AD INFINITUM | Wenn die Realität ein Albtraum ist, werden Albträume wahr

Gefangen zwischen den Mauern deines Elternhauses und den Schützengräben des Ersten Weltkriegs versuchst du in AD INFINITUM, deine Vergangenheit zu ergründen und die Kontrolle über dein Leben zurückzuerlangen...

.ZUM SPIEL.

Du erwachst in deinem Zimmer, unverändert wie in deiner Jugend, in einem heruntergekommenen und verlassenen Herrenhaus. Plötzlich und auf unerklärliche Weise wirst du in die Schützengräben versetzt, wo die Schrecken des Krieges von abscheulichen und noch schrecklicheren Kreaturen überschattet werden. Unfähig, zwischen Realität und Albtraum zu unterscheiden, musst du darum kämpfen, die Kontrolle über die Geschichte deines Lebens wiederzuerlangen.

.TEST.

AD INFINITUM ist ein Survival-Horror-Titel, in dem du einen deutschen Soldaten spielst, der von den Schrecken des Großen Krieges heimgesucht wird. Während sich dein Geist mit den Erinnerungen an dein Elternhaus und die Schützengräben an der Front abmüht, versuchst du, den endlosen Kreislauf des Leidens zu durchbrechen.

Und ich kann so viel vorweg verraten: das Spiel hat mich komplett zerstört. Ich bin immer gewählt auch, u.a. auch auf das Gameplay einzugehen, doch dieses Spiel lebt einzig und allein von seiner Erzählung. Dies ist für mich als gebürtiger Cineast doppelt spannend, denn auch hier ist Inszenierung alles. Ad Infinitum gibt Gas und lässt kein gutes Haar an dir. Die Schrecken des Krieges erfährst Du (der Spieler) aus erster Hand. Explosionen, Kanonenfeuer, Schüsse schlagen rechts und links neben dir ein… du weißt nicht, wo oben und unten ist. Die ständigen Erschütterungen rütteln an dir und Orientierung ist zu Beginn alles. Wer bin ich und was mach ich hier eigentlich? Diese Frage habe ich mir auch gestellt, bis sich nach und nach die Geschichte etwas preisgibt. Ergründen und überleben die zwei wichtigsten Eigenschaften, die du schnell verinnerlichen solltest. Denn die Schrecken des Krieges nicht nicht der einzige Schrecken, der dich heimsuchen wird. Du musst dich noch weitaus schlimmeren Kreaturen stellen. Innere Dämonen, die aus dir ausbrechen und dich erbarmungslos jagen. Jetzt einmal kurz durchatmen. Denn es wird noch schlimmer…

Während der Kriegsteil des Spiels eine fesselnde und erfrischende Herangehensweise an das Horrorgenre darstellt, leidet der Inhalt vor allem im „spukhaften Herrenhaus“. Dieser geht selten über das Niveau von Titel wie Layers of Fear hinaus. So ehrlich muss man sein. Doch hat mich das effektiv gestört? Nein! Ich bin ein Schön-Spieler. Optik, Erzählung und Inszenierung sind für mich das A und O. Läuft das Spiel dann auch noch flüssig, habe ich alle Zutaten für ein unterhaltsamen Abend voller Terror und Schrecken. Daher muss meine Review etwas separater betrachtet werden. Dennoch muss man auch ein wenig hinter die Fassade des Schreckens blicken.

Das Spiel behandelt viele Themen durch Sammelobjekte, wie das Krieg führen, wenn die Bevölkerung dagegen ist oder das moralische Dilemma des Einsatzes von Senfgas. Wirklich tiefgründig wird es aber selten, vielmehr wird Tiefe vorgespielt. Dabei ist das Potential absolut da, auf besagte Themen oder dem Auseinandersetzen mit den Dämonen der Vergangenheit sowie Gegenwart entsprechend zu reagieren. Schade! So verliert sich das Spiel in einer Reihe recht gewöhnlicher surrealer Sequenzen, die dem Inhalts-Spieler durchaus schwierig erscheinen, mir jedoch ein Lächeln ins Gesicht zauberten.

Der Krieg dient als beeindruckende Kulisse für den Horror, da er oft die schlimmste Seite der Menschheit zeigt. Interessanterweise gibt es jedoch im Verlauf des etwa fünf Stunden dauernden Spiels nur eine Handvoll menschlicher Charaktere, die mehr oder weniger unseren Weg kreuzen. Du wirst viele Leichen finden, aber lebendige Bedrohungen sind ausschließlich groteske Verschmelzungen, die bei jeder Begegnung zutiefst verstörend sind. Wo wir zu dem Aushängeschild schlechthin kommen: neben dem Setting ist das Design der Kreaturen phänomenal.

Ebenso ist das Sounddesign ein Genuss für die Sinne. In Momenten, in denen du das Niemandsland überqueren musst, setzt das Spiel auf eine beunruhigende Stille, die perfekt verdeutlicht, wie verstörend dieses Gebiet (wahrscheinlich) wirklich war. Auch die Musik bietet eine interessante Variante des klassischen Kriegsklangs und verwebt geschickt Horrorklänge und musikalische Elemente zu einem einzigartigen Sound. Die Umgebungen sind zwiespältig. Viele Bereiche sind hervorragend gestaltet und stecken voller Details und Charakter, aber ebenso viele weisen eine trübe, ausgewaschene Qualität auf, die zu wünschen übrig lässt. Ob dies gewollt oder eher ein Resultat der Ingame-Prioritäten darstellt, wer weiß das schon. Doch kritisieren würde ich den Umstand nicht, denn das Spiel bietet genug visuelle und akustische Abwechslung. Da verzeiht man hier und da diese Mängel.

Alles in allem ergibt sich ein Spiel, das zur Hälfte überzeugt. Wenn die einzigartige und fesselnde Idee des Krieges weiter ausgebaut worden wäre, hätte der Titel deutlich besser sein können.

.FAZIT.

Ad Infinitum ist ein waschechtes Horrorgame. Design, Optik und Atmosphäre findet man kaum in aktuellen Spielen gleichen Kalibers wieder. Hier wurde viel Wert auf die Inszenierung und Darstellung der vorherrschenden Problematik unserer Hauptfigur gelegt. Wenngleich es mitunter etwas an Tiefgang fehlt, so kann das Spiel überzeugen. Und so viel ist gewiss: Du wirst dich mehr als einmal ins Hemd machen!



GenreAction-Adventure
EntwicklerHekate / StrixLab
PublisherNacon
Veröffentlichung14. September 2023
PlattformPlayStation®5, Xbox Series X, PC (Steam)

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