PULP FICTION | Ein Meisterwerk mit Extra-Käse

Als PULP FICTION 1994 ins Kino kam, feierten Kritiker und Publikum Quentin Tarantinos brillante Hommage an Hollywoods Gangsterkino. Der siebenfach Oscar-nominierte Film gewann die Goldene Palme, einen Golden Globe, den Oscar für das „Beste Originaldrehbuch“ und zählt heute zu den 100 besten Filmen aller Zeiten. Mit ausgefeilten Dialogen, dem ironisch-witzigen Einsatz von Gewalt und einem grandiosen Soundtrack schaffte es Quentin Tarantino, das Kino des 20. Jahrhunderts neu zu definieren.

.INHALT.

24 Stunden in Los Angeles: Der ganz normale Gangsteralltag. Die Auftragskiller Vincent Vega (John Travolta) und Jules Winnfield (Samuel L. Jackson) müssen eine ungewollte Leiche beseitigen, das Pärchen Pumpkin (Tim Roth) und Honey Bunny (Amanda Plummer) rauben ein Restaurant aus und Boxer Butch (Bruce Willis) muss nach einem geplatzten Deal schnell die Stadt verlassen, sonst macht ihn Gangsterboss Marsellus (Ving Rhames) kalt.

In drei geschickt miteinander verwobenen Episoden wird die Geschichte von einem Dutzend Kriminellen erzählt, deren Wege sich wie zufällig kreuzen.

©️ Paramount Home Entertainment

.KRITIK.

Von der ersten knalligen Zeile bis zum blutigen, doch irgendwie poetischen Finale ist PULP FICTION ein Meisterwerk, das uns in Tarantinos wild verzweigte Hirnwindungen entführt. Es ist, als hätte jemand einen Noir-Roman, ein Exploitation-B-Movie und einen Godard-Film in einen Mixer geworfen und den Deckel vergessen.

Tarantino serviert uns eine Collage von Dialogen, die klingen, als hätten die Charaktere drei Jahre lang in einem Jazzclub philosophiert, während sie Zigarren rauchen und Vincent Vega beim Twist-Dance zuschauen. Ob es nun um die Existenz von Fußmassagen als Vorstufe zur romantischen Eskalation geht oder um den subtilen Unterschied zwischen einem Big Mac und einem „Royale mit Cheese“ – jede Szene ist ein Schlachtfeld aus Wörtern, das uns unbewaffnet zurücklässt, während die Figuren mit Kugeln und Messern die Bühne erobern.

John Travolta als Vincent Vega? Ein sardonischer Ritter mit schmierigen Haaren, der zwischen Heroin-Trips und tödlichen Missverständnissen stolpert. Samuel L. Jackson als Jules Winnfield? Er ist ein wandelndes Zitat-Maschinengewehr, dass die Bibel so lässig aus dem Ärmel schüttelt wie seine Pistole. Und Uma Thurman? Ihre Mia Wallace ist die Art von Femme Fatale, die dich umbringt – nicht mit einem Messer, sondern mit einer einzigen, tödlichen Augenbrauenhebung.

Die Handlung? Ach komm, wen interessiert schon die Handlung! Tarantino hat sie in Stücke geschnitten, wie ein Pate, der seinen Widersachern eine Botschaft hinterlässt. Es ist ein Puzzle aus Golduhren, Adrenalinspritzen und einem mysteriösen Koffer, dessen Inhalt nie enthüllt wird – denn was auch immer drin ist, es ist nicht so glänzend wie die Dialoge.

Und die Gewalt? Sie trifft dich wie ein Baseballschläger, aber immer mit einem Augenzwinkern. Köpfe explodieren, während im Hintergrund Surf-Rock den Beat vorgibt. Jede Schießerei fühlt sich an wie ein böser Witz, der von Tarantino mit chirurgischer Präzision geliefert wird.

Aber hinter all dem Chaos und den literarischen Schnörkeln versteckt sich eine Seele. Die Figuren stolpern durch moralische Grauzonen, taumeln zwischen Schuld, Erlösung und einer gesunden Portion Fatalismus. Selbst wenn sie uns zum Lachen bringen, spüren wir die Tragik in ihren Augen.

.FAZIT.

Am Ende ist Pulp Fiction mehr als ein Film. Es ist eine Explosion aus Popkultur, Nihilismus und rohem Talent, die das Kino für immer verändert hat. Tarantino hat uns kein Meisterwerk geliefert – er hat uns eine Bibel für Filmnerds gegeben, mit Jules Winnfield als Priester und Mia Wallace als Göttin.

In einem Wort? Badass.



OriginaltitelPulp Fiction
Produktionsland/-jahrUSA 1994
Laufzeit154 min
GenreKrimi, Drama, Schwarze Komödie
RegieQuentin Tarantino
DrehbuchQuentin Tarantino, Roger Avary
KameraAndrzej Sekula
Kino3. November 1994
Home Entertainment2. November 1995 (VHS)
VerleihParamount Home Entertainment
Quelle: Moviedinho

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