackie (Mia Wasikowska), die sein ahnungsloses Opfer werden soll: Erst will er sie fesseln, dann betäuben und schließlich in der Badewanne zerstückeln. Allerdings hat Jackie überhaupt keine Lust, sich einfach abmurksen zu lassen und der Abend nimmt eine überraschende Wendung.

Kritik

In der gefeierten Netflix-Serie The End of the F***ing World dürstet es einen psychopathischen Teenager James nach Mord. Anfangs reichen ihm wehrlose Tiere, doch irgendwann will er mehr. Ein Mensch soll sein nächstes Opfer werden. Kurzerhand pickt er sich seine neue Schulkameradin Alyssa heraus, doch der passende Moment ergibt sich aufgrund ihrer rebellischen und recht offensiven Art nicht. Das Verhältnis von Täter und Opfer verändert sich in Bonnie & Clyde. Sie brennen durch und allerhand Abenteuer und Gefahren stellen sich den beiden sichtbar überforderten Teenies in den Weg.

Jetzt fragt man sich: Was ist da in der Erziehung schiefgelaufen??? Schicksalshafte bis zu weilen traumatische Erlebnisse hinterlassen nicht selten Spuren. Die sichere Kindheit wird verlassen und mit jedem Jahr entwickeln wir uns weiter und sehen uns neuen Dingen ausgesetzt. Schule, Liebe und Familie befinden sich im stetigen Wandel. Ein einzelner Nadelstich von außen könnte die heile Welt zum Einsturz bringen. Dies soll nicht automatisch heißen, dass jedes Kind mit vergleichbaren Erlebnissen wie James zum Killer wird. Aber interveniert man nicht rechtzeitig, könnte man irgendwann so werden wie Reed.

Reed ist ein junger Familienvater, beruflich erfolgreich, aber es kommt der Augenblick – ein kurzer Wimpernschlag, der ausreicht – in dem es ihn packt. Die Gier nach Blut. Ab diesen Zeitpunkt entwickelt sich PIERCING in eine unkonventionelle Richtung. Die überraschend erfrischende Inszenierung und Christopher Abbott sorgen für einen gelungenen und zugleich mysteriösen Einstieg. Trotz düsterer und beklemmender Ausgangslage, wirkt alles so verspielt und locker-leicht. Doch wie sich viele User die Fragen stellen, stellte ich mich diese im Anschluss auch: Kann man einen derart abgrundtiefen bösen Film mit Hau-ruck-Plot-Point überhaupt gut finden? Sicherlich ist Nicolas Pesces Piercing gewöhnungsbedürftig und hart an der Grenze der Legalität, doch künstlerisch offenbart das kleine, heftige Schauspiel in einem Hotelzimmer, viel Schönes. Grotesk, ja. Aber zu Schade, um ihn unbeachtet zu lassen.

Fazit: Piercing ist die Ausgeburt finsterer Fantasien eines Menschen, der nicht in die Gesellschaft zu passen scheint – trotz Familie und Beruf. Aber er hat von sich aus einen Punkt erreicht, in der das nicht genug ist, in der eine Schattenseite hinzugefügt werden muss. Reed fühlt sich erst dann wieder lebendig, wenn er einem anderen das Leben nehmen kann. Ein Machtgefühl, eine Erniedrigung und eine konsequente Unterdrückung einer Prostituierten, die nichts wert ist und mit der man machen kann, was man will, weil es niemanden interessiert. Eine fahrlässige Fehleinschätzung, die schließlich zum heftigsten Plot Point führt, denn ich seit Orphan – Das Waisenkind gesehen habe. Dennoch bleiben die Bilder schwer auszuhalten, daher bedarf es Zuschauer mit stabiler Psyche und Magen.

FSK 18 (rot)Originaltitel:           Piercing
Produktionsland/-jahr:   US 2018
Laufzeit:                81 min
Genre:                   Horror, Thriller

Regie:                   Nicolas Pesce
Drehbuch:                Nicolas Pesce
Kamera:                  Zack Galler 

Kinostart:               -
Home Entertainment:      28. Juni 2019

Verleih:                 Busch Media Group

(Quelle: Busch Media Group)

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