MARCO | Wenn Bollywood die Sicherung durchbrennt

MARCO ist ein wilder Mix aus Bollywood-Kitsch und hemmungsloser Brutalität – ein Film, der alles übertreibt, was man übertreiben kann, und dabei erstaunlich viel Spaß macht. Ein Rachefeldzug, der so drüber ist, dass man irgendwann einfach mitgeht und die Spieldauer von 145 Minuten aus den Augen verliert.

.INHALT.

Marco (Unni Mukundan) ist das schwarze Schaf einer Gangsterfamilie – ultracool, sarkastisch, unberechenbar und tödlich! Als sein blinder Bruder Victor (Ishan Shoukath) ermordet wird, sieht Marco rot und kennt nur noch ein Ziel: Rache! Ob mit bloßen Fäusten, Messern oder großkalibrigen Waffen – es wird ein Schlachtfest, wie man es noch nie gesehen hat!

©️ Busch Media Group

.KRITIK.

MARCO ist einer dieser Filme, bei denen man schon nach fünf Minuten merkt, dass hier niemand auch nur im Ansatz versucht hat, sich zurückzuhalten. Es ist, als hätte ein klassischer Bollywood‑Kitschfilm beschlossen, seine melodramatischen Wurzeln zu behalten, aber gleichzeitig sämtliche Regler für Action, Pathos und Blutvergießen bis zum Anschlag aufzudrehen. Heraus kommt ein Rachethriller, der so überzogen ist, dass er fast schon charmant wirkt – wenn man denn bereit ist, sich auf dieses Chaos einzulassen.

Im Zentrum steht Marco, das schwarze Schaf einer Gangsterfamilie, ein Typ, der mit seiner Coolness ganze Räume klimatisieren könnte. Sarkasmus ist seine Muttersprache, Gewalt sein Dialekt. Als sein blinder Bruder Victor ermordet wird, fällt Marco nicht in Trauer, sondern in eine Art hyperstilisierten Berserkerzustand. Von da an pflügt er durch die Unterwelt, als würde er in jedem Gegner eine persönliche Beleidigung sehen. Fäuste, Messer, großkalibrige Argumentationsverstärker – Marco ist nicht wählerisch, solange es knallt.

Und trotzdem schimmert unter all dem Blut und Getöse dieser unverwechselbare Bollywood‑Flair durch. Diese großen Gesten, diese überlebensgroßen Emotionen, diese Momente, in denen man fast erwartet, dass gleich ein Liebeslied einsetzt, bevor stattdessen jemand durch eine Wand fliegt. MARCO ist kitschig, aber mit einer Härte, die man in dieser Kombination selten sieht. Ein Film, der gleichzeitig mit den Wimpern klimpert und mit dem Vorschlaghammer winkt.

Natürlich ist die Handlung dünn wie Reispapier, aber das gehört hier fast zum Konzept. Der Film will gar nicht tiefgründig sein. Er will ein Gefühl erzeugen – dieses überdrehte, laute, völlig ungebremste Gefühl, das man bekommt, wenn Kino sich selbst nicht mehr ernst nimmt, aber seine eigene Übertreibung mit maximaler Hingabe feiert. Und genau darin liegt sein Reiz: MARCO ist so drüber, dass man irgendwann einfach mitgeht – obwohl hier toughe 145 Minuten Laufzeit ordentlich Sitzfleisch abverlangen.

.FAZIT.

Am Ende bleibt ein Film, der gleichzeitig brutal und verspielt ist, hemmungslos und doch irgendwie süß in seiner Übertreibung. Ein Bollywood‑Massfilm, der seine eigene DNA nimmt, sie in Benzin tränkt und dann mit einem breiten Grinsen anzündet. Man muss MARCO nicht lieben, aber man kann sich wunderbar darin verlieren, wenn man Lust auf ein Spektakel hat, das keine Grenzen kennt.



MARCO ist als limitiertes Mediabook mit sieben verschiedenen Covern sowie als DVD und Blu-ray HIER* erhältlich.
OriginaltitelMarco
Produktionsland/-jahrIndien 2024
Laufzeit145 min
GenreThriller, Action, Krimi
RegieHaneef Adeni
DrehbuchHaneef Adeni
KameraChandru Selvaraj
Kino21. Dezember 2026 (limitiert)
Home Entertainment19. Februar 2026
VerleihBusch Media Group

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