HIM – DER GRÖSSTE ALLER ZEITEN | Mentor, Mythos, Monster

Oscar-Preisträger Jordan Peele präsentiert eine furchterregende Reise zur Schattenseite des unerbittlichen Strebens nach Perfektion: In HIM – DER GRÖSSTE ALLER ZEITEN gerät ein junger Sportler in eine Welt des Terrors, als er zum Training mit einem legendären Champion eingeladen wird, dessen Charisma sich in etwas Düstereres verwandelt.

.INHALT.

Cameron Cade (Tyriq Withers) ist ein aufstrebender Quarterback, der nach einem Angriff durch einen verstörten Fan eine Verletzung erleidet, die möglicherweise das Ende seiner Karriere bedeutet. Gerade als alles verloren scheint, bietet sein Held Isaiah White (Marlon Wayans) ihm an, ihn in einer abgelegenen Anlage zu trainieren. Doch im Laufe des Trainings verwandelt sich Isaiahs Charisma in etwas Dunkleres und stürzt Cam in einen verwirrenden Strudel, der ihn mehr kosten könnte, als er jemals erwartet hätte.

©️ PLAION Pictures

.KRITIK.

In den vergangenen Jahren hat Jordan Peele als Produzent und Regisseur einige der eindrucksvollsten Horrorfilme der letzten Dekade mitgestaltet: Get Out, Wir und Nope sind moderne Genreklassiker mit subversiven Untertönen, die Eindruck hinterlassen haben. Meine Neugier war umso größer, als HIM – DER GRÖSSTE ALLER ZEITEN angekündigt wurde, insbesondere weil Peele hier „nur“ als Produzent fungiert und Justin Tipping die Regie übernommen hat. Doch ich dachte mir, da steckt ein starkes kreatives Team hinter diesen Film, das wird funktionieren.

Und ja: der Film hat seine Momente, aber er ist ein recht gespaltenes Erlebnis.

Der Ansatz ist überzeugend: Nach einem schweren Schädeltrauma erhält das junge Football-Talent Cameron Cade die Gelegenheit, im abgelegenen Trainingsbunker – dank der großen Legende Isaiah White – der nächste All-Time-Great zu werden. Was anfänglich wie eine klassische Sport-Mentor-Ship klingt, entfaltet sich zu einer bizarren, fast surrealen Reise durch Fanatismus, Leistungskult und toxische Körperoptimierung und dessen -verwertung.

Handwerklich gibt es hier einiges zu loben. HIM wirkt aufwendig, stilvoll und äußerst filmisch. Die Kameraführung und der Bildstil erwecken häufig den Eindruck, man betrachte ein kunstvoll gestaltetes Musikvideo – mit einer Aura morbider Eleganz. Die Besetzung ist beeindruckend: Marlon Wayans bietet eine überraschend intensive Darbietung als charismatischer, aber zutiefst bedenklicher Mentor, und Tyriq Withers überzeugt in der Rolle seines zunehmend verunsicherten Schützlings.

Der Look und die Schauspielleistung funktionieren zwar, aber das Drehbuch ist zu überambitioniert und darunter leider der Film. HIM bietet eine Fülle von Elementen: Horror, Satire, psychologische Verstrickungen und beinahe rituelle Metaphern. Leider erscheint vieles davon chaotisch und unvollständig, als hätten die einzelnen Elemente mehr Inspirationsmomente als eine erzählerische Struktur. Vor allem der Mittelteil des Films verzettelt sich in Symbolik und Stil, ohne dass Spannung oder Kohärenz dadurch aufrechterhalten werden.

Fans von Jordan Peele könnten hier an seine herausragenden Werke erinnert werden – insbesondere was die gespenstische Atmosphäre und die gestaltete Welt betrifft. Wo Get Out oder Wir jedoch mit einer klaren, scharfen Botschaft und psychologischer Tiefe aufwarteten, bleibt HIM oft mehr ein Rätsel als eine Antwort. Es gibt zwar eine Kritik an der Sportkultur, diese wird jedoch in ausdrucksvollen Bildern und Metaphern eher angedeutet als klar erzählt.

HIM ist letztlich ein Film, der knapp an etwas Besserem vorbeischrammt. Er sieht großartig aus, bietet beeindruckende Momente und gute Darbietungen, aber dazwischen gibt es zu viel Leere und zu wenig narrativen Fokus. Gerade wenn man visuelle Eigenheiten und genreübergreifende Experimente schätzt, kann man ihn mögen.

.FAZIT.

HIM – Der Größte aller Zeiten bietet eine schauspielerisch überzeugende Darbietung und ist stilistisch gelungen, hat jedoch Schwächen in Bezug auf seine Handlung und Erzählstruktur. Ein bemerkenswerter Mischmasch aus Sport, Horror und Symbolik, der durchaus zu beeindrucken weiß – wenn man seine Ansprüche etwas runterschraubt.



OriginaltitelHim
Produktionsland/-jahrUSA 2024
Laufzeit96 min
GenreHorror, Sportfilm, Thriller
RegieJustin Tipping
DrehbuchSkip Bronkie, Zack Akers, Justin Tipping
MusikKira Kelly
Kino13. November 2025
Home Entertainment26. Februar 2026
VerleihPLAION Pictures

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