[STAFFEL 1-2] TULSA KING | Vom Paten zum Pionier

TULSA KING ist ein Serienjuwel, das mit seiner Mischung aus klassischem Gangsterdrama und modernem Western-Feeling überrascht und begeistert. Sylvester Stallone, der als Dwight „The General“ Manfredi brilliert, liefert eine Performance ab, die sowohl seine ikonische Präsenz als auch eine unerwartete Tiefe zeigt.

.INHALT.

Staffel 1

Nach 25 Jahren Haft wird Mafia-Capo Dwight Manfredi (Sylvester Stallone) von seiner Familie nach Tulsa, Oklahoma, verbannt. Dort beginnt er, ein neues kriminelles Imperium aufzubauen, unterstützt von ungewöhnlichen Verbündeten wie dem Cannabis-Shop-Besitzer Bodhi (Martin Starr) und dem ehemaligen Taxifahrer Tyson (Jay Will). Gleichzeitig entwickelt er eine komplizierte Beziehung zur ATF-Agentin Stacy Beale (Andrea Savage), ohne zu wissen, dass sie gegen ihn ermittelt und alles versucht, ihn zurück ins Gefängnis zu bringen. ​

Staffel 2

Wieder auf freiem Fuß, sieht sich Dwight neuen Bedrohungen gegenüber: rivalisierende Gangs, interne Machtkämpfe innerhalb der Mafia und persönliche Herausforderungen. Die Invernizzi-Familie, angeführt von Charles „Chickie“ Invernizzi (Domenick Lombardozzi), stellt seine Loyalität auf die Probe. Gleichzeitig muss er sich mit seiner entfremdeten Tochter Tina (Tatiana Zappardino) auseinandersetzen und sein Imperium gegen äußere Feinde verteidigen.​

©️ Paramount Home Entertainment

.KRITIK.

TULSA KING ist wie ein kräftiger Whiskey – rau, ehrlich und mit einem intensiven Nachgeschmack gesegnet. Die Serie traut sich, Grenzen zu verschieben und erzählt ein klassisches Mafia-Narrativ auf eine so unkonventionelle Weise, dass man sich manchmal fragt, ob man gerade ein Gangsterdrama oder eine sarkastische Westernkomödie schaut – und das ist als Kompliment zu verstehen. Was Showrunner Terence Winter hier gemeinsam mit Taylor Sheridan abliefert, ist mehr als nur stilistische Spielerei: Es ist ein echtes Serienerlebnis, dass dir bei alle der Tragik, Humor und schonungsloser Brutalität ein Grinsen ins Gesicht zaubert.

Sylvester Stallone wirkt wie geschaffen für die Rolle des Dwight „The General“ Manfredi – und das ist mehr als bloß ein Alterswerk für den Actionveteranen. In Tulsa King spielt er nicht nur, er lebt die Figur. Sein Dwight ist eine faszinierende Mischung aus altmodischer Ehre, brutaler Direktheit und lakonischem Humor. Stallone gibt der Figur Tiefe, Charme und eine gewisse Melancholie – man spürt förmlich die Jahrzehnte hinter Gittern, aber auch die Sehnsucht, noch einmal neu anzufangen, koste es, was es wolle.

Die ersten Episoden tragen noch stark das Western-Feeling in sich – ein Mann, allein, „fremd in einer Stadt“, die auf seine Art von „Ordnung“ nicht vorbereitet ist. Doch je weiter die Serie voranschreitet, desto mehr entfaltet sie ihre Vielschichtigkeit. Tulsa wird zum faszinierenden Mikrokosmos, in dem moderne Moral auf Mafia-Logik trifft; in dem Freundschaft, Loyalität und Rache zu einem explosiven Gemisch wird.

Charakterentwicklung wird bei Tulsa King ganz groß geschrieben. Selbst die noch so kleinste Nebenfigur bekommt Platz zur Entfaltung – und das über zwei Staffeln hinweg mit allem Drum und Dran. Bodhi (Martin Starr), der dauerironische Tech-Nerd mit Hanf-Ambitionen, ist ein absoluter Szenenräuber. Tyson (Jay Will) entwickelt sich vom etwas naiven Fahrer zu einem loyalen Begleiter mit Ecken und Kanten. Und auch Stacy Beale (Andrea Savage) überzeugt mit ambivalenter Haltung zwischen Dienstpflicht und persönlichen Gefühlen. Diese Konstellationen erzeugen eine Dynamik, die ständig zwischen Kumpanei und Konflikt pendelt – das macht süchtig.

Die 2. Staffel legt dann eine Schippe drauf: mehr Tempo, mehr Intrigen, mehr emotionale Wucht. Dwight bekommt es nicht nur mit kriminellen Gegnern, sondern auch mit seiner Vergangenheit und seinen eigenen Dämonen zu tun. Die Konflikte wirken persönlicher, die Entscheidungen schwerwiegender. Besonders die Auseinandersetzungen mit Chickie Invernizzi (Domenick Lombardozzi) gewinnen an Schärfe. Hier zeigt die Serie, dass sie mehr ist als ein spaßiger Ritt – sie kann fest zu beißen.

Visuell bleibt Tulsa King stets kraftvoll und stilisiert, aber nie überladen. Die Kamera fängt die Weite Oklahomas ebenso ein wie die Enge einer Gefängniszelle oder das brodelnde Innenleben eines Charakters. Die Musik trifft stets den richtigen Ton – mal düster und bedrohlich, mal ironisch auf die Spitze getrieben. Und das alles, ohne sich jemals selbst zu ernst zu nehmen.

Tulsa King gelingt das Kunststück, zwei scheinbar widersprüchliche Elemente miteinander zu vereinen: rohe Gewalt und herzerwärmende Menschlichkeit, brutale Realität und bissige Satire. Es ist diese Spannung zwischen Retro-Vibes und modernem Storytelling, die die Serie so faszinierend macht. In einer Zeit, in der viele Formate austauschbar wirken, hat Tulsa King etwas, das man selten sieht: echten Charakter.

Und das Beste? Die Serie ist sich selbst gegenüber nie ganz ernst – und gerade das macht sie so verdammt ernst zu nehmen.

.FAZIT.

Tulsa King ist eine erfrischende Ergänzung zum klassischen Gangster-Genre, die sowohl Fans klassischer Mafia-Geschichten als auch Zuschauer, die nach etwas Neuem suchen, anspricht. Die Serie zeigt, dass es möglich ist, altbekannte Themen in einem neuen Licht zu präsentieren und dabei sowohl zu unterhalten als auch zu überraschen.



OriginaltitelTulsa King
Produktionsland/-jahrUSA 2022-2024
Laufzeit | Folgen780 Minuten (⌀ 41 Minuten pro Episode) | 19 Episoden in 2 Staffeln
GenreKrimi, Drama
RegieCraig Zisk, Allen Coulter, Guy Ferland uvm.
Drehbuch/IdeeTaylor Sheridan, Terence Winter uvm.
KameraJohn Lindley, Cameron Duncan, Jalaludin Trautmann uvm.
Dt. Erstausstrahlung19. März 2023 auf Paramount+
Home Entertainment27. Juli 2024 (Staffel 1) / 27. März 2025 (Staffel 2)
VerleihParamount Home Entertainment

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