THE RUNNING MAN | Zwischen Neonlichtern, Medienzynismus und Dauerbeschallung

1987 war „The Running Man“ eine grelle Actionfantasie mit klaren Fronten. 2025 ist das Spiel komplexer und näher an der King’schen Buchvorlage geworden. THE RUNNING MAN von Edgar Wright interessiert sich weniger für Muskelkraft als für Medienmacht – weniger für rohe Gewalt als für ihre Vermarktung. Das Ergebnis ist ein temporeiches Update, das klug modernisiert wurde, aber nicht jede Chance voll ausschöpft.

.INHALT.

The Running Man ist eine unterhaltsame, verrückte und tödliche Spielshow, in der die Teilnehmer 30 Tage lang überleben müssen, während sie von professionellen Killern gejagt werden. Alles wird vor einem blutrünstigen Publikum übertragen, und mit jedem Tag steigt die Geldprämie. Der Arbeiter Ben Richards (Glen Powell) wird vom skrupellosen Produzenten der Show (Josh Brolin) zur Teilnahme gezwungen. Ben wird schnell zum Liebling der Fans – und zu einer Bedrohung für das gesamte System.

©️ LEONINE Studios

.KRITIK.

Stephen Kings Vorlage wurde 1987 mit Arnold Schwarzenegger zur testosterongeladenen Actiongroteske. Die neue Version THE RUNNING MAN setzt andere Akzente. Wo das Original vor allem auf physische Präsenz und One-Liner baute, interessiert sich Edgar Wrights Adaption stärker für das Mediensystem hinter der Gewalt – für Quote, Manipulation und das Spektakel als Geschäftsmodell.

Mit Glen Powell in der Hauptrolle verschiebt sich auch die Tonlage. Powell spielt keinen unerschütterlichen Muskelprotz, sondern einen gewitzten, medial verwertbaren Außenseiter, der schneller denkt als schießt. Das macht den Film zugänglicher, aber auch weniger roh und ungezügelt.

Regisseur Edgar Wright bringt sein typische Rhythmusgefühl ein: schnelle Schnitte, pointierte Übergänge, musikalisch getaktete Montagen. Der Film ist nahezu permanent in Bewegung. Actionsequenzen sind präzise choreographiert und klar lesbar, nie chaotisch. Visuell dominiert ein grelles, überzeichnetes Produktionsdesign – eine Zukunft, die weniger fern wirkt als nur minimal übersteigert. Das verleiht der Satire Aktualität und die Gameshow-Elemente erinnern bewusst an gegenwärtige Streaming-Ästhetiken: Dauerkommentierung, Publikumsinteraktion, algorithmisch optimierte Dramaturgie.

Gleichzeitig ist genau dieses hohe Tempo ambivalent. Der Film gönnt sich kaum Pausen. Emotional aufgeladene Momente werden oft zugunsten des nächsten Setpieces verkürzt, was für Energie, aber auch für eine gewisse Oberflächlichkeit sorgt.

Powell meistert den Film. Er verbindet Charisma mit einer ironischen Distanz, ohne dass die Figur zur Parodie wird. Sein Hauptfigur kommt wie ein Mann daher, der begreift, dass er Teil einer Show ist – und genau das zu seinem Vorteil nutzt. Eine der Stärken des Films ist diese Selbstreflexion: Gewalt wird nicht verherrlicht, sondern als etwas Inszeniertes dargestellt. Das Skript nutzt geschickt die Vorstellung aus, dass in einer durchkommerzialisierten Welt Widerstand sofort wiederverwertet wird. Powells Figur bleibt jedoch emotional etwas unterentwickelt. Ihre Motivation ist verständlich, doch nicht immer wird sie auch gefühlt oder nach außen getragen. Vielleicht hätte sich Wright hier etwas mehr Zeit und Ruhe nehmen müssen, um Ben Richards noch mehr Entwicklung zuzugestehen.

Thematisch trifft The Running Man durchaus den Nerv der Zeit: Sensationslust, Medienethik, soziale Ungleichheit. Doch die satirische Zuspitzung bleibt moderat, denn der Film baut mehr auf Unterhaltung und vermeidet aber die wirklich unbequemen Abgründe. Gerade im letzten Drittel entscheidet sich das Drehbuch für konventionellere Bahnen. Spannung entsteht solide, aber bleibt dabei selten überraschend.

.FAZIT.

Der neu aufgelegte The Running Man ist kein radikales Update, aber ein clever produziertes, temporeiches Reboot mit klarer Handschrift. Glen Powell überzeugt als zeitgemäßer Held, Edgar Wright inszeniert mit Stilbewusstsein und Rhythmus. Was fehlt, ist der letzte Biss – emotional wie satirisch.



OriginaltitelThe Running Man
Produktionsland/-jahrUSA, Vereinigtes Königreich 2025
Laufzeit133 min
GenreAction, Thriller, Komödie
RegieEdgar Wright
DrehbuchEdgar Wright, Michael Bacall, Stephen King (Buch)
KameraChung-hoon Chung
Kino13. November 2025
Home Entertainment/Streaming6. März 2026
Verleih/VertriebParamount Home Entertainment/LEONINE Studios

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