WICKED – TEIL 2 | Zwischen Macht, Moral und verlorener Leichtigkeit

Nach dem starken ersten Teil war klar: WICKED – TEIL 2 wird es nicht leicht haben. Der Zauber ist vertraut, die Erwartungen hoch – und die Geschichte schlägt nun deutlich ernstere Töne an. Statt Euphorie steht diesmal Konsequenz im Mittelpunkt.

.INHALT.

Elphaba (Cynthia Erivo), als Böse Hexe des Westens verstoßen, kämpft im Exil für die Freiheit der Tiere und will die Wahrheit über den Zauberer (Jeff Goldblum) enthüllen. Glinda (Ariana Grande), nun Symbol des Guten, genießt den Ruhm im Palast, leidet aber unter der Trennung von Elphaba. Während ihre geplante Hochzeit mit Fiyero (Jonathan Bailey) naht, bedrohen Intrigen und ein Mädchen aus Kansas das fragile Gleichgewicht von Oz. Glinda und Elphaba müssen ein letztes Mal zusammenfinden, den ihre außergewöhnliche Freundschaft ist der Schlüssel zu ihrem Schicksal.

©️ PLAION Pictures

.KRITIK.

Nach dem überraschend starken ersten Teil hatte WICKED – TEIL 2 keine leichte Ausgangslage. Die Erwartungen waren hoch – emotional, visuell und erzählerisch. Und genau daran misst sich dieser zweite Akt unweigerlich. Während Teil 1 noch vor Energie, Neugier und musikalischem Drive sprühte, wirkt Teil 2 spürbar gesetzter, ernster und in vielen Momenten auch schwerer. Das ist konsequent gedacht, aber nicht immer gleich fesselnd umgesetzt.

Inhaltlich verschiebt sich der Fokus klar: Die Leichtigkeit weicht politischen Konflikten, moralischen Grauzonen und dem Zerbrechen von Freundschaften. Elphaba steht nun endgültig im Zentrum eines Systems, das sie ablehnt und instrumentalisiert, während Glinda ihren Platz innerhalb dieser Machtstrukturen sucht – und dabei immer mehr Kompromisse eingeht. Diese Entwicklung ist interessant, wirkt aber deutlich weniger verspielt als im ersten Teil. Das Musical wird zum Drama, das Zauberhafte rückt in den Hintergrund.

Inszenatorisch bleibt Wicked – Teil 2 hochwertig. Bühnenbild, Kostüme und Effekte sind weiterhin beeindruckend, wenn auch nicht mehr so überwältigend wie zuvor. Wenngleich man den Green Screen förmlich spürt, so reicht die Magie aus, um uns zu fesseln. Vieles fühlt sich vertraut an, fast erwartbar. Wo Teil 1 noch neugierig machte und visuell überraschte, setzt Teil 2 eher auf Variation als auf Neuentdeckung. Das ist solide, aber selten magisch.

Musikalisch gibt es starke Momente, keine Frage. Einige Songs tragen die emotionale Schwere gut, andere wirken weniger eingängig und bleiben nicht so hängen wie die Highlights des ersten Teils. Man spürt, dass dieser Film mehr erzählen will als unterhalten – was ihm inhaltlich Tiefe verleiht, aber auch Tempo kostet. Gerade im Mittelteil zieht sich das Geschehen merklich.

Trotzdem: Wicked – Teil 2 ist kein misslungener Abschluss. Die Figuren werden ernst genommen, Konflikte nicht banal aufgelöst, und das Finale findet einen stimmigen, wenn auch nicht überwältigenden Ton. Der Film weiß, was er sagen möchte – ihm fehlt nur manchmal der Mut oder die Leichtigkeit, es mit derselben Wucht zu tun wie zuvor.

.FAZIT.

Wicked – Teil 2 ist ein solider und zugleich ernster Abschluss, der inhaltlich reifer, aber emotional weniger mitreißend ist als der erste Teil. Die visuelle Qualität stimmt, die Figurenentwicklung ist konsequent, doch der Zauber und die Euphorie des Anfangs lassen sich nicht vollständig wiederholen. Wohlwollend betrachtet: ein ordentlicher zweiter Akt, der im Schatten seines Vorgängers steht.



OriginaltitelWicked: For Good
Produktionsland/-jahrUSA, Australien, Kanada 2025
Laufzeit137 min
GenreDrama, Fantasy, Musical
RegieJon M. Chu
DrehbuchWinnie Holzman, Dana Fox

basierend auf dem Musical Wicked; Musik und Text
von Stephen Schwartz
KameraAlice Brooks
Kino20. November 2025
Home Entertainment12. Februar 2026
VerleihPLAION Pictures

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