1984 schuf Wim Wenders mit seinem außergewöhnlichen Roadmovie PARIS, TEXAS einen seiner erfolgreichsten Filme. Basierend auf einem Drehbuch von Sam Shepard, erzählt der Film in traumhaften Bildern des Kameramanns Robby Müller von menschlicher Einsamkeit und der ewigen Suche nach Zugehörigkeit.
.INHALT.
Dies ist die Geschichte von Travis (Harry Dean Stanton), einem Totgeglaubten, der eines Tages in der glühenden Hitze aus Mexiko nach Texas hinüberwandert. Scheinbar stumm und weitgehend ohne Gedächtnis ist Travis von dem Wunsch getrieben, seine junge Frau Jane (Nastassja Kinski) und seinen 7-jährigen Sohn Hunter (Hunter Carson) wiederzufinden. Aus L.A. kommt währenddessen sein Bruder Walt (Dean Stockwell) nach Texas geflogen, um den verlorenen Bruder zurückzuholen.
.KRITIK.
PARIS, TEXAS von Wim Wenders habe ich erst vor Kurzem gesehen. Grundsätzlich bin ich ein großer Fan von Wenders‘ Werken, doch selten schaffe ich es, weit über zwei Stunden in einen Film zu investieren. Doch wenn wir von erfolgreichen Filmen sprechen und dann auch noch über eine derartige Besetzung, mache ich gerne Ausnahmen. Schließlich geört Paris, Texas zu den wichtigsten Werken von Wim Wenders. Er markierte abermals sein Talent für Menschen und ihre Geschichten. Man darf daher auch offensiv von einem Meisterwerk sprechen, dass neben seiner Geschichte über eine beeindruckende Kameraarbeit verfügt – dazu gleich mehr.
Die Geschichte dreht sich um Travis Henderson, gespielt von Harry Dean Stanton, einen Mann, der nach vier Jahren Abwesenheit plötzlich aus der Wüste von Texas auftaucht. Travis ist ein gebrochener und schweigsamer Charakter, dessen Vergangenheit von Geheimnissen und Trauer geprägt ist. Sein Bruder Walt, dargestellt von Dean Stockwell, nimmt ihn auf und hilft ihm, sich wieder in die Gesellschaft zu integrieren und sich um seinen Sohn Hunter zu kümmern, den Travis verlassen hatte.
Eines der prägnantesten Merkmale von Paris, Texas ist die eindrucksvolle Kameraführung von Robby Müller. Die weiten, oft melancholischen Landschaftsaufnahmen vermitteln eine tiefe Einsamkeit und Isolation, die perfekt mit der inneren Welt von Travis harmonieren. Die Wüste von Texas wird dabei zu einem fast schon mythischen Ort, der sowohl Schönheit als auch Härte symbolisiert.
Die schauspielerischen Leistungen sind herausragend. Harry Dean Stanton gehört zweifelsohne zu den besten Darsteller des letzten Jahrhunderts. Er liefert eine seiner besten Performances ab, indem er die Zerrissenheit und das stille Leiden seines Charakters mit großer Feinfühligkeit darstellt. Nastassja Kinski als Jane, Travis‘ entfremdete Frau, bringt eine zerbrechliche und zugleich kraftvolle Präsenz in ihre Rolle ein, besonders in der unvergesslichen Szene im Peep-Show-Raum, wo die beiden ehemaligen Liebenden durch eine Glasscheibe getrennt miteinander sprechen, gehört zu den größten Szenen der Filmgeschichte.
Die Themen des Films – Entfremdung, Schuld, Vergebung und die Suche nach Identität und Zugehörigkeit – sind universell und zeitlos. Wenders gelingt es, diese komplexen Themen mit einer subtilen und poetischen Erzählweise zu behandeln, die den Zuschauer tief berührt und zum Nachdenken anregt.
.FAZIT.
Paris, Texas ist ein bewegender und visuell beeindruckender Film, der zu Recht als Klassiker gilt. Wim Wenders hat mit diesem Werk einen Film geschaffen, der durch seine emotionale Ehrlichkeit und seine künstlerische Integrität besticht und auch Jahrzehnte nach seiner Veröffentlichung nichts von seiner Kraft verloren hat.
| Originaltitel | Paris, Texas |
| Produktionsland/-jahr | Westdeutschland, USA, Frankreich, Großbritannien 1984 |
| Laufzeit | 145 min |
| Genre | Drama |
| Regie | Wim Wenders |
| Drehbuch | Sam Shepard |
| Kamera | Robby Müller |
| Kino | 11. Januar 1985 |
| Home Entertainment | 1. Oktober 1995 (VHS) |
| Verleih | STUDIOCANAL |

