[Gastbeitrag] JAMES BOND 007 – KEINE ZEIT ZUM STERBEN | Ein Abschied mit Knall(effekt)

Endlich – mit fast anderthalb Jahren Verzug kehrt Daniel Craig ein letztes Mal als Geheimagent James Bond auf die große Leinwand zurück. Einen direkten Streamingstart entgeht damit 007, doch lange sah es danach nicht aus. KEINE ZEIT ZUM STERBEN ist der bisher längste und teuerste James Bond-Film.

Ein Gastbeitrag von Grit Schwarzenburg

Keine+Zeit+zu+sterben

© Universal Pictures International Germany

Inhalt

Eigentlich möchte James Bond (Daniel Craig) unerkannt zusammen mit seiner Freundin Madeleine Swann (Léa Seydoux) dem „dolce far niente“, dem süßen Nichtstun, frönen und die Welt bereisen. Doch im wunderschönen italienischen Ort Matera holt sie beide die Vergangenheit ein, nur knapp entgehen sie einem bewaffneten Mörderkommando. Aber Bonds Vertrauen in Madeleine ist erschüttert, schließlich ist sie die Tochter eines Killers, er trennt sich von ihr. Fünf Jahre später lebt er zurückgezogen auf der Karibikinsel Jamaica. Doch anstatt seinen wohlverdienten Ruhestand angelnd zu genießen, wird er gestört – von seinem alten Freund Felix Leiter (Jeffrey Wright), einem CIA-Agenten. Bond soll den entführten Wissenschaftler Valdo Obruchev (David Dencik) befreien. Und wie schon im Film zuvor stößt er dabei auf die Verbrecherorganisation „Spectre“. Der wahre Bösewicht ist jedoch ein ganz anderer: Lyutsifer Safin (Rami Malek), ausgestattet mit einer höchstgefährlichen biochemischen Waffe und einem regen Interesse an Bonds Ex-Liebe Madeleine.

Kritik

Das ist er jetzt also, der letzte Film mit Daniel Craig als James Bond – sein fünfter und der 25. der Reihe überhaupt. Ich erinnere mich noch gut an die Diskussionen, als er 2006 Nachfolger vom smarten Iren Pierce Brosnan wird. Ich bin ehrlich, da mir Daniel Craig als Typ Mann so gar nicht gefällt – er hat ja wirklich nur einen Gesichtsausdruck und dazu ziemlich dünne Lippen -, ziehen mich auch seine Bond-Filme nicht an. Die muss man aber nicht zwingend gesehen haben, um KEINE ZEIT ZUM STERBEN zu schauen und zu verstehen. Dafür muss ein Film nur gut gemacht sein und gut erzählt werden. Und für mein Gefühl hat das der neue Regisseur, Cary Joji Fukunaga, übrigens der erste US-Amerikaner auf diesem Stuhl, geschafft.

Es fängt bereits mit einem spannenden Intro bzw. den beiden Sequenzen vor dem eigentlichen Bond-Vorspann an. Beide teasern etwas an, das später im Film eine wichtige Rolle spielen wird und sind auch von der bildlichen Umsetzung einfach traumhaft. Da wäre die unberührte, verschneite norwegische Landschaft, der Killer mit der weißen Maske, der zwar die Mutter tötet, aber die Tochter – entgegen seines ursprünglichen Plans – aus dem zugefrorenen See rettet. Es ist Madeleine, die in der zweiten Sequenz mit Bond in der italienischen Kulturhauptstadt Matera im Turtelurlaub ist. Man spürt aber null Chemie zwischen den beiden, es kribbelt nicht, es ist lieblos – und das während des gesamten Filmes. Grandios und intensiv hingegen ist die Verfolgungsjagd durch die verwinkelte mittelalterliche Stadt: mit Autos und Motorrad durch enge Gassen. Danach folgt eine kleine Spoiler-Szene am Bahnhof: Beim Abschied, als sich die Zugtüren schließen, legt Madeleine ihre Hand auf ihren Bauch. Erinnert ihr euch an die Fotos der schwangeren Meghan Markle?! Und tatsächlich finden wir viel später im Film heraus, dass sie inzwischen Mama ist von einer blauäugigen Tochter und ja, James Bond ist der Papa – aber auch hier null Chemie zwischen dem kleinen Mädchen und ihm. Apropos Frauen: Am meisten Eindruck hat für mich Knives Out-Star Ana de Armas hinterlassen, die die kubanische Agentin Paloma spielt, die gerade einmal ein zweiwöchiges Training hinter sich hat. Ihr Einsatz dauert maximal zehn Minuten. Die haben es aber in sich. So naiv sie im ersten Moment erscheint, umso schlagfertiger erleben wir sie später – verbal und physisch. So mischt sie im hauchzarten, schwarzen Abendkleid die Verbrecher richtig auf. Mitten im Kampf gönnen sie und Bond sich sogar einen Drink – sehr lustig. Auf Kuba hat auch MI6-Agentin Nomi (Lashana Lynch) ihren ersten Auftritt. Ich kam erst mal nicht drauf, warum sie mir so bekannt vorkommt – erst viel später: Sie spielt Maria Rambeau in Captain Marvel, die beste Freundin von Carol Denvers. In London erfahren wir später, dass sie Bonds Dienstnummer geerbt hat, sie ist die neue 007. Mich überzeugt sie nicht, eine eher blasse Super-Agent*innen-Performance.

Spooky wird es beim Inhalt: Obwohl Keine Zeit zum Sterben bereits vor der Corona-Pandemie geplant und gedreht wird, ist die Bio-Waffe vom Bösewicht Safin (Oscar®-Preisträger Rami Malek) ein wenig prophetisch. Entwickelt in geheimen MI6-Laboren kann sie einzelne Menschen, ganze Familien bzw. ethnische Gruppen und sogar die gesamte Menschheit vernichten – übertragen wird sie über Luft oder Haut. Rami Malek gefällt mir übrigens sehr gut als perfider Schurke.

Den Film kann ich empfehlen: für den, der Bond-Fan ist, für Craig-Fans, für Action-Fans, für jeden Filmfan, der den Kinobesuch so vermisst hat und für Fans toller Landschaftsaufnahmen. Wir reisen ein bisschen um die Welt: Italien, Karibik, London, Norwegen, eine einsame Insel zwischen Russland und Japan. Warm geworden bin ich mit Daniel Craig immer noch nicht, er hat zwar den Körper eines Superagenten, but not the brain… Angeblich soll er der menschlichste Bond sein, das konnte ich durch seine Darstellung nicht erkennen, er wirkt eher roboterhaft.

Fazit: Für diesen Film braucht man echt Sitzfleisch: 163 Minuten – damit ist er länger als jeder Bond-Film zuvor – teilweise auch langatmig, das machen dann aber die Action-Szenen wieder weg. Anders als sein Martini wird man in Keine Zeit zum Sterben ordentlich durch-“geschüttelt“ und muss sich auf eine ordentliche Portion Emotionen einstellen.

FSK ab 12 (grün)Originaltitel:           No Time to Die
Produktionsland/-jahr: UK/US 2019 Laufzeit: 163 min Genre: Action, Abenteuer, Thriller Regie: Cary Joji Fukunaga Drehbuch: N. Purvis, R. Wade, C. Joji Fukunaga, P. Waller-Bridge Kamera: Linus Sandgren Kinostart: 30. September 2021
Home Entertainment: -

Verleih: Universal Pictures International Germany

 

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