PELIKANBLUT | Das Familien(un)glück

Mit PELIKANBLUT inszeniert Regisseurin Katrin Gebbe einen intensiven Arthouse-Horror, mit Deutschlands Ausnahmeschauspielerin Nina Hoss brillant in der Hauptrolle besetzt, die als aufopfernde Mutter allen Warnungen zum Trotz mit der Erziehung der traumatisierten Adoptivtochter an die Grenzen ihrer Kraft stößt. Und dort hin geht, wo es weh tut …

DCM_Pelikanblut_Artwork

© DCM

Inhalt

Als Wiebke (Nina Hoss, „Schwesterlein“) nach langem Warten die Chance bekommt, ein weiteres Mädchen, Raya, aus Bulgarien zu adoptieren, geht für sie und ihre Tochter Nikolina ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung. Nach der anfänglichen Freude über die neue Schwester merken Wiebke und Nikolina bald, dass die kleine Raya etwas verbirgt. Durch unkontrollierte Wutanfälle und Aggressionen stellt sie eine zunehmende Gefahr für ihre Umwelt da. Um ihre Familie zu retten, muss Wiebke schließlich über Grenzen gehen und eine extreme Entscheidung treffen.

Kritik

PELIKANBLUT – ein Titel, der beim ersten Lesen keine sonderliche Regung in uns hervorruft. Nach zwei Stunden Film versteht man diesen jedoch in seinem gesamten Ausmaß. Hierzu möchte ich einen User namens „Der Siegemund“ zitieren:

"Pelikanblut" nimmt mit dem Titel Bezug auf Pelikane als häufig verwendetes Motiv der christlichen Ikonographie. So öffnet sich dieses Tier, nach dem frühchristlichen Überlieferungen, mit dem Schnabel die eigene Brust, um mit dem daraus tropfenden Blut die toten Jungen wieder ins Leben zurück zu holen. Dies kann als Allegorie für die aufopfernde Liebe und Glauben der Mutter gewertet werden.

Genau so hätte ich es gedeutet, denn der Film schafft einen ganz interessanten Spagat und folgt gleichzeitig keinen konventionellen Mustern, die man üblicherweise im Horror- bzw. Thrillerbereich vorfindet. Während sich die meisten Filmen mit vergleichbaren Thematik auf Paranormales stürzen und gänzlich ihren Erfolg anhand der Jumpscares messen, so ist Pelikanblut erpicht darauf, dies nicht zu tun. Dadurch hebt er sich automatisch ab. Damit schwimmt er mit seinem eigenen Stil im Fahrwasser von Midsommar oder Hereditary, die ebenfalls äußerst experimentierfreudig sind. Pelikanblut ist von der ersten Sekunde beklemmend und düster, obwohl die grundsätzlichen Absichten des Films und seiner Hauptdarstellerin löblich sind. Dennoch wird schnell klar, wohin die Reise geht. Die Wechselwirkung aus menschlichen Schicksalen, schwerwiegenden Entscheidungen und allerhand Spannungsmomente entladen sich in keiner schöngemalten und zugleich offensichtlichen Fiktion. Die Geschichte geht gänzlich in seinem blanken Realismus auf. Es wirkt echt und wirklich, was enorm förderlich ist und eine unglaubliche Sogwirkung erzeugt. Sogwirkung, auch eines der Wörter die in diesem Zusammenhang immer wieder fallen. Keine Sekunde vergeht ohne das Langeweile aufkommt. Nina Hoss und Adelia-Constance Ocleppo sowie Katerina Lipovska im Gespann spielen herausragend – wenngleich Nina Hoss einen Bonus bei mir genießt. Eine der besten deutschen Schauspielerinnen überhaupt. So ergibt sich am Ende des Tages ein mitreißender, aufrüttelnder und individueller Film, der sich anders anfühlt und sich anders schauen lässt. Deutsches Kino kann so viel mehr und das wird hier stark deutlich.

Fazit: Ein unfassbar realistisches Drama, das gänzlich auf Konventionen verzichtet und seine ganz eigenen Gesetze schafft. Nina Hoss und Kinderdarsteller sind überragend und verleihen Pelikanblut sein gewisses Etwas. 

FSK ab 16 (blau)Originaltitel:           Pelikanblut 
Produktionsland/-jahr:   DE/BE 2019
Laufzeit:                121 min
Genre:                   Drama

Regie:                   Katrin Gebbe
Drehbuch:                Katrin Gebbe
Kamera:                  Moritz Schultheiß

Kinostart:               24. September 2020 
Home Entertainment:      9. April 2021  

Verleih:                 DCM

(Quelle: DCM)

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