LOLA RENNT | Ein Sprint für die Ewigkeit

LOLA RENNT – eine Geschichte, so alt und so ewig neu wie das Leben selbst. Der Herzschlag einer Metropole, der im pulsierend pop-orientierten Soundtrack widerhallt. Bilder voller Kraft und Dynamik: Ein Film, der das aufregende Lebensgefühl der Spätneunziger porträtiert. Konsequent, aktuell, atemlos – und größer als das Leben.

.INHALT.

Berlin. Jetzt. Lola (Franka Potente) und Manni (Moritz Bleibtreu) sind Anfang zwanzig und ein Liebespaar. Manni hat sich in letzter Zeit in halbkriminelle Geschichten eingelassen und jobbt als Geldkurier für einen Autoschieber. Doch heute läuft alles schief: Er hat die Geldübergabe komplett vermasselt, weil er auf der Flucht vor Fahrscheinkontrolleuren die Plastiktüte mit dem Geld in der U-Bahn liegengelassen hat. 100.000 Mark! In 20 Minuten will sein Boss das Geld abholen. Manni ist verzweifelt. Er weiß nicht, was er tun soll, und ruft Lola an: 20 Minuten, um 100.000 Mark zu besorgen. Da kommt ihr eine Idee und LOLA RENNT…

©️ X Verleih

.KRITIK.

Wenn ich an LOLA RENNT denke, sehe ich nicht nur eine Frau mit feuerroten Haaren durch Berlin hetzen – ich spüre den Puls der Stadt – meiner Stadt -, das Rattern der Zeit und die fiebrige Energie eines Films, der alles andere als gewöhnlich ist – und seiner Zeit weit voraus war.

Tom Tykwers Kultfilm von 1998 ist ein cineastischer Adrenalinschub, der mich von der ersten Sekunde an mitgerissen hat. Auch wenn ich ihn erst Jahre nach seiner Veröffentlichung vollends zu würdigen wusste. Die Prämisse ist simpel: Lola hat 20 Minuten, um 100.000 Mark aufzutreiben und so das Leben ihres Freundes Manni zu retten. Doch was daraus entsteht, ist ein visuelles und akustisches Feuerwerk, das weit über eine gewöhnliche Thriller-Handlung hinausgeht.

Der Film erzählt die gleiche Geschichte dreimal, jedes Mal mit kleinen Variationen, die zu völlig unterschiedlichen Ausgängen führen. Diese Struktur erinnert an den Schmetterlingseffekt – wie winzige Entscheidungen den Lauf des Lebens verändern können. Dabei wird nicht nur Lolas Schicksal beeinflusst, sondern auch das der Menschen, denen sie begegnet. In rasanten Fotomontagen sehen wir, wie ein kurzer Moment das Leben eines Passanten komplett umkrempeln kann.

Franka Potente verkörpert Lola mit einer Intensität, die ihresgleichen sucht. Ihre physische Präsenz, die Entschlossenheit in ihrem Blick und die unermüdliche Energie machen sie zur perfekten Heldin dieses urbanen Märchens. Moritz Bleibtreu als Manni ergänzt sie hervorragend, und gemeinsam schaffen sie es, eine glaubwürdige und berührende Liebesgeschichte zu erzählen, die im Zentrum des Films steht.

Visuell ist Lola rennt – in meinen Augen – ein Meisterwerk. Die Kameraarbeit von Frank Griebe ist dynamisch und innovativ, nutzt Zeitlupen, Zeitraffer, Splitscreens und sogar animierte Sequenzen, um die Geschichte zu erzählen. Der Schnitt ist präzise und trägt maßgeblich zur atemlosen Spannung bei. Der treibende Techno-Soundtrack, bei dem Tykwer selbst mitgewirkt hat, verstärkt das Gefühl eines unaufhaltsamen Laufs gegen die Zeit.

Was Lola rennt jedoch besonders macht, ist seine Fähigkeit, tiefgründige Themen wie Schicksal, Zufall und die Konsequenzen unserer Entscheidungen auf eine zugängliche und unterhaltsame Weise zu behandeln.

.FAZIT.

Auch nach über zwei Jahrzehnten hat Lola rennt nichts von seiner Frische und Relevanz verloren. Er ist ein Beweis dafür, dass das deutsche Kino innovativ, mutig und international konkurrenzfähig sein kann. Ein Film, der nicht nur unterhält, sondern inspiriert – ein echter Klassiker, den man gesehen haben muss.



OriginaltitelLola rennt
Produktionsland/-jahrDeutschland 1998
Laufzeit81 min
GenreAction, Thriller, Krimi
RegieTom Tykwer
DrehbuchTom Tykwer
KameraFrank Griebe
Kino20. August 1998
Home Entertainment22. April 2003 (DVD)
VerleihX Verleih

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