[STAFFEL 1] IRONHEART? Eher Eisenmangel!

Eine brillante Studentin baut einen „Iron Man“-ähnlichen Anzug (Betonung liegt auf „Iron Man-ähnlich“) und verstrickt sich aufgrund ihrer grenzenlosen Grandiosität in einen gefährlichen Machtkampf aus Technologie und dunkler Magie. Mit IRONHEART unternimmt Marvel den Versuch ein junges Pendant zu Tony Starks legendären Helden zu finden, verliert sich dabei aber in gähnender Langeweile.

.INHALT.

Die brillante Nachwuchserfinderin Riri Williams (Dominique Thorne) kehrt nach den Ereignissen in Black Panther: Wakanda Forever in ihre Heimatstadt Chicago zurück, baut einen hochentwickelten Anzug im Stile von Iron Man und gerät in Konflikt mit dem mysteriösen Parker Robbins alias The Hood (Anthony Ramos). Moralische Grauzonen zeichnen ihren Weg und sie muss sich am Ende entscheiden, wer oder was sie sein will.

.KRITIK.

LEICHTE SPOILERWARNUNG! Ich nehme nur Bezug auf eine Charaktereinführung. Ihr seid hiermit gewarnt worden!

Ich bin wirklich mit einem offenen Mindset an IRONHEART herangegangen – immerhin hat Marvel mit Thunderbolts* (aka The New Avengers) bewiesen, dass die Superheldentraumfabrik noch nicht ganz tot ist. Doch während man im Kino endlich wieder mal Akzente setzen konnte und mit The Fantastic Four: First Steps ein weiterer Hoffnungsschimmer am Horizont bereits zu sehen ist, schafft es Marvel im Serienbereich leider nicht an die kleinen Erfolge anzuknüpfen. Ironheart ist von A bis Z – mit einer kleinen Ausnahme bei M – ein Totalausfall. Die Serie wirkt trotz aller Ambitionen erschreckend unausgereift, langweilig und verschenkt dabei fast fahrlässig ihr eigentlich starkes Fundament. Und ich hätte dabei selbst nie gedacht, dass mich eine Marvel-Produktion als großer Marvel-Fan mal so enttäuschen würde.

Riri Williams hätte die Chance gehabt, eine neue Generation von Marvel-Heldinnen anzuführen. Ein paar junge Damen und Herren haben wir ja bereits schon kennenlernen dürfen, wie u.a. Ms. Marvel oder Kate Bishop. Stattdessen bleibt sie über weite Strecken blass – und das liegt weniger an Dominique Thornes Darstellung, sondern vielmehr an der wirren, oft kraftlosen Inszenierung und einem Drehbuch, das nie so recht weiß, ob es lieber High-Tech-Coming-of-Age oder metaphysisches Superheldendrama sein will. Dass die Figur in Black Panther: Wakanda Forever bereits eingeführt wurde, hätte ein Vorteil sein können. Stattdessen wirkt es hier, als würde man wieder bei null anfangen – ohne emotionalen Tiefgang, ohne greifbare Fallhöhe, ohne starke Charakterzeichnung. So sind bereits die ersten drei Folgen die reinste „Schnarchveranstaltung“ und auch danach wird es nur bedingt besser. Während Riri selbstgefällig und von sich gänzlich überzeugt („Ich bin so einzigartig“) durch die Weltgeschichte fluktuiert, gibt es immerhin ein bisschen Licht am Ende des Tunnels.

Mit Sacha Baron Cohen als Mephisto setzt Marvel den ganzen Spekulationen seit WandaVision ein Ende. Aus dem Phantom ist nun ein ernstzunehmender Gegenspieler und Strippenzieher geworden. Seine Performance ist schräg, unheimlich und überraschend pointiert. Er verleiht dem Marvel-Kosmos einen dringend nötigen Hauch von Wahnsinn und Chaos, den man zuletzt schmerzlich vermisst hat. Leider wirkt er wie ein Fremdkörper in einer ansonsten erzählerisch konfusen Welt. Sein Erscheinen ist zwar ein kurzes Aufhorchen wert, aber selbst er kann das Ruder nicht mehr herumreißen. Die goldene Frage dürfte hier sein, ob Marvel ihn nur als belanglosen Sidekick behandelt oder basierend auf einer Vielzahl von spannenden Comicerzählungen, ihn mehr Spielraum im weiteren Marvel Cinematic Universe einräumt. Letzteres wäre nur zu hoffen.

Visuell schwankt die Serie zwischen „okay“ und „ernüchternd generisch“. Viele CGI-Szenen wirken unfertig oder zu clean, um glaubhaft zu sein. Und dann ist da noch das große Problem: der Ton. Ironheart will zu viel auf einmal – jugendliche Ermächtigung, techno-magische Weltrettung, Black Girl Magic, Verschwörungsthriller – doch nichts davon wird wirklich konsequent erzählt. Es fehlt die emotionale Verankerung. Es fehlt der Mut zur echten Identität. Somit tue ich mich unglaublich schwer, hier von „sie tritt in die Fußstapfen von Tony Stark“ zu reden. In keiner Minute der Serie wird auch nur ansatzweise ein würdiges Erbe für Iron Man gefunden.

Was bleibt, ist das Gefühl, dass Ironheart eine gigantische Chance vertan hat. Die Serie hätte das Marvel-Universum nicht nur bereichern, sondern in eine neue kreative Richtung lenken können. Stattdessen verliert sie sich in formelhaften Mustern, einem seltsam leerem World Building und schwachen Nebenfiguren. Selbst Riris Erfindergeist – eigentlich ihre Superkraft – wird zu oft von belanglosen Plot-Twists und halbgarer Symbolik überschattet. Und irgendwann ging mir das auch regelrecht auf den Sack (entschuldigt diese saloppe Ausdrucksweise), dass gefühlt jede Sekunde betont wurde, wie „hammer“, „super“ oder „geil“ Riri und ihr Erfindergeist sind.

Was mich am meisten stört: Ironheart hätte eine echte Stimme für junge Zuschauerinnen sein können, gerade für BIPOC-Kids, Tech-Enthusiastinnen und alle, die nach neuen Marvel-Stars lechzen. Doch das, was in den Trailern nach Vision aussah, verpufft in sechs Folgen Serien-Lärm, der weder Wucht noch Nachhall hat.

.FAZIT.

Eine Serie mit Ansätzen, aber ohne Richtung. Mit einem genialen (vorerst nur) Gastauftritt, aber ohne Substanz. Ironheart wirkt wie ein Versuchsballon, der nicht richtig aufsteigen will – obwohl der Himmel ihr offen stünde.



OriginaltitelIronheart
Produktionsland/-jahrUSA 2025
Laufzeit | Folgen289 Minuten (⌀ 50 Minuten pro Episode) | 6 Episoden in 1 Staffel(n)
GenreAction, Abenteuer, Science-Fiction, Fantasy
RegieSamantha Bailey, Angela Barnes
DrehbuchChinaka Hodge
KameraAnte Cheng, Alison Kelly
Dt. Erstausstrahlung25. Juni 2025
Home Entertainment
VerleihDisney+/Marvel Television

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