Das Predator-Franchise lebt von klaren Prämissen: Menschen werden gejagt, ein unsichtbarer Gegner dominiert das Terrain, am Ende steht ein archaischer Überlebenskampf. PREDATOR: BADLANDS durchbricht diese Struktur konsequent, indem er erstmals einen jungen Yautja ins Zentrum rückt. Dieser Perspektivwechsel ist kein bloßer Gimmick, sondern das Fundament des Films – und zugleich sein größtes Wagnis.
.INHALT.
In der Zukunft auf einem abgelegenen Planeten wird der junge Predator Dek (Dimitrius Schuster-Koloamatangi) von seinem Clan verstoßen. Auf seiner gefährlichen Reise begegnet Dek der Androidin Thia (Elle Fanning). Sie wurde von einer Corporation entsandt, um biologische Proben zu sichern. Obwohl die beiden grundverschieden sind, schließen sie eine unwahrscheinliche Allianz. Gemeinsam begeben sie sich auf eine gefährliche Suche nach dem ultimativen Gegner, um Deks Ehre wiederherzustellen.
.KRITIK.
Regisseur Dan Tracthenberg, der bereits mit Prey und dem Animationsfilm Predator: Killers of Killer bewiesen hat, dass er dem Predator-Mythos neue Facetten abgewinnen kann, nutzt PREDATOR: BADLANDS als Gelegenheit, die Kultur der Yautja zugunsten einer emotional greifbareren Erzählung zu erkunden. Die Welt, in die Dek – der junge Predator – gestoßen wird, ist visuell reich ausgestaltet: bizarr fremde Flora und Fauna, motivisch stimmige Atmosphären und actionreiche Set-Pieces wechseln sich mit Momenten ab, die überraschend viel über Loyalität, Stärke und Identität aussagen.
Ein zentrales Element ist die Beziehung zwischen dem jungen Jäger und der Androidin Thia. Diese Konstellation verleiht dem Film emotionale Substanz und eine gewisse Komik. Die Interaktion ist zurückhaltend geschrieben, lebt von Blicken, Gesten und situativer Spannung. Besonders in ruhigeren Passagen zeigt sich die Stärke des Drehbuchs: Es vertraut auf Zwischentöne. Die Performances tragen hier entscheidend dazu bei. Die „menschliche“ Komponente wirkt nicht wie ein Fremdkörper in einer außerirdischen Geschichte, sondern als Kontrastfolie. Dadurch entsteht eine Dynamik, die man lieben – aber auch hassen kann.
Visuell zählt Badlands zu den stärkeren Beiträgen der Reihe. Die fremdartigen Landschaften sind gut gestaltet, mit einem klaren Gespür für Maßstab und Textur. Weite Totalen wechseln sich mit engen, fast schon klaustrophobischen Momenten ab. Die Kamera beobachtet, hetzt oder ist in manchen Situationen der dritte Mann. Dadurch entsteht eine ausbalancierte Spannung, die weniger auf Schockeffekte als auf Atmosphäre setzt. Die Kreaturen- und die allgemeine Produktionsgestaltung fügt sich stimmig ins bekannte Universum ein, ohne sich in Nostalgie zu verlieren. Gerade die Darstellung des jungen Predators überzeugt, wenngleich ich mich anfangs etwas schwer damit tat: Er wirkt weder mystifiziert noch entzaubert, sondern als Figur mit klarer innerer Motivation.
So erfrischend der Perspektivwechsel ist, ganz rund ist dieser leider nicht. Im Mittelteil verliert der Film zeitweise an erzählerischer Spannung; einzelne Konflikte wiederholen sich strukturell, ohne neue Impulse zu setzen. Auch die bewusst humorvolle Tonalität könnte Franchise-Puristen irritieren, die eine kompromisslosere Härte und mehr Nahtlosigkeit ins Predator-Universum erwarten. Doch diese Entscheidung ist konsistent mit der gewählten Ausrichtung und schwächt den Film nicht grundlegend. Sie ist aber zumindest gewöhnungsbedürftig.



.FAZIT.
Predator: Badlands erfindet das Franchise nicht neu – aber es denkt es durchaus klug weiter. Der Film vertraut auf Atmosphäre, Figuren und einen Perspektivwechsel, der mehr ist als ein Marketinggag. Kleine erzählerische Dellen und die mitunter recht überdrüssige Komik könnten durchaus stören, aber das sehe ich aufgrund des erfrischenden Ansatzes eher an zweiter Stelle.
| Originaltitel | Predator: Badlands |
| Produktionsland/-jahr | USA, Australien, Neuseeland, Kanada, Deutschland 2025 |
| Laufzeit | 107 min |
| Genre | Action, Abenteuer, Thriller, Science-Fiction |
| Regie | Dan Trachtenberg |
| Drehbuch | Patrick Aison, Dan Trachtenberg, Jim Thomas |
| Musik | Jeff Cutter |
| Kino | 6. November 2025 |
| Home Entertainment/Streaming | 27. Februar 2026 / 12. Februar 2026 (Disney+) |
| Verleih | LEONINE Studios |

