THE OTHER | Horror beginnt selten mit einem Schrei

Es fängt alles so gut an: Ein Paar adoptiert nach langer Kinderlosigkeit ein kleines, stummes Mädchen, das endlich ihr Glück perfekt machen soll. Doch in THE OTHER verwandelt sich diese Hoffnung bald in etwas anderes: in eine Düsternis, die wächst, während die Familie versucht, normal zu bleiben. Paul Etheredge inszeniert seinen Horror wie ein leises Gift – schön, langsam, unaufhaltsam.

.INHALT.

Die Geschichte beginnt in ruhigem Ton: Robin (Olivia Macklin) und Daniel (Dylan McTee) haben die schwere Zeit der Kinderlosigkeit hinter sich gelassen und adoptieren die junge Kathelia (Avangeline Friedlander), ein stummes Mädchen mit dunkler Vergangenheit. Doch das wohlmeinende Familienprojekt gerät schnell außer Kontrolle: Unheimliche Ereignisse, schleichende Veränderungen, eine Spannungs­spirale, die in groteske Bilder übergeht, kündigen zunehmend das Unheil an, was in dieser scheinbaren Idylle wartet.

©️ Busch Media Group

.KRITIK.

Mit THE OTHER kehrt Paul Etheredge nach längerer Pause ins Genre des psychologischen Horrors zurück – und liefert mit diesem Film eine Mischung aus Familien-Drama und übernatürlichem Albtraum, die durchaus Stärken zeigt, gleichzeitig aber auch Schwächen offenbart.

Was dem Film zugutekommt, ist sein Gefühl für Atmosphäre und seine Bereitschaft, klassisches Horror-Material mit emotionalen Grunderwartungen zu verknüpfen. Etheredge schöpft aus eigenen Ängsten – etwa als werdender Vater – und vermittelt das Gefühl, dass nicht nur Dämonen draußen lauern, sondern die inneren Konflikte einer Familie selber schon genug Horror bergen.

Die technisch visuelle Umsetzung arbeitet mit praktischen Effekten, seltsamen Bildern (etwa rosa Schleim im Pool oder schleichendes Wachstum von Schimmel) und schafft es, dem Zuschauer eine unangenehme Spannung einzutrichtern, die weit über 0815-Jump-Scares hinausgeht.

Doch The Other schafft es nicht in Gänze, diese atmosphärische und visuell recht beeindruckende Stimmung auch auf seinen Plot auszudehnen. Dieser bedient sich an bekannte Horror-Motive – Pflegekind, stummes Mädchen, dunkle Vergangenheit, übersinnliche Kräfte – sodass manche Szenen weniger überraschen und das Gefühl von „Habe ich das nicht schon so irgendwo gesehen?“ aufkommt.

Auch die Charakterzeichnung bleibt teilweise oberflächlich: Während Kathelia eine bemerkenswerte non-verbale Präsenz entwickelt und Avangeline Friedlander souverän agiert, wirken andere Figuren gelegentlich als klassische Genre-Bausteine ohne tiefere Individualität. Zudem kann das Tempo für Zuschauer, die eher auf rasantes Horror-Kino setzen, etwas schleppend wirken – der Aufbau ist behutsam und auf Stimmung bedacht, nicht auf permanente Action. Dies sollte man sich bewusst machen und dies empfand ich auch als angenehm.

.FAZIT.

Trotz einiger Kritikpunkte ist The Other ein bitterböser Thriller, der erbarmungslos und konsequent zeigt, wie Horror und familiäre Konflikte ineinanderfließen können. Wer bereit ist, sich auf die unterschwellige Spannung, die verstörenden Bilder und die emotionalen Brüche einzulassen, wird mit einem Film belohnt, der durchaus erfrischend sein kann.



OriginaltitelThe Other
Produktionsland/-jahrUSA 2025
Laufzeit98 min
GenreHorror, Thriller
RegiePaul Etheredge
DrehbuchPaul Etheredge
KameraNoe Medrano Jr.
Kino
Home Entertainment16. Oktober 2025
VerleihBusch Media Group

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