CUCKOO | Du wirst den Film hassen… und trotzdem lieben

Nach seiner Festivalsensation „LUZ“ gelingt dem deutschen Regisseur Tilman Singer mit CUCKOO erneut ein atmosphärischer und visuell herausragender Horrortrip mit originellem Plot und perfiden Twists. In der Hauptrolle des auf 35mm gedrehten Genre-Highlights überzeugt „Euphoria“-Star Hunter Schafer neben einem ebenso brillanten wie furchteinflößenden Dan Stevens.

.INHALT.

Die 17-jährige Gretchen (Hunter Schafer) verlässt die USA, um bei ihrem Vater Luis (Marton Csókás) zu leben, der gerade mit seiner neuen Familie ein Resort in den deutschen Alpen bezieht. Dort angekommen werden sie von Herrn König (Dan Stevens), dem Chef ihres Vaters, begrüßt, der ein unerklärliches Interesse an Gretchens stummer Halbschwester Alma (Mila Lieu) hat. Gretchen wird in ihrem neuen zuhause von merkwürdigen Geräuschen und verstörenden Visionen geplagt, bis sie auf ein schockierendes Geheimnis stößt, das auch ihre eigene Familie betrifft.

©️ Weltkino Filmverleih

.KRITIK.

Erstmal durchatmen! Es hat ein paar Minuten gedauert. Tilman Singers zweiter Spielfilm ist kein leichter Happen, sondern ein surrealer, hypnotischer Albtraum, der zwischen genialem Wahnsinn und erzählerischer Verwirrung fleißig mit dem Bus pendelt. Eines steht aber definitiv fest: CUCKOO lässt niemanden kalt.

Die Handlung klingt anfangs noch relativ vertraut. Die 17-jährige Gretchen (gespielt von einer bemerkenswert intensiven Hunter Schafer) zieht mit ihrer Familie in ein abgelegenes Resort in den bayerischen Alpen. Doch statt gemeinsam mit Gretchen in der Idylle zu schwelgen, fällt es uns wie Schuppen von den Augen. Fangen nicht so immer Horrorfilme an? Cuckoo ist aber alles andere als klassisch. Schon nach wenigen Minuten wird klar, dass wir es hier mit einem Film zu tun haben, der sich nicht um Konventionen schert. Allein der Umstand, dass Singer hier auf 35mm gedreht hat, spricht für die Ambitionen des Filmemachers und sein Team. Apropos Team: Kameramann Paul Faltz hat hier ebenfalls ganze Arbeit geleistet. Er erschafft eine kalte, fast beklemmende Atmosphäre. Die Weiten der Alpen werden hier nicht als idyllisches Urlaubspanorama gezeigt, sondern als gnadenloser Käfig. Jeder Gang durch die langen Flure des Resorts, jede Szene, die im dunstigen Nebel der Berge spielt, trägt dazu bei, dass man sich als Zuschauer verloren fühlt – genau wie Gretchen selbst, die uns damit gleich deutlich sympathischer wird.

Hunter Schafer ist das Herzstück des Films. Ihre Darstellung von Gretchen ist roh, verletzlich und gleichzeitig unglaublich stark. Man spürt jede Emotion, jedes Zögern und jede aufkeimende Panik in ihrem Blick. Dan Stevens als der mysteriöse, charismatische Herr König liefert ebenfalls eine beeindruckende Performance ab, auch wenn seine Figur manchmal etwas zu undurchsichtig bleibt.

Erzählerisch spielt Cuckoo mit den Erwartungen des Publikums. Singer wirft uns immer wieder neue Puzzlestücke hin, aber das Gesamtbild bleibt bis zum Schluss undeutlich. Das ist Fluch und Segen zugleich: Einerseits bleibt der Film dadurch bis zur letzten Minute unberechenbar, andererseits fühlt man sich manchmal etwas verloren in all den kryptischen Andeutungen und surrealen Bildern. Kunst – schön und gut – aber oft ist weniger mehr. Hier verliert sich auch die Spur von denen, die den Film dafür feiern und denen, die komplett aufgegeben haben, hier überhaupt noch etwas zu verstehen. Singers Absichten sind mir auch nicht immer ganz eindeutig, aber kann ich den Hang zur Experimentierfreude und Lust am Film durchaus nachempfinden.

Ein weiterer Pluspunkt ist der stimmungsvolle Soundtrack. Die Musik von Simon Waskow ist nicht nur atmosphärisch, sondern regelrecht beklemmend. Sie treibt die Handlung voran und verleiht den verstörenden Szenen noch mehr Intensität. Natürlich ist Cuckoo nicht perfekt. Die zweite Hälfte des Films verliert sich stellenweise in seinen eigenen Ambitionen, und nicht jede Entscheidung wirkt vollends durchdacht. Doch genau das macht den Film auch so faszinierend: Er ist mutig, eigenwillig und kompromisslos.

.FAZIT.

Am Ende bleibt Cuckoo ein Film, der polarisiert. Einige werden die kryptische Erzählweise als Kunst feiern, andere als frustrierend empfinden. Doch eines kann man Tilman Singer nicht absprechen: Er hat einen Film geschaffen, der sich tief ins Gedächtnis brennt.

Cuckoo ist kein einfacher Film, aber ein Erlebnis. Wer Lust auf einen surrealen Horrortrip mit herausragenden Schauspielern und einer unvergleichlichen Atmosphäre hat, sollte sich diesen Film nicht entgehen lassen.



OriginaltitelCuckoo
Produktionsland/-jahrDeutschland, USA 2024
Laufzeit102 min
GenreHorror, Mystery, Thriller
RegieTilman Singer
DrehbuchTilman Singer
KameraPaul Faltz
Kino29. August 2024
Home Entertainment10. Januar 2025
VerleihWeltkino Filmverleih

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