Mit DIE UNWAHRSCHEINLICHE PILGERREISE DES HAROLD FRY verfilmt Regisseurin Hettie Macdonald eine ebenso berührende, wie universelle Geschichte über die Liebe. Basierend auf dem Debütroman von Rachel Joyce, die auch das Drehbuch verfasst hat, erzählt sie die Geschichte zweier Menschen, die sich selbst neu entdecken und sich wieder frisch ineinander verlieben.
.INHALT.
Als der zurückgezogen lebende Rentner Harold Fry (Jim Broadbent) sich zum Postamt aufmacht, um einer alten, todkranken, Freundin einen Brief zu schicken, hört er einfach nicht auf zu gehen – bis zu ihrem 450 Meilen entfernten Hospiz. Mit jedem Schritt befreit er sich von seiner Lustlosigkeit und entdeckt die Schönheit des Lebens und der Natur neu für sich, während seine zurückgelassene Frau Maureen (Penelope Wilton) die Welt nicht mehr versteht.
Bald ist klar: dies ist eine Reise, in der erst jeder der beiden zu sich selbst finden muss, bevor sie einander wiederfinden können.
.KRITIK.
Du lebst zurückgezogen mit deiner Frau irgendwo in England. Einen Sinn im Leben siehst du nicht mehr und zählst die Tage wie bunte Smarties. Einziger Hoffnungsschimmer auf ein Fünkchen Abwechslung: eine todkranke Brieffreundin. So traurig das auch klingen mag, aber für Harold ist das schon das aktuell spektakulärste in seinem Leben. Frau Maureen kann da auch nicht für den frischen Wind sorgen und so lebt der Rentner von Tag zu Tag. Doch eines Tages will er einen Brief für seine Freundin zur Post bringen, kein großer Marsch, doch Harold hört nicht auf zu laufen. Immer weiter, immer weiter entdeckt sich der ehemalige Brauereimanager neu und die Natur, die er durchstreift.
Regisseurin Hettie MacDonald setzt die Geschichte von Harold Frys 500 Meilen langem Fußmarsch von Devon bis zur schottischen Grenze gekonnt auf der großen Leinwand um. In diesem unaufgeregten, aber äußerst sehenswerten Film wird die Handlung durch den pensionierten Brauereimanager Harold (gespielt von Jim Broadbent) buchstäblich in die Wege geleitet. DIE UNWAHRSCHEINLICHE PILGERREISE DES HAROLD FRY basiert auf dem gleichnamigen Bestseller von Rachel Joyce, die hier auch das Drehbuch beisteuerte.
Während Harold seinen Weg nach Norden fortsetzt, erregt seine „Pilgerreise“ immer mehr aufsehen und findet sowohl in sozialen Medien als auch in den Schlagzeilen große Beachtung. Auf seiner Reise begegnet er verschiedenen Charakteren, darunter einer gut gemeinten slowakischen Frau, einer Frau auf einem Bauernhof, einem Fremden an einem Bahnhof, einem 18-jährigen, der Medikamente nimmt, einem streunenden Hund und einer kleinen Gruppe von Menschen, die sich seiner Pilgerreise anschließen möchten. Und während Harold durchs Land wandert, erfahren wir nach und nach, dass sein Leben und seine Beziehung zu Maureen nicht so langweilig ist, wie es scheint. Hinter der Fassade verbirgt sich eine schreckliche Tragödie und eine zerrüttete Beziehung.
Die Handlung mag fast schon einfach gestrickt sein, aber besitzt sie so viel Potential – auch für einen selbst. Sich und das Leben einfach mal zu hinterfragen und einen Perspektivwechsel vorzunehmen, werden hier grandios angestoßen. Sowohl Broadbent als auch Wilton liefern kraftvolle Leistungen ab, und im Verlauf des Films beginnen die Persönlichkeiten ihrer Charaktere zu entfalten und wir verstehen immer mehr die schwierige Grundsituation.
.FAZIT.
Bei Die unwahrscheinliche Reise des Harold Fry handelt es sich um einen sanften Roadmovie, der teilweise die Reise als Möglichkeit der Selbstfindung und Konfrontation mit eigenen emotionalen Problemen zeigt – besonders ansprechend für ältere Zuschauer, aber auch ich als früher Mid-Ager fand den Film sehr inspirieren und bejahend. Es ist ein gut gespieltes Drama mit einem Hauch von Wahrheit und einer gesunden Prise Humor.
| Originaltitel | The Unlikely Pilgrimage of Harold Fry |
| Produktionsland/-jahr | Großbritannien 2023 |
| Laufzeit | 108 min |
| Genre | Komödie, Drama |
| Regie | Hettie Macdonald |
| Drehbuch | Rachel Joyce |
| Kamera | Kate McCullough |
| Kino | 26. Oktober 2023 |
| Home Entertainment | 8. Februar 2024 |
| Verleih | Constantin Film |

