BLAIR WITCH

BLAIR WITCH | Grüßt die Hexe, wenn ihr sie seht

Die Reise begann 1999 im Kino und zog 17 Jahre später eine Fortsetzung nach. Nun erlebt das gruselige Universum von BLAIR WITCH in einem abgelegenen Wald eine spielbare Erweiterung, die es in sich hat und für zahlreiche nasse Unterhosen sorgen dürfte. 

(Quelle: Koch Media)

Zum Spiel

Wir schreiben das Jahr 1996. Ein Junge verschwindet im Black Hills Forest in der Nähe Burkittsvilles, Maryland. Spieler übernehmen die Rolle Ellis‘, einem ehemaligen Polizeibeamten mit schwieriger Vergangenheit, und nehmen in dem Fall die Fährte auf. Was wie eine normale Ermittlung beginnt, wird schon bald zu einem fortwährenden Albtraum, in dem der Spieler sich seinen Ängsten stellen muss – und der Hexe von Blair, einer rätselhaften Macht, die den Wald heimsucht …

Test

Erst spät erreichte mich die Welle von The Blair Witch Project. Das pseudodokumentarische Filmchen basierend auf einer angeblichen Legende sorgte 1999 für mächtig aufsehen, lag bei mir aber erst viele Jahre später auf dem Tisch. Im Rahmen meiner Bachelorarbeit untersuchte ich derartige Filme, setzte sie in den Kontext früher, gegenwärtiger und zukünftiger Filme aus diesem Genre und stellte Gesetzmäßigkeiten des sogenannten Found-Footage-Films auf. Viele Wochen tauchte ich ab in dunkle Kapitel, um schließlich mit einer sehr guten 2 auf dem Hochschulzeugnis wieder aufzutauchen. Der Maßstab war ich selbst, wissenschaftliche Referenzen gab es nicht und so war ich mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Doch welche Erkenntnisse haben bis heute nicht an Wirkung verloren? Eine Erkenntnis ist das Spiel mit der Angstlust oder bei Autofahrer auch als „Sensationslust“ oder „Gaffern“ salopp bezeichnet. Wir Menschen sehnen uns danach, nach dem Ungewissen, nach der Bedrohung, nach dem Kick. Ähnliche Faszination lösen zum Beispiel auch Fahrten mit der Achterbahn aus. Ein Geschwindigkeitsrausch, der am Ende ein durch Hormone hervorgerufenes positives Gefühl sorgt. Ein neues Level erreicht aber diese Angst, wenn sie droht zur Wirklichkeit zu werden. The Blair Witch Project durchbrach eine Wand, transferierte eine vermeintlich wahre Geschichte in das reale Leben. Nachrichten und der Einfluss es aufkommenden Internets sorgten für einen unvergleichlichen Effekt. Der Erfolg auf minimale Weise erzeugt. Genial, einfach und schlagfertig.

Umso drastischer ist nun der Schritt, die Geschichte ins selbe Universum anzusiedeln und dem Spieler eine gewisse Macht darüber zu geben. BLAIR WITCH hat in Ansätzen mit den Ereignissen aus den Filmen zu tun und erweitert die kontroverse und gruselige Geschichte um viele weitere Elemente. Was jedoch augenscheinlich neu und angetastet wirkt, sind aber streng genommen nur Zitate bereits etablierter Videospielreihen. Der fundierte Spieler taucht in vertraute Umfelder ab. So finden sich Elemente, wie eine Taschenlampe wieder, die nahezu die einzig wirkliche Waffe darstellt. In Alan Wake findet sich sowas ebenfalls wieder. Gerade Alan Wake-Fans dürften bei Blair Witch auf ihre Kosten kommen. Die Umgebung und die Bedrohung scheinen fast identisch zu sein, entpuppen sich aber dann doch als gegensätzlich heraus. Es ist immer schwer, die Angstlust – auch auf Videospielebene – fortschrittlich zu bedienen. Das dann auch noch entsprechend zu bewerten, ist schwierig, weil es immer eine Geschmackssache ist. Alan Wake war toll, Resident Evil famos und Blair Witch bleibt jeweils darunter. Es fehlt tatsächlich ein gewisses Alleinstellungsmerkmal um auf den Gold- oder Silberplatz vorzurücken. Aber Bronze kann ich dann doch gerne und verdient vergeben – trotz einiger Schwächen.

Technisch läuft das Spiel nicht rund, gerade die deutschen Untertitel sind lieblos übersetzt worden und verlieren an Dichte und Sinn. Inhaltlich braucht die Entdeckungstour im Wald zu lange. Worunter im ersten Drittel vor allem die Spannung leidet. Hat man aber diesen ärgerlichen Punkt passiert, erlebt man eine Tortur, die Spaß macht. Für wahre Horrorjunkies bleibt aber Blair Witch allenfalls ein Gaumenkitzler. Diejenigen, die die Filme mögen und auf Jumpscares anspringen, aber keinen Brutalo-Wolfenstein-Exorzismus virtuell praktizieren möchten, ist der Ausflug mit Hundi in den Black Hills Forest eine Willkommene Abwechslung zum stressigen Alltag. Die doch recht vielen Negativkritiken kann ich nur bedingt verstehen und nachvollziehen. Es mag vielleicht daran liegen, dass ich eher der Cineast bin statt Hardcore-Gamer, aber vom dramaturgischen Aufbau und dem Einsatz von überschaubaren Hilfsmitteln, gepaart in einer beklemmenden Atmosphäre verzücken mich zu sehr, um hier von einem Ausfall zu sprechen. Ich hatte meine Freude und kann das Spiel wärmstens Empfehlen – zumal gerade technisch durch Patches zügig nachgeholfen werden dürfte. Also kein Grund Trübsal zu blasen, es wird windig genug.

Fazit: Es reicht für volle Hosen… Blair Witch ist eine schöne Erweiterung des Hexen-Kosmos und -Kult, und ein schaurig-düsterer Solotrip ins Herz amerikanischer Mythen und Legenden. Bloober Team hat sich angeschickt, dem Filmfreund eine spielbare Fortsetzung der Erfolgsreihe zu servieren, scheitert aber am selbstformulierten Ziel. Egal, Mund abwischen und weitermachen, schließlich bieten das Game viele Stunden Spielspaß und Horror. 

Plattform: PS4 | XBOX ONE | PC

USK 18 (rot)Genre:                    Action-Adventure
Entwickler:               Bloober Team
Publisher:                Lionsgate Games 
Veröffentlichung:         31. Januar 2020

(Quelle: Xbox)

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