DIE FABELHAFTE WELT DER AMÉLIE | Es sind die kleinen und einfachen Dinge im Leben

Der Film, der Audrey Tautou zum Weltstar machte und in Deutschland über 3,2 Millionen Kinozuschauer verzauberte. DIE FABELHAFTE WELT DER AMÉLIE genießt Kultstatus und bedarf eigentlich nicht vieler Worte, doch einige möchte ich Euch dann doch von Herzen mitteilen.

.INHALT.

Amelie (Audrey Tautou) hat ihre eigene fabelhafte Welt. Sie liebt die kleinen Dinge, die leisen Töne und die zarten Gesten. Sie hat ein Auge für Details, die jedem anderen entgehen und einen Blick für magische Momente, die flüchtiger sind als ein Wimpernschlag. Amelie hat den Kopf über den Wolken, und steht dennoch mit beiden Beinen auf der Erde. Ihr kleines Universum ist bevölkert von suizidgefährdeten Goldfischen, gescheiterten Genies, sehnsuchtskranken Hypochondern und anderen skurrilen Gestalten. Als sie eines Tages beschließt, als gute Fee in das Leben ihrer Mitmenschen zu treten, weiß sie genau, was sie zu tun hat: Sie schickt einen Gartenzwerg auf Weltreise, zaubert jahrzehntelang verschollene Liebesbriefe wieder herbei und wird zum Schutz- und Racheengel in einer Person. Nur wenn es um ihr eigenes Glück geht, steht Amelie sich selbst im Weg. Und als sie sich in den schüchternen Nico verliebt, weiß sie sich kaum noch einen Rat – bis ihr ein guter Geist auf die Sprünge hilft…

© Studiocanal/Arthaus

.KRITIK.

Man mag es kaum glauben, aber DIE FABELHAFTE WELT DER AMÉLIE blieb von mir lange unbeachtet. Das liegt zum einen daran, dass der Film 2001 erschien und ich mich nicht sonderlich für tiefgründige Beiträge aus dem Ausland interessiert habe. Ich war schlichtweg zu jung. Für mich zählten damals nur Action und Komödie. Aber die Zeiten ändern sich und mit ihr eben auch meine Sehgewohnheiten und Vorlieben. Nicht zuletzt auch, weil ich Filme ganz anders wahrnehme und verstehe. Und so empfand ich es nach über 20 Jahren durchaus auch angebracht, den von Kritikern und Zuschauern gleichermaßen gefeierten Film aus Frankreich eine Chance zu geben.

Nein, ich lebe nicht hinter dem Mond. Ich habe bis zu diesem Wochenende gewartet. Es erschien mir nun der richtige Zeitpunkt und was soll ich sagen. Filme sind bewegte Kunstwerke. Einmal sehe ich das. Doch gerade Die fabelhafte Welt der Amélie hat mich einen unfassbaren Bann gezogen. Es war ein besonderes, erstes Mal. Klingt komisch, ist aber so. Mir war schnell klar, warum dieser Film und vor allem Audrey Tautou salopp gesagt derart steil gingen und bis heute alles wegflexen. Es ist diese ganz besondere Reise aus dem Phantastischen, dem Ernsthaften und dem Träumerischen. Es sind Welten, für die wir heutzutage und auch schon damals kaum Zeit hatten. Alltag, Arbeit, Anstrengungen noch und nöcher – wir leben in schnelllebigen Zeiten. Die Welt hat ihre eigene Dynamik und wir sind oftmals nur Statisten. Wir nehmen uns zu wenig Zeit für das Wesentliche. Wir schauen uns zu wenig um, achten nicht mehr auf die Details – auf die kleinen Dinge im Leben. Die Figur der Amélie lehrt uns das, sie bringt uns ein Stück davon zurück. Sensibilisiert uns, bringt uns zum Lachen und zum Weinen. Sie ist der fleischgewordene Appell, aufzuwachen und das Leben nicht zu verschlafen. Die fabelhafte Welt der Amélie ist zauberhaft, eine in sich heile Welt und abgeschlossen. Doch gleichzeitig so offen und adaptierbar auf die Wirklichkeit. Die einzigartigen Bilder, die Kameramann Bruno Delbonnel einfängt sowie der wunderbare Soundtrack von Yann Tiersen, unterstreichen die vortreffliche Arbeit von Regisseur Jean-Pierre Jeunet, der noch einige Jahre zuvor mit dem vierten Teil der Alien-Saga Alien – Die Wiedergeburt die Fangemeinde in zwei Lager splittete. Er ist ein Künstler und hat eine Vision. Meist brauchen seine Visionen Jahre zum Reifen und einzig bei Alien – Die Widergeburt passte das nicht so ganz mit dem ursprünglichen Content zusammen.

Nun gut, Jeunet ist ein Mann, der sich viele Jahre Zeit für einen Stoff nimmt, um Charaktere zu entwickeln, Geschichten zu schreiben und sie schließlich auch auf die große Leinwand zu bringen. Seine Werke zeichnen sich durch starke Figuren und einzigartige Geschichten und Bilder aus. Vor allem Die fabelhafte Welt der Amélie zerrt davon. Von diesem unerschöpflichen Talent. Und wenn man dann noch eine talentierte Audrey Tautou in der Hauptrolle hat, deren charismatisch, schüchternes Lächeln die Massen zum Schmelzen bringt, dann kannst du eigentlich nur profitieren und gewinnen. Handwerklich, wie auch inhaltlich ist das ganz großes Kino und hat dem französischen Film einen unglaublichen Boost weltweit verliehen und darüber hinaus auch viele Filmemacher inspiriert, den Film als Medium auch mal ganz anders zu nutzen und zu erzählen.

.FAZIT.

Zwei Stunden von allem etwas: Humor, Liebe, Fantasy, Märchen und Drama. Die fabelhafte Welt der Amélie ist ein Meisterwerk und sucht nach wie vor seinesgleichen. Ich verstehe zweifellos, warum dieser Film so gefeiert und geliebt wird. Der Kultstatus kommt nicht von irgendwo und an diejenigen, die ihn auch noch nicht gesehen haben: holt das unbedingt nach.



OriginaltitelLe fabuleux destin d’Amélie Poulain
Produktionsland/-jahrFrankreich 2001
Laufzeit122 min
GenreKomödie, Liebesfilm
RegieJean-Pierre Jeunet
DrehbuchJean-Pierre Jeunet, Guillaume Laurant
KameraBruno Delbonnel
Kinostart16. August 2001
Home Entertainment1. Juli 2004
VerleihStudiocanal/Arthaus

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