Seit Jahren galt die „Erste Familie des Marvel-Universums“ als Problemfall. Zu viele misslungene Versuche, zu viele unausgegorene Tonlagen – kaum ein Superheldenteam hat auf der großen Leinwand so oft neu beginnen müssen. Mit THE FANTASTIC FOUR: FIRST STEPS wagt Marvel nun einen weiteren Neustart – und überrascht mit einem Film, der weniger nach greller Blockbusterformel klingt, sondern nach einem Versuch, die vier Figuren endlich menschlich, verletzlich und emotional glaubwürdig zu erzählen.
.INHALT.
Eine Familie. Ein Zwischenfall. Und plötzlich: Superkräfte! Als ein wissenschaftliches Experiment außer Kontrolle gerät, verändert sich das Leben von Reed Richards (Pedro Pascal), Sue Storm (Vanessa Kirby), Johnny Storm (Joseph Quinn) und Ben Grimm (Ebon Moss-Bachrach) für immer. Doch mit großer Macht kommen große Herausforderungen. Sie sind gezwungen, ihre Rollen als Superhelden mit der Stärke ihrer Familienbande in Einklang zu bringen und müssen die Erde vor einer rätselhaften, namentlich galaktischen Bedrohung schützen. Und wenn Galactus‘ Plan, den gesamten Planeten zu vernichten, nicht schon schlimm genug wäre, wird es auch noch sehr persönlich.
.KRITIK.
Captain America: Brave New World war mehr oder weniger ein optischer und inhaltlicher Totalausfall. Thunderbolts (aka The New Avengers) war ein Hoffnungsschimmer, dass sich Marvel von den missglückten Fesseln der Vergangenheit löst. Auch wenn der Film an den Kinokassen nicht von Erfolg gekrönt war, so erinnerte er immerhin an die guten, alten Zeiten und das hat mir und anderen sehr gut gefallen. Doch in diesem Jahr lag der Fokus auf das Sorgenkind des MCUs: THE FANTASTIC FOUR: FIRST STEPS. Damit wagt Marvel einen weiteren Versuch, seine „Erste Familie“ endlich richtig im MCU zu verankern – und das Ergebnis ist ein Film, der mehr über Ambition und Tonalität erzählt als über bloße Spektakel.
Regisseur Matt Shakman setzt auf eine Mischung aus futuristischer Retro-Ästhetik, Science-Fiction und emotionalem Familiendrama. Während viele internationale Kritiker den Film als „unterkühlt“ oder „zu stilisiert“ abgetan haben, lohnt sich ein genauerer Blick, denn The Fantastic Four: First Steps ist deutlich interessanter, als es die ersten Stimmen vermuten lassen.
Der Film beginnt nicht, wie so viele Reboots, mit einer langen Origin-Geschichte. Stattdessen begegnen wir Reed Richards, Sue Storm, Johnny Storm und Ben Grimm in einer Welt, die irgendwo zwischen den 1960er Jahren und einem alternativen Marvel-Universum schwebt. Diese Entscheidung verleiht dem Film sofort Eigenständigkeit. Die visuelle Handschrift ist mutig: ein Retro-Sci-Fi-Look mit gedeckten Farben, runden Raumanzügen und einem charmanten Hauch nostalgischer Zukunft. Gerade diese stilistische Konsequenz macht den Film so reizvoll – er wirkt wie ein bewusst entschleunigter Gegenentwurf zur typischen Marvel-Formel und orientiert sich damit stark den den Comics.
Pedro Pascal und Vanessa Kirby bringen als Reed und Sue Storm eine emotionale Erdung in die Handlung, die dem Film guttut. Ihre Beziehung wird nicht bloß als funktionales Teamwork gezeigt, sondern als Partnerschaft voller Konflikte, Fürsorge und gegenseitiger Verletzlichkeit. Joseph Quinn als Johnny Storm liefert den humorvollen Kontrast, während Ebon Moss-Bachrachs Ben Grimm eine leise Tragik in die Gruppe bringt, auch wenn seine Figur etwas zu kurz kommt. Gerade in diesen Momenten zeigt sich Shakmans Gespür für Nuancen – die Fantastic Four wirken hier nicht wie Übermenschen, sondern wie Menschen, die lernen müssen, miteinander auszuhalten, was sie geworden sind.
Es gibt nur wenige Dinge, den man den Film vorwerfen könnte. Die Handlung bleibt konventionell, der Antagonist wirkt vertraut und manche Dialoge verlieren sich in Phrasen, die man in dutzenden Superheldenfilmen schon gehört hat. Auch die emotionale Tiefe, die der Film anfangs andeutet, wird nicht immer konsequent weitergeführt. Dennoch funktioniert er, wenn man ihn nicht mit den früheren, teils gescheiterten Verfilmungen vergleicht, sondern für sich nimmt: als ästhetisch überzeugendes, manchmal sogar poetisches Stück Comic-Kino, das zwar keine Revolution bringt, aber einen respektablen Neuanfang wagt.



.FAZIT.
So ist The Fantastic Four: First Steps kein lauter Paukenschlag, sondern ein gemessener, durchaus selbstbewusster Schritt in die richtige Richtung. Er steht irgendwo zwischen Nostalgie und Neudefinition – nicht perfekt, aber ehrlich, nicht makellos, aber mutig. Und vielleicht ist genau das der Ton, den Marvel gebraucht hat: weniger Überwältigung, mehr Wärme, mehr Raum zum Atmen.
| Originaltitel | The Fantastic Four: First Steps |
| Produktionsland/-jahr | Vereinigtes Königreich, USA, Kanada, Neuseeland 2025 |
| Laufzeit | 115 min |
| Genre | Abenteuer, Action, Science-Fiction |
| Regie | Matt Shakman |
| Drehbuch | Josh Friedman, Eric Pearson, Jeff Kaplan |
| Kamera | Jess Hall |
| Kino | 24. Juli 2025 |
| Home Entertainment Streaming | 31. Oktober 2025 5. November 2025 (Disney+) |
| Verleih | LEONINE Studios/Disney+ |

