EMILIA PÉREZ | Ein filmisches Wagnis

EMILIA PÉREZ – ein Film, der ebenso kühn wie widersprüchlich ist. Jacques Audiard wagt sich hier auf unbekanntes Terrain und mixt Narco-Thriller, Musical und Identitätsdrama zu einem cineastischen Cocktail, der manchmal schäumt, manchmal schwankt – aber selten langweilt.

.INHALT.

Die Anwältin Rita (Zoe Saldaña) ist ein kleines Licht in einer großen Firma: überqualifiziert, aber unterrepräsentiert. Ihrer Intelligenz verdanken Drogendealer, Mörder und Kartellbosse die Freiheit. Im Blitzlichtgewitter sonnt sich hinterher ihr stets korrumpierbarer Chef. Eines Tages bietet sich ihr ein Ausweg: Kartellboss Manitas del Monte (Karla Sofía Gascón) will mit ihrer Hilfe aus der Mafia-Welt aussteigen. Rita soll den Schlussstrich unter sein zweifelhaftes Lebenswerk ziehen, ein neues Leben für seine Frau Jessi (Selena Gomez) und die Kinder organisieren und einen Plan umsetzen, den er seit Jahren im Verborgenen vorbereitet hat: sich voll und ganz in die Frau zu verwandeln, die er tief im Inneren schon immer war:
Emilia Pérez. Doch Manitas‘ Vergangenheit ist eine Geschichte, die nur ihren eigenen Regeln gehorcht, die wiederkehrt und sich mit aller Gewalt rächen wird.

©️ Neue Visionen Filmverleih

.KRITIK.

Jacques Audiards EMILIA PÉREZ ist ein filmisches Wagnis, das sich mutig zwischen Musical, Thriller und Sozialdrama bewegt. Die Geschichte eines mexikanischen Drogenbosses, der sein Geschlecht angleichen lässt und als Frau ein neues Leben beginnt, ist ebenso ungewöhnlich wie faszinierend. Audiard gelingt es, diese komplexe Transformation mit einer Mischung aus Pathos und Theatralik zu inszenieren.

Die Hauptdarstellerin Karla Sofía Gascón überzeugt in ihrer Rolle und wurde dafür mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Europäischen Filmpreis als beste Schauspielerin. Ihre Darstellung verleiht der Figur der Emilia Pérez Tiefe und Authentizität, was den Film maßgeblich trägt.

Allerdings bleibt der Film nicht ohne Kritik. Die Darstellung mexikanischer Kultur und der Umgang mit sensiblen Themen wie Gewalt und Transidentität wurden von verschiedenen Seiten als problematisch empfunden. Zudem sorgten frühere kontroverse Äußerungen von Gascón für Diskussionen, was die Rezeption des Films stark beeinflusste. Aber auch so wirkt der Film vielerorts „overhyped“. Die anfängliche Begeisterung für diesen Film konnte ich bei meiner Sichtung nicht teilen. Aber während die Minuten verstrichen und ich gänzlich in hypnotischen Performance von Zoe Saldaña und Selena Gomez versank, habe ich es durchaus verstanden. Die Intention, die Leidenschaft und das virtuose Handwerk von Audiard. Es ist eben dieser schmale Grat – entweder gefällt es oder eben nicht.

Aber trotz schwerem Standpunkt und der diversen Kontroversen ist Emilia Pérez ein außergewöhnlicher Film, der durch seine künstlerische Ambition und emotionale Kraft besticht. Audiard zeigt, dass Kino ein Mittel gegen Ausgrenzung sein kann und wagt sich in neue erzählerische Territorien vor.

Kaum ein anderer Film hat die letzten Monate für so viele Schlagzeilen gesorgt. Meine Gefühle sind gemischt – irgendwo zwischen Gut und Böse. Ich bin mir nicht ganz sicher, was ich unterm Strich von dem Film, über den die ganze Welt noch heute spricht, halten soll. Aber genau das war doch gewünscht. Aufmerksamkeit, auch für die wichtigen Botschaften des Films. Das er nicht alles richtig macht und vielleicht ein bisschen zu viel Aufmerksamkeit erhalten hat, sei mal dahingestellt.

.FAZIT.

Wer oder was ist also der Film Emilia Pérez? Durchaus ein mutiger, oft bewegender Film, der mehr will als bloß unterhalten – und dabei nicht immer alles richtig macht. Manche Szenen wirken überzeichnet, manche Töne treffen nicht ganz den richtigen Nerv, besonders wenn es um sensible gesellschaftliche Themen geht. Doch genau diese Gratwanderung zwischen Überzeichnung und Aufrichtigkeit macht Emilia Pérez auch so spannend: ein Werk voller Ambitionen, Ecken und echter Überraschungen – positiv, wie auch negativ.



OriginaltitelEmilia Pérez
Produktionsland/-jahrMexiko, Belgien, Frankreich USA 2024
Laufzeit132 min
GenreKomödie
RegieJacques Audiard
DrehbuchJacques Audiard, Thomas Bidegain, Léa Mysius
KameraPaul Guilhaume
Kino28. November 2024
Home Entertainment17. April 2025
VerleihNeue Visionen Filmverleih

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