Mit viel Humor und einem feinen Gespür für das Absurde lässt Regisseur Julius Grimm in seinem Debüt ZWEIGSTELLE die Nachwuchsstars Sarah Mahita, David Ali Rashed, Nhung Hong, Beritan Balci und Julian Gutmann gegen den bürokratischen Wahnsinn im Jenseits ankämpfen.
.INHALT.
Als hätten sie nicht schon genug Probleme, geraten Resi (Sarah Mahita) und ihre drei Freunde auf der Fahrt in die Alpen in einen tödlichen Unfall. Prompt findet sich die Clique in einer bayerischen Jenseits-Behörde wieder, die über ihr weiteres Schicksal entscheiden soll. Elysium, Fegefeuer, Wiedergeburt – alles scheint möglich. Doch als klar wird, dass der Gruppe jegliche Überzeugung fehlt, stellt sich die entscheidende Frage: Was zum Teufel passiert mit jemandem, der zu Lebzeiten an NICHTS geglaubt hat?
.KRITIK.
Der deutsche Film ist ja höchst kontrovers diskutiert. Zwischen Kassenschlager bis Totalausfällen ist gefühlt alles dabei, wenn man den Kommentaren auf Social Media & Co Glauben schenken kann. Jede Produktion aus Deutschland wird automatisch Skepsis entgegengeworfen. Und da haben es vermeintlich kleinere Filme schwer, sich überhaupt Gehör zu verschaffen. Ich erwische mich oft selbst dabei, wie ich schon im Vorfeld kritisch die Synopsis lese. Doch es gibt auch immer mal wieder Überraschungen. Man muss sich nur trauen, seine Vorurteile in die Schublade zu legen und sich der vermeintlichen Herausforderung zu stellen. Tja, und ich wurde belohnt. Julius Grimms ZWEIGSTELLE ist eine skurrile Idee, die durch das Stellen der richtigen Schrauben in eine Tragikomödie verwandelt wurde und zugleich absurd, nachdenklich und äußerst unterhaltsam ist.
Die Grundidee ist so originell wie stark: Nach einem Autounfall finden sich Resi und ihre drei Freunde nicht im klassischen Jenseits, sondern in einer übermäßig bürokratischen Zwischenweltbehörde – der Zweigstelle Süddeutschland III/2 – wieder. Denn zunächst muss geprüft werden, wohin die Reise für die Gruppe geht.
Die Kombination aus Alltagsgeschehen und Absurdität hat mich an diesem Setup besonders begeistert. Die Logik der Behörden erscheint so bekannt – Aktenwirrwarr, unfreundliche Sachbearbeiter:innen, Nummer ziehen – dass man lachen (und verzweifeln) muss, obwohl es eigentlich um Leben und Tod geht. Der Film balanciert dabei zwischen komischen Situationen und ernsthaften Fragen wie „Was bedeutet Leben?“, „Was heißt Glauben?“ oder „Und wie viel Chaos steckt in uns selbst?“
Was Zweigstelle über die Idee hinaus trägt, sind seine Figuren. Resi (gespielt von Sarah Mahita) und ihre Freunde wirken nicht wie bloße Karikaturen, sondern wie echte Menschen mit Unsicherheiten, Wünschen und – ja – auch der Leichtigkeit, über sich selbst zu lachen. Die wohlbekannten „Beamten“ mit bayerischem Einschlag – etwa die überzeichneten, aber liebenswerten Sachbearbeiterinnen – bringen echten Charme und Lokalkolorit ins Spiel, ohne dass es gezwungen wirkt. Gerade in den ruhigeren Momenten, wenn die Kamera den Figuren einfach Zeit gibt, spürt man echtes Interesse an ihren inneren Geschichten, nicht nur an den Pointen.
Der Ton in Zweigstelle ist ein Glücksfall: Er ist nicht einfach „lustig“, sondern eher klug komisch. Die absurder Situationen sind oft skurril zusammengesetzt, wecken manchmal Assoziationen zu einer bayerischen Variante amtlicher Kafkaeske – aber stets mit einem Augenzwinkern. Was ich als besonders angenehm empfand: Der Film versucht nicht, jedes Thema vollständig zu erklären. Insbesondere bei philosophischen Fragestellungen – wie etwa derjenigen, wer ins Nichts kommt, weil er an nichts geglaubt hat – bietet er einen Raum für Überlegungen, ohne dass es schwerfällig wird. Es ist diese feine Balance, die den Film nachhallen lässt.
Wenn ich etwas anmerken würde, dann ist es, dass Zweigstelle an manchen Stellen erzählerisch etwas sprunghaft ist. Die Mischung aus tiefgründigen Momenten und komödiantischen Sketchen kann gelegentlich etwas unausgeglichen wirken, so dass nicht jede Pointe sitzt und nicht jede Figur gleich viel Tiefe bekommt. Auch der Humor ist nicht immer hundertprozentig treffsicher – manchmal bleibt er eher charmant als urkomisch. Das schmälert den Gesamteindruck aber kaum, weil der Film gerade aus diesen Unebenheiten seinen eigenen Rhythmus gewinnt.



.FAZIT.
Zweigstelle ist kein Meisterwerk im klassischen Sinne – aber ein äußerst sympathisches Debüt, das zeigt, wie vielseitig deutsches Kino sein kann. Es lässt einen lachen, lässt einen nachdenken und schafft es dabei, echte Figuren in einer absurden Welt lebendig werden zu lassen.
| Originaltitel | Zweigstelle |
| Produktionsland/-jahr | Deutschland 2025 |
| Laufzeit | 99 min |
| Genre | Komödie |
| Regie | Julius Grimm |
| Drehbuch | Julius Grimm, Fabian Krebs |
| Musik | Lea Dähne |
| Kino | 13. November 2025 |
| Home Entertainment | 27. Februar 2026 |
| Verleih | Weltkino Filmverleih |

