Regisseurin Thea Hvistendahl setzt sich in ihrem poetisch-hypnotisierenden Debüt mit dem Schock auseinander, den das Ableben eines geliebten Menschen in uns auslöst. In wunderschönen Bildern fotografiert, ist HANDLING THE UNDEAD ein leises, bewegendes Horror-Drama, das lange nachhallt.
.INHALT.
An einem ungewöhnlich heißen Sommertag in Oslo erwachen auf mysteriöse Weise die Toten zum Leben und kehren apathisch zu ihren Familien zurück. Für die trauernden Angehörigen ein unverhofftes Geschenk: den schmerzhaften Verlust hinter sich zu lassen und ihre Liebsten wieder bei sich zu haben. Doch die anfängliche Freude über die Rückkehr der Verstorbenen verwandelt sich schon bald in einen Albtraum. Denn die Untoten sind nicht dieselben, die sie einst waren und ersetzen nicht das, was verloren ging.
.KRITIK.
Mit HANDLING THE UNDEAD präsentiert Regisseurin Thea Hvistendahl eine erfrischend neue Interpretation des Zombie-Genres. Statt auf blutige Auseinandersetzungen und Apokalypse zu setzen, erzählt der Film eine intime Geschichte über Verlust, Trauer und die Sehnsucht nach Wiedervereinigung.
An einem ungewöhnlich heißen Sommertag in Oslo geschieht es: Elektronische Geräte spielen verrückt, und schließlich kommt es zu einem kompletten Stromausfall. Als die Stadt wieder zum Leben erwacht, tun dies unerwartet auch die kürzlich Verstorbenen. Doch anstatt als bedrohliche Kreaturen zurückzukehren, erscheinen sie als stille, fast apathische Wesen, die ihre Angehörigen vor emotionale Herausforderungen stellen.
Hvistendahl legt den Fokus auf die persönlichen Geschichten der Hinterbliebenen. Da ist Anna, die den Verlust ihres Sohnes nie überwunden hat und nun mit seiner Rückkehr konfrontiert wird. Ihre Darstellung einer Mutter zwischen Hoffnung und Verzweiflung ist herzzerreißend und authentisch. Ebenso berührend ist die Geschichte von Tora, die ihre langjährige Partnerin Elisabet zurückerhält und sich mit Fragen der Liebe und Identität auseinandersetzen muss. David hingegen steht vor der Herausforderung, seine wiederbelebte Ehefrau Eva in den Familienalltag zu integrieren, während er selbst mit seinen Gefühlen ringt.
Visuell überzeugt der Film durch seine melancholische Atmosphäre. Die kühlen, graudominierten Bilder spiegeln die emotionale Kälte und Unsicherheit der Charaktere wider. Die Kameraarbeit ist subtil und einfühlsam, fängt die Intimität der Momente ein und lässt Raum für die stille Dramatik der Situationen. Der reduzierte, aber eindringliche Soundtrack von Peter Raeburn unterstreicht die emotionale Tiefe des Films und verstärkt die Atmosphäre der Ungewissheit.
Handling The Undead ist kein typischer Horrorfilm. Er verzichtet weitgehend auf Schockeffekte und konzentriert sich stattdessen auf die psychologischen und emotionalen Aspekte des Übernatürlichen. Der Film stellt tiefgründige Fragen über das Loslassen, die Akzeptanz des Unvermeidlichen und die menschliche Fähigkeit, mit dem Unbekannten umzugehen. Diese Herangehensweise mag für Fans traditioneller Zombiefilme ungewohnt sein, bietet jedoch eine erfrischende Perspektive auf ein oft ausgeschöpftes Genre. Auch ich hatte ab und zu Schwierigkeiten, mich auf diese Art von „Zombiefilm“ einzulassen. Mich überraschte die Prämisse des Films mehr, als ich anfangs erwartet hatte. Doch ist es schön zu sehen, welches Potential hinter der Auferstehung der Untoten steckt.
Wenn man von Kritik sprechen kann, dann dürfte es wohl das gemächliche Erzähltempo sein, dass von einigen Zuschauern durchaus als zu langatmig empfunden werden könnte. Damit musste ich hin und wieder auch ringen. Doch mit der Zeit wird klar, dass diese Ruhe dabei hilft, die komplexen Emotionen der Charaktere authentisch darzustellen und dem Publikum Raum für Reflexion zu geben.



.FAZIT.
Handling The Undead ist ein mutiger und einfühlsamer Film, der das Zombie-Genre auf eine neue, tiefgründige Ebene hebt. Thea Hvistendahl gelingt es, eine Geschichte zu erzählen, die sowohl berührt als auch zum Nachdenken anregt, und dabei die Grenzen des Horrors neu definiert. Größter Wermutstropfen dürfte das auch für meinen Geschmack zu langsame Erzähltempo sein, was den sonst positiven Gesamteindruck etwas schmälert.
| Originaltitel | Håndtering av udøde |
| Produktionsland/-jahr | Norwegen, Dänemark, Schweden, Griechenland 2024 |
| Laufzeit | 97 min |
| Genre | Drama, Horror, Mystery |
| Regie | Thea Hvistendahl |
| Drehbuch | Thea Hvistendahl, John Ajvide Lindqvist |
| Kamera | Pål Ulvik Rokseth |
| Kino | – |
| Home Entertainment | 20. März 2025 |
| Verleih | Pierrot Le Fou |

