Eine hochschwangere Frau, ihr vielbeschäftigter Mann und der Traum von einem Neuanfang im eigenen Haus. Ein hochinteressanter One-Shot-Horrorfilm von Thomas Sieben, der in HOME SWEET HOME – WO DAS BÖSE WOHNT ein hochkarätiges Schauspielensemble durch die Hölle schickt.
.INHALT.
Als die hochschwangere Maria (Nilam Farooq) abends allein zurück in das entlegene Landhaus ihres Schwiegervaters (Justus von Dohnányi) fährt, das sie mit ihrem Verlobten Viktor (David Kross) gerade erst bezogen hat, ahnt sie nicht, was dort im Verborgenen lauert: Erst scheint es ein ganz normaler Abend zu sein, doch während sie mit Viktor, der noch in der Kanzlei festhängt, telefoniert, gehen im Haus plötzlich alle Lichter aus. Als sie in den Keller hinuntergeht, um nach dem Sicherungskasten zu schauen, hört sie unheimliche Geräusche. Ein mysteriöses Atmen. Maria bemerkt nicht den geisterhaften Schatten, der hinter ihr in der Dunkelheit steht. Sie versucht, ruhig zu bleiben und der Sache auf den Grund zu gehen. Im weitläufigen Keller entdeckt Maria einen geheimen Raum, in dem sie auf ein schreckliches Familiengeheimnis stößt. Panisch will sie zurück in die Stadt fahren, doch als sie aus dem Haus rennt, ist ihr Autoschlüssel verschwunden. Im selben Moment setzen auch noch Marias Wehen ein. Und das ist erst der Anfang einer unheimlichen und dramatischen Nacht, in der Maria um ihr eigenes Leben und das ihres Kindes kämpfen muss …
.KRITIK.
HOME SWEET HOME – WO DAS BÖSE WOHNT beginnt mit Maria und Viktor, die in das abgelegene Landhaus ziehen. Maria ist hochschwanger, und die beiden hoffen auf einen Neuanfang. Doch schon bald spürt Maria, dass etwas nicht stimmt. Das Haus scheint ein Eigenleben zu führen: Türen öffnen und schließen sich von selbst, seltsame Geräusche sind zu hören, und die Atmosphäre wird immer bedrohlicher.
Regisseur Thomas Sieben setzt auf eine ungewöhnliche Erzählweise: Der gesamte Film ist in einer einzigen, scheinbar ungeschnittenen Einstellung gedreht. Dadurch entsteht eine beklemmende Intimität, die den Zuschauer direkt ins Geschehen zieht. Damit folgt Sieben seinem Kollegen Sebastian Schipper, der 2015 mit Victoria als Erster das Kunststück vollbrachte, einen Film über die Distanz von 140 Minuten in einer einzigen Kameraeinstellung zu erzählen. Auch wenn Sieben es mit seinem Film auf „nur“ 83 Minuten bringt, so ist es immer wieder erstaunlich, mit welcher Hingabe und Organisationstalent hier ein Film auf die Beine gestellt wurde. Die Kamera folgt Maria und Viktor (der größernteils nur über das Smartphone stattfindet) durch die Räume, während sich die Spannung langsam aufbaut.
Die schauspielerische Leistung von Nilam Farooq als Maria ist sehr überzeugend. Sie verkörpert die Verletzlichkeit und den zunehmenden Horror auf glaubwürdige Weise. David Kross als Viktor liefert ebenfalls eine solide Performance, obwohl sein Charakter etwas weniger Nuancen zeigt.
Was den Film besonders macht, ist der geschickte Verweis auf die deutsche Geschichte. Ohne zu viel zu verraten, sei gesagt, dass das Haus eine düstere Vergangenheit hat, die mit einem historischen Ereignis verknüpft ist. Diese subtile Verbindung verleiht dem Horrorfilm eine zusätzliche Ebene und macht ihn interessanter als viele Genrekollegen, die auf sonst so übliche Motive wie Flüche, Beschwörungen oder Altertümliches beruhen.
Allerdings muss man in gewisser Weise auch Kritik anbringen. Manche Dialoge wirken etwas hölzern und die Handlung verläuft an manchen Stellen etwas zu vorhersehbar ab. Auch die Auflösung des Geheimnisses könnte für einige Zuschauer ziemlich enttäuschend sein. Generell finde ich es immer wieder bemerkenswert, dass man einem deutschen Film, das „Deutsche“ in seiner gesamten Erscheinung ansieht und hört. Qualitativ wirkt er auf einige vielleicht etwas billig und eintönig, was mich aber tatsächlich hier gar nicht gestört hat. Ich finde diesen einfachen Aspekt sogar ziemlich förderlich, denn aufgrund des One-Shots, wirkt es so, als seinen wir stets dabei.
.FAZIT.
Home Sweet Home – Wo das Böse wohnt ist grundsolide und für deutsche Verhältnis im Bereich des Horrors sogar recht erfrischend. Die ungewöhnliche Inszenierung, die gelungene schauspielerische Leistung und der geschickte Verweis auf die deutsche Geschichte machen den Film sehr interessant und heben ihn von Genrevertretern deutlich ab. Wenn ihr also auf der Suche nach einem deutschen Horrorfilm seid, der sich von der Masse abhebt, solltet ihr durchaus einen Blick riskieren. Der Albtraum, den Maria im abgelegenen Landhaus erlebt, wird dich sicherlich fesseln. Aber ich betone: es ist ein vergleichsweise seichter Horror. Also erwartet nicht zu viel.
| Originaltitel | Home Sweet Home – Wo das Böse wohnt |
| Produktionsland/-jahr | Deutschland 2023 |
| Laufzeit | 83 min |
| Genre | Horror, Thriller |
| Regie | Thomas Sieben |
| Drehbuch | Thomas Sieben |
| Kamera | Daniel Gottschalk |
| Kino | 25. Januar 2024 |
| Home Entertainment | 20. Juni 2024 |
| Verleih | Constantin Film |

