DIE KNOCHENFRAU | Die dunkle Seite der Mutterschaft

Mutter zu werden kann ganz schön beängstigend sein: Regisseurin Michelle Garza Cervera legt mit DIE KNOCHENFRAU ein verstörendes Spielfilmdebüt vor. Gleichsam packend wie vielschichtig, ergründet sie darin die tiefen Ängste, die mit dem Elternwerden einhergehen.

.INHALT.

Lange hat Valeria (Natalia Solián) zusammen mit Raúl (Alfonso Dosal) versucht, schwanger zu werden. Als es dann endlich klappt, bricht die Hölle los: Während Freunde und Familie Valeria mit Ratschlägen und Erwartungen zu Leibe rücken, plagen die werdende Mutter grausame Visionen. Die Huesera, eine „Knochenfrau“ aus der mexikanischen Mythologie, scheint sie zu verfolgen und ihr Stück für Stück näherzukommen…

©️ Pierrot le Fou

.KRITIK.

Ein Bodyhorror, wie man ihn nur selten sieht: DIE KNOCHENFRAU (OT: Huesera) ist ein mexikanisch-peruanischer Horrorfilm, der die dunkle Seite der Mutterschaft und ihre Auswirkungen auf eine junge Frau, die von einer unbekannten Entität verfolgt wird, erforscht.

Der Film nimmt einen einzigartigen Ansatz zu den Genres des Bodyhorrors und Haunted Houses und präsentiert sie in einem kunstvoll gestalteten Werk, das die Charaktere und ihre Beziehungen zum Leben erweckt. International konnte der Film von Regisseurin Michelle Garza Cervera viel Aufsehen erregen und Preise gewinnen. So gab es unter anderem zwei bedeutende Auszeichnungen beim Tribeca Film Festival.

Regisseurin Michelle Garza Cervera präsentiert sich bei der Inszenierung ihres Films als leidenschaftliche Farbvirtuosin. Jede Szene im Film ist wunderschön komponiert und beleuchtet. Auch die Filmmusik und das Sounddesign fallen positiv auf, weil sie maßgeblich zur Spannung und Intensität beitragen, sowie als guter Ausgleich zu den spanischen Punktracks daherkommen.

Der fesselndste Aspekt des Films ist die Charakterisierung von Valeria, einer Frau, die zwischen dem, was sie will, dem, was sie denkt, und dem, was die Gesellschaft für sie will, gefangen ist. Valeria ist eine Rebellin mit einer anti-autoritären Punkrock-Vergangenheit, und die Vorstellung, dass sie jetzt zuerst eine „Mama“ und dann eine Person ist, stört sie. Und durch diesen Disput wird sie angreifbar. Empfänglich für etwas Übernatürliches. Und bei all den Problemen, die sie bereits umgeben, ist die unbekannte Entität wohl ihr schwerwiegendstes.

.FAZIT.

Ein Horrorfilm, der nicht allein von der Spannung lebt. Getreu dem Motto „In der Ruhe liegt die Kraft“ nimmt der Film uns langsam mit auf eine tiefgründige Reise. So präsentiert er sich über weite Strecken als psychologische Erforschung einer Frau im vermeintlichen Mutterglück, die zwischen sozialem Kontext und Selbstverwirklichung steht und ganz nebenbei von einer Entität aus der mexikanischen Mythologie bedroht wird, die Valerias Schwachpunkt erkannt hat und diesen konsequent ausnutzt. Kein konventioneller Horrorfilm… zum Glück!



OriginaltitelHuesera
Produktionsland/-jahrMexiko, Peru 2022
Laufzeit97 min
GenreDrama, Horror
RegieMichelle Garza Cervera
DrehbuchMichelle Garza Cervera, Abia Castillo
KameraNur Rubio Sherwell
Kino
Home Entertainment25. April 2024
VerleihPierrot le Fou
Trailer bereitgestellt von KinoCheck Heimkino

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