HORIZON | Eine ambitionierte Pferdekutsche mit Sand im Getriebe

Eine 15-jährige Chronik der Expansion und Besiedlung des amerikanischen Westens vor und nach dem Bürgerkrieg – eine Reise voller Gefahren und Intrigen, von den Kämpfen mit den Naturelementen über die Interaktion mit den Ureinwohnern, die das Land bewohnten, bis hin zu der Entschlossenheit und oft auch Rücksichtslosigkeit derjenigen, die es besiedeln wollten. Das ist das 1. Kapitel von Kevin Costners Western-Epos HORIZON.

.INHALT.

New Mexico im Jahre 1861: Der amerikanische Bürgerkrieg steht vor der Tür und die ersten Vorboten des Grauens erschüttern den Süden Nordamerikas. Weiße Pioniere unternehmen den Versuch, das Gebiet der Apachen zu besetzen, stoßen dabei aber auf gewaltsame Gegenwehr. Aber auch unter den Siedlern, die allesamt auf der Suche nach einem neuen Zuhause in der als Zufluchtsort versprochenen Stadt Horizon sind, wachsen die Konflikte. Als der Vater der berüchtigten Sykes-Brüder Caleb (Jamie Campbell Bower) und Junior (Jon Beavers) getötet wird, sinnen die beiden auf Rache. Ihr Weg kreuzt sich dabei auch mit dem stoischen Reiter Hayes Ellison (Kevin Costner)…

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.KRITIK.

Vor mehr als 30 Jahren schrieb der zweifache Oscar®-Preisträger Kevin Costner mit Der mit dem Wolf tanzt Filmgeschichte und definierte den Western neu. Mit HORIZON präsentiert Kevin Costner eine visuell beeindruckende und ambitionierte Rückkehr zum Western-Genre. Der Auftakt der geplanten vierteiligen Saga entführt das Publikum in die dramatische Ära des amerikanischen Westens und zeichnet ein facettenreiches Bild von Siedlern, indigenen Völkern und den Herausforderungen des Grenzlebens. Mit seiner epischen Inszenierung hat Costner ein Werk geschaffen, das vor allem durch seine ästhetische Pracht besticht.

Besonders hervorzuheben ist die Kameraarbeit von J. Michael Muro, die die ungezähmte Schönheit und Härte der westlichen Landschaft in atemberaubenden Bildern einfängt. Muro zeigt das berührte Unberührte, so wie wir die Großteile der nordamerikanischen „Hinterlands“ noch immer sehen. Diese visuellen Eindrücke werden durch John Debneys mitreißenden Score verstärkt, der perfekt die emotionale Tiefe und Größe des Films untermalt. Die klassische Western-Ästhetik wird dabei durch moderne Erzählansätze ergänzt, was dem Film eine zeitlose Qualität verleiht​.

Costners Fähigkeit, eine vielschichtige Geschichte zu erzählen, ist in vielen Momenten spürbar – aber nicht in Gänze ausgeprägt. Der Film gelingt darin, historische Ereignisse mit packenden persönlichen Dramen zu verweben, während er den Grundstein für die folgenden Kapitel der Saga legt. Dabei schafft es der Regisseur, sowohl die Härte des Lebens im Westen als auch die Hoffnungen und Ambitionen der Figuren eindringlich darzustellen. Besonders Sienna Miller und Luke Wilson glänzen mit nuancierten Leistungen, die den Zuschauer in die Konflikte und Herausforderungen der Protagonisten hineinziehen​

Obwohl der Film als Teil einer größeren Geschichte konzipiert ist, bietet er durchaus Momente und Handlungsstränge, um auch als einzelnes Werk zu überzeugen. ABER: Das Drehbuch, welches er gemeinsam mit Jon Baird und Mike Kasdan schrieb, offenbart auch, dass er zu sehr auf die Zukunft setzt, um wirklich narrative Höhepunkte zu liefern – was für Zuschauer, die eine in sich geschlossene Geschichte durchaus erwarten, frustrierend sein kann​.

Die imposante Eröffnungssequenz ist ein Höhepunkt, der den Ton für die epische Reise vorgibt und den Zuschauer sofort in den Bann zieht. Die Andeutungen auf zukünftige Entwicklungen der Saga sorgen zudem für Vorfreude auf die kommenden Kapitel​, wenngleich Costner inhaltlich und darstellerisch mehr liefern muss. So wirkt das erste Kapitel seiner „American Saga“ wie ein 180-minütiger Epilog.

.FAZIT.

Horizon ist beeindruckender Auftakt, der sowohl Fans klassischer Western als auch Liebhaber von ambitionierten Filmprojekten begeistern dürfte. Mit seiner großartigen Bildsprache, einer starken Besetzung und einer epischen Erzählweise bietet der Film eine faszinierende Rückkehr zu einem Genre, das Kevin Costner so erfolgreich geprägt hat. Doch muss Costner bei seinen Fortsetzungen mehr den Fokus auf Narration setzen. Ein starkes Ensemble, eine wundervolle Bildsprache und ein meisterhafter Score reichen bei 181 Minuten nicht aus, um in Gänze zu überzeugen.



OriginaltitelHorizon: An American Saga – Chapter 1
Produktionsland/-jahrUSA 2024
Laufzeit181 min
GenreWestern, Drama
RegieKevin Costner
DrehbuchJon Baird, Kevin Costner, Mark Kasdan
KameraJ. Michael Muro
Kino22. August 2024
Home Entertainment29. November 2024
VerleihTOBIS

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